von Carolin Ahrens Heinrich Breloers Verfilmung von Thomas Manns „Buddenbrooks. Verfall einer Familie“ ist mittlerweile der vierte Versuch, die circa 750 Seiten der Erzählung über eine angesehene Handelsfamilie, die sich von Generation zu Generation voneinander entfernt und deren Firma und Gesundheit stetig weiter zu Grunde geht, gebührend auf die Leinwand zu bringen. Auch wenn Breloer [...]
von Carolin Ahrens
Heinrich Breloers Verfilmung von Thomas Manns „Buddenbrooks. Verfall einer Familie“ ist mittlerweile der vierte Versuch, die circa 750 Seiten der Erzählung über eine angesehene Handelsfamilie, die sich von Generation zu Generation voneinander entfernt und deren Firma und Gesundheit stetig weiter zu Grunde geht, gebührend auf die Leinwand zu bringen.
Auch wenn Breloer immerhin satte zweieinhalb Stunden serviert, wird derjenige, der nun, ob freiwillig oder durch den Deutschunterricht gezwungen, dieses Buch gelesen hat, einiges vermissen. Zahlreiche im Buch haargenau beschriebene Personen werden nicht einmal erwähnt.
Dies hat natürlich auch seine Vorteile. Während der Roman unabstreitbar einige Längen aufweist, vor allem, wenn der Autor den Familienstammbaum genauestens erläutert oder exakt beschreibt, was zum Essen auf den Tisch kommt und wie es gegessen wird, bleibt der Film ständig fesselnd.
Leider kommen sogar einige der Hauptpersonen zu kurz. So wird Bethsy Buddenbrook von Iris Berben scheinbar ständig am Ende der Treppe stehend und dabei höchst empört auf ihre aufmüpfigen Kinder hinunterblickend sehr einseitig dargestellt. Muttergefühle lassen sich selbst zwischen den Zeilen nicht erkennen. Und auch der hoch gelobte Armin Müller-Stahl, der als Jean Buddenbrook gerüchteweise seine letzte Filmrolle angenommen hat, bleibt bis auf sein entzückendes Nedderdüütsch eher blass. Hingegen glänzen der herrlich durchgedrehte Christian (August Diehl), den wohl auch Johnny Depp nicht verrückter hätte darstellen können und die allseits hoch gelobte Jessica Schwarz als rebellische Tony, die ihren stolzen Blick unheimlich gut drauf hat.
In der Verfilmung Besonders interessant sind die originalen Lübecker Schauplätze. Vielleicht erinnert sich der Eine oder Andere, der hier oben aus der Gegend kommt, noch an das Buddenbrookhaus, das heute als Museum und Archiv offen zugänglich ist. Auch das Holstentor darf natürlich nicht fehlen. So fallen im Kino Sätze wie: „Da war ich schon drin“, und „Das kennt ja wohl jeder“. Die Zuschauer weisen ohnehin Ähnlichkeit mit Bilderbuch-Deutschlehrern auf, trinken nebenbei Wein oder haben den Wälzer sogar dabei, um zwischendurch nachzulesen.
Letztendlich bleibt der Film ein guter Weg, einer neuen Generation deutsche Kultur näher zu bringen, zu der Thomas Mann als Nobelpreisträger zweifellos gehört. Wer hat heute schon Zeit und Muße, solch dicke Romane zu lesen und da ist es doch gut, dass die Kurzfassung, sozusagen die Inhaltsangabe, auf der Leinwand zu sehen ist.
Alle, die das Buch nicht kennen, sich aber für solch Familiendramen und die beschriebene Zeit interessieren, sollten also sofort ins Kino stürmen. Für diejenigen, die das Buch gelesen haben und es als literarisches Meisterwerk ansehen, wird die Leinwandfassung zu hektisch sein.
Wer nach diesem Film die Nase noch nicht voll hat von deutschen Literaturklassikern, kann sich auf die ebenfalls bald im Kino erscheinenden Verfilmungen von Fontanes „Effi Briest“ und Schlinks „Der Vorleser“ freuen.
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