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Datum: 09.2.09
Kategorie: Kultur
Schlagwörter: nach Damaskus, Schauspielhaus, Theater
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Eine lange Reise bringt eine Menge Erinnerungen mit sich, jede an die ein oder andere Kleinigkeit gebunden – ohne Wert, aber trotzdem von Bedeutung. Und ehe man sich versieht, füllen all diese Kleinigkeiten einen ganzen Koffer. Genau dieses Phänomen nutzt Regisseurin Sabine Harbeke in “Nach Damaskus” im Kieler Schauspielhaus.
von Tim Goslar und das pommus

"Nach Damaskus" im Kieler Schauspielhaus - Foto: Theater Kiel
Eine lange Reise bringt eine Menge Erinnerungen mit sich, jede an die ein oder andere Kleinigkeit gebunden – ohne Wert, aber trotzdem von Bedeutung. Und ehe man sich versieht, füllen all diese Kleinigkeiten einen ganzen Koffer. Genau dieses Phänomen nutzt Sabine Harbeke im Umgang mit der Bühne bei ihrem Theaterstück “Nach Damaskus”, das seit Oktober letzten Jahres im Kieler Schauspielhaus zu sehen ist.
Die Collage aus unzähligen Mitbringseln steht groß im Raum – jedes Etwas hat seine eigene Bedeutung. Vier Quadratmeter im Vordergrund bilden den Rahmen, aus dem der Unbekannte, der Hauptprotagonist des Stücks, während der gesamten Aufführung nicht heraustritt – einen Sandkasten. In ihm schreiben die Protagonisten ihre Bewegungen gleichsam auf den Grund der Szenerie, verdeutlichen ihr rastloses Fortschreiten mit Fußabdrücken, den unermüdlichen Fortgang des Dramas durch Sand auf dem gesamten Bühnenboden. Die Gedanken des Unbekannten vervollständigen das Bühnenbild zunehmend und entgegengesetzt. Abrundung im Wechselspiel. Während das Drama prekäre Themen wie Atheismus und Christentum, Misanthropie und gleichzeitige Abhängigkeit, Armut und Reichtum im Wechsel miteinander konfrontiert und nach dem Wert des Lebens fragt, reduziert Sabine Harbeke den Inhalt ihrer Inszenierung scheinbar auf bloße Selbstzweifel und zwischenmenschliche Beziehungen. Doch die Aufmachung des Schauplatzes verrät mehr. Die originelle Gestaltung des Theaterraums und das kreative Spiel mit gestalterischen Mitteln bringen das Werk auf die Bühne, ohne zu viele inhaltliche Bezüge fallen zu lassen.
Kleine Ölgemälde und der Einsatz unterschiedlichen Lichts, totaler Dunkelheit sowie verschiedener Farben veranschaulichen die Orte der Wanderschaft. Die Bewegung des Erzählers führt den Zuschauer durch den Raum zu allen für jeden Moment wichtigen Bühnenelementen. Ohne Unterbrechung, ohne Ablenkung – und eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug.
Selbst ein einfaches Garn übernimmt in seiner Funktionalität weiter reichende Bedeutung. Die Kostüme sind einfach gehalten und werden auf raffinierte Art und Weise von den Darstellern eingesetzt. Ein Jackett dient zugleich als Schürze und Nonnenkappe, ein Strickmantel als Schal, Decke oder Kind. Wer noch nicht im Schauspielhaus zu “Nach Damaskus” war, sollte die letzten Aufführungstermine bis März 2009 nutzen, denn auch ungeachtet der Kenntnis der Textgrundlage ist die Inszenierung ein Vergnügen.
Weitere Aufführungen: 30.01., 04.02., 12.02., 14.03., 20.03.
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