Die neun externen Professoren des Universitätsrats bekommen reichlich Geld, um die schleswig-holsteinischen Universitäten zu verbessern. Das Ministerium ignoriert deren Vorschläge aber und die Zielvereinbarungen stehen für Stillstand. Bleiben die Studenten auf der Strecke?
von René Marquardt
Sie drohten mit Rücktritt, wenn ihre Vorstellungen nicht umgesetzt würden. Sie wurden nicht umgesetzt. „Trotzdem bleiben die Damen und Herren und werden in ihrer behaglichen Unbedeutsamkeit überwintern“, kritisierte Jytte Dössel. Sie ist hochschulpolitische Referentin im Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AStA) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und meinte mit ihrer Kritik den Universitätsrat Schleswig-Holstein (Unirat).
Was ist der Unirat?
Ein von der schleswig-holsteinischen Landesregierung geschaffenes Gremium von neun unabhängigen Professoren aus beispielsweise Berlin oder München. Diese Professoren haben die Aufgabe, die Forschung und Lehre der Universitäten Kiel, Flensburg und Lübeck zu analysieren und Vorschläge zur Verbesserung desselben zu erarbeiten. Für die zwei Sitzungstermine pro Semester bekommen die Unirat-Mitglieder äußerst lukrative Aufwandsentschädigungen.
Teures Gremium ohne Nutzen?
Am 14. November tagte der Unirat das letzte Mal, um sich mit den Verhandlungsergebnissen der Zielvereinbarungen 2009 bis 2013 zu beschäftigen. In diesen Vereinbarungen werden Weiterentwicklungsziele für die CAU und deren Finanzierung für die nächsten fünf Jahre festgelegt und in einem Vertrag zwischen der CAU und dem schleswig-holsteinischen Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr festgehalten. „Die wichtigen Ideen des Unirats sind in den Zielvereinbarungen nicht zu finden“, erklärte Benjamin Raschke dem ALBRECHT. Er ist für die Kieler Studenten beratendes Mitglied im Unirat. „Bereits bei der Einrichtung dieses Gremiums wurde von den Studierenden kritisiert, dass es kaum Einfluss haben wird und eigentlich nur Geld kostet. Dies hat sich nun bewahrheitet. An den Zielvereinbarungen ist der Unirat grandios gescheitert“, stellte Raschke fest.
Doppelte Moral: Studenten werden ignoriert
Die Unirat-Mitglieder werden also nicht gehört. Interessant dabei ist, dass sie andererseits die Studierenden kaum einbinden. „Es finden Vorgespräche ohne Einbindung der Studenten statt und auf der Unirats-Sitzung wird dann ein Laientheater für uns gespielt. Informationen kommen immer nur kleckerweise und spät“, bemängelte Raschke. Auf die Frage, warum die Studierenden nicht eingebunden werden, sollen Kommentare wie „dafür hätten wir nicht auch noch die Zeit gehabt“ gefallen sein, wie der ALBRECHT erfuhr. Dössel formulierte den wesentlichen Kritikpunkt: „Während die Landesregierung die Arbeit ihres eigenen Ziehkindes Unirat zu missachten scheint, handelt allerdings auch der Unirat nicht besser: Zwar haben viele Entscheidungen direkte Auswirkungen auf den Studienalltag der Studierenden, doch wurde bisher noch kein einziges Mal ein Gespräch mit den Studierendenvertretungen geführt. Die Missachtung derjenigen, die wohl besser als man selbst die Situation der Universitäten oder der Lehre in diesen beurteilen können, scheint das Wesen der Hochschulpolitik in Schleswig-Holstein zu sein.“
Kommunikationsprobleme auf allen Ebenen
Auch der Präsident der CAU, Gerhard Fouquet, klagt über Kommunikationsprobleme. Auf der letzten Senatssitzung der CAU kritisierte er die unprofessionelle Arbeit des Ministeriums und forderte Gespräche auf Augenhöhe. Scheinbar wird auf allen Ebenen nicht offen und ehrlich miteinander gesprochen. Das kann so nicht weitergehen. Die Krönung des Ganzen formulierte der Kanzler der CAU, Oliver Herrmann: „Wir haben durchaus Ziele bei den Zielvereinbarungen erreicht. Denn gravierende Verschlechterungen konnten verhindert werden. Allerdings wird die jetzige Form auch keine Verbesserungen bringen.“ Somit wird Stillstand bereits als Erfolg gewertet. Wo bleiben da die Studierenden? Der AStA fordert von allen Beteiligten den Willen zum Dialog. Dössel sagte dazu: „Die Studierenden sind dazu bereit. Denn wir merken am deutlichsten, wenn zwar in Sonntagsreden die Dringlichkeit einer zukunftsweisenden Bildungs- und Hochschulpolitik beschrieben wird, jedoch die Entscheidungsträger in den Ministerien oder Gremien wie dem Unirat wenig Bereitschaft zeigen, eine solche Politik auch umzusetzen.“
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