Ebenso wie der FC St. Pauli oft als der „etwas andere Fußballverein“ bezeichnet wird, so kann man Viva con Agua de Sankt Pauli wohl die „etwas andere Entwicklungshilfeorganisation“ nennen. Die Initiative setzt sich, in Kooperation mit der WELTHUNGERHILFE, „für einen menschenwürdigen Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser“ in aller Welt ein.
von Lena-Johanna Oeffner
Ebenso wie der FC St. Pauli oft als der „etwas andere Fußballverein“ bezeichnet wird, so kann man Viva con Agua de Sankt Pauli wohl die „etwas andere Entwicklungshilfeorganisation“ nennen. Die Initiative setzt sich, in Kooperation mit der Welthungerhilfe, „für einen menschenwürdigen Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser“ in aller Welt ein. Und zwar strikt nach dem Motto: Helfen soll Spaß machen. So werden die finanziellen Mittel, die zur Durchführung der Projekte nötig sind, auf eher unübliche Weise verdient: durch Aktionen wie „Dein Pfand für Wasser“, bei der auf Festivals die Pfandbecher der Besucher gesammelt werden, oder das „Tramprennen“ mehrerer Teams von Kiel nach Barcelona.
Ins Leben gerufen wurde der Verein im Jahre 2005 vom ehemaligen Fußballprofi Benjamin Adrion, als dieser mit dem FC St. Pauli im Trainingslager auf Kuba war und dort mit dem Problem der ungenügenden Trinkwasserversorgung konfrontiert wurde. Seitdem sind bereits neun Projekte realisiert worden, durch die über 50.000 Menschen in Ländern wie Äthiopien, Madagaskar, Tadschikistan oder Kuba zu sauberem Trinkwasser verholfen wurde. Die Organisation, deren Mitarbeiter sich ehrenamtlich engagieren, finanziert sich ausschließlich durch Spenden, die zum großen Teil bei Aktionen kultureller Art eingenommen werden. Hierbei spielt der Sport, insbesondere der Fußball mit dem Gedanken des Fairplay, eine zentrale Rolle als Grenzen überschreitendes Kommunikationsmittel. Sponsoren sind zumeist Unternehmen, wobei die Unterstützung von Firmen, die nicht in die Vereinsphilosophie passen, entschieden abgelehnt wird. Als verlässlicher Partner bietet der FC St. Pauli konkrete Unterstützung – so werben Spieler des Fußballclubs für die Trinkwasserinitiative, und der Verein stellt das Stadion für Ausstellungen und Ähnliches zur Verfügung.
Viva con Agua versteht sich als offenes Netzwerk, das jedem eine Plattform bietet, der aktiv werden und seine Ideen einbringen will. Der Mitmach-Charakter steht hierbei im Vordergrund, die Ideen entstehen in den Zellen selbst, die zur Zeit, abgesehen vom Zentrum in Hamburg, in Osnabrück und Kiel agieren. Hier werden die Pläne mit individuellem Einsatz umgesetzt, wobei Wert darauf gelegt wird, die Hierarchie „möglichst flach zu halten und ein Wir-Gefühl zu schaffen“ – so Tobias Rau, auf dessen Betreiben hin seit Oktober letztes Jahres nun auch in Kiel mit ungewöhnlichen Veranstaltungen auf die unzureichende Trinkwasserversorgung in vielen Gebieten aufmerksam gemacht und dem Problem abgeholfen wird. Dahinter steht der Gedanke der in dem Wohlstand der Industrienationen liegenden Verantwortung gegenüber ärmeren Ländern. Wie auch in Hamburg und Osnabrück erfuhr Viva con Agua in Kiel einen großen Zulauf an Akteuren innerhalb kurzer Zeit und konnte so unter anderem das bereits erwähnte Tramprennen auf die Beine stellen. Als nächstes Ereignis steht am 11. Dezember der Auftritt von Unami im Luna Club an. Die Eintrittsgelder fließen zu 100 Prozent in das Projekt. Viva con Agua wurde – nebst namenhaften Konkurrenten wie Amnesty International – für den Uni-Award nominiert, der am 16. Dezember verliehen werden wird.
Absicht ist es, sich mit viel Spaß für einen guten Zweck einzusetzen und durch verrückte Aktionen den Fokus auf die Armut in der Welt zur richten. Helfen bekommt hier eine ganz neue Dimension – die des Vergnügens. Mitmachen kann jeder, schon der Besuch eines Konzertes bringt Viva con Agua und die Welthungerhilfe ihrem Ziel ein Stückchen näher: Du bist der Tropfen.
most_commented_widget-3