von David Blezinger Der Arbeits- und Aktionskreis kritischer Studierender, der sich mit gesellschaftlichen Fragestellungen und studentischen Angelegenheiten befasst, hatte bisher vor allem ein alternatives Publikum angezogen. Dieses Mal war das anders. Durch das Thema des Abends – „Universität und Lernfabrik – wie passt das zusammen?“ hatte sich die Zielgruppe zumindest etwas erweitert. Dies spiegelte sich [...]
von David Blezinger
Der Arbeits- und Aktionskreis kritischer Studierender, der sich mit gesellschaftlichen Fragestellungen und studentischen Angelegenheiten befasst, hatte bisher vor allem ein alternatives Publikum angezogen. Dieses Mal war das anders. Durch das Thema des Abends – „Universität und Lernfabrik – wie passt das zusammen?“ hatte sich die Zielgruppe zumindest etwas erweitert. Dies spiegelte sich auch in der Zahl der Studenten wider, die den Seminarraum bis zum letzten Platz füllten.
Der an der Uni Kiel lehrende Soziologe Prof. Dr. H.W. Prahl, selbst schon älteren Jahrgangs, vertrat mit der Energie früherer Studentenproteste die Interessen der heutigen Studenten, die höflich schweigend an den Tischen saßen. „Bildung wird im Zuge des Bologna-Prozesses als Dienstleistung betrachtet. Das hat katastrophale Folgen.” Der Bachelor sei durchstrukturiert und verschult – eine Lernfabrik, die flexible und verfügbare Individuen für den Markt rekrutiere, ohne die Bildung als allgemeines Kulturgut zu sehen. Gerade dies aber sei entscheidend für das Innovationspotential unserer Gesellschaft. „Den Bachelorstudenten kann man mit einem einfachen Fabrikarbeiter vergleichen” bemerkte er mit einiger Ironie. Täglich drehe er die ihm vorgeschriebene Anzahl an Schrauben fest, wobei es ihm letztlich egal sei, ob es nun ein paar Schrauben mehr oder weniger seien, solange er nur seinen veranschlagten Lohn erhalte.
Neben aller Kritik an der erdrückenden, marktorientierten Struktur und rigiden Sanktionen innerhalb der Bachelor-Studiengänge nannte Prahl auch positive Aspekte wie die Verbesserung der Wahlmöglichkeiten zwischen Studiengängen. Besonders hob er hervor, dass sich den Studenten trotz der Einengung durch das Bachelor-System zweifellos immer noch Freiräume böten. Diese Freiräume könnten für eigene Aktivitäten, aber auch zum Protest genutzt werden.
Bei der anschließenden Diskussion kam eine Atmosphäre des Protests jedoch trotz des Themas, das alle im Raum betraf, nicht auf. Gespannt warteten die Studenten auf die Antworten des Referenten, der mit der Energie der 68er seine Kritik vortrug. Unter den Studenten gab es keine einheitliche Reaktion, sondern vor allem große Unsicherheit. Erstaunt wurde festgestellt, dass Protest überhaupt Erfolg haben kann. „Ich wusste gar nicht, dass Protest möglich ist“, meinte eine Studentin.
Es muss ja nicht gleich große Demonstrationen geben. Doch was klein anfängt, kann sich zu etwas Größerem entwickeln. Freiräume nutzen, sich engagieren. Dinge tun, die keinen unmittelbaren Nutzen für Studium und Karriere besitzen. Dinge, für die man keine Credit Points bekommt. Wer sich ein wenig freier machen kann von den scheinbaren und unscheinbaren Zwängen des Alltags, bekommt auch Mut zur Veränderung.
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