Torsten Albig, SPD-Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl im März, sprach mit dem ALBRECHT über Wahlperspektive, Studienbedingungen und das innovative Konzept der Betriebswirtschaft.
von Michael Saitner
Torsten Albig, früherer Kämmerer der Stadt Kiel und aktuell Ministerialdirigent und Sprecher des Bundesfinanzministers in Berlin, möchte Frau Volquartz bei der Oberbürgermeisterwahl im März beerben. Mit dem ALBRECHT spricht er über seine Ziele, Reue und den Geldbeutel seiner Eltern.
DER ALBRECHT: Herr Albig, Ihrem Lebenslauf kann man entnehmen, dass Sie schon viele Stationen durchlaufen haben. Seit einiger Zeit sind Sie Sprecher des Bundesfinanzministers. Was reizt Sie daran, Oberbürgermeister in Kiel zu werden?
TORSTEN ALBIG: In meinem Leben gibt es, vereinfacht gesprochen, zwei zentrale Stränge. Einerseits die Arbeit in der Verwaltung – wie als Kämmerer von Kiel -, andererseits die Kommunikation. Meine jetzige Tätigkeit mit dem Schwerpunkt der Kommunikation, die mir sehr viel Spaß macht, ist oft sehr virtuell. Ich beschreibe Realitäten, habe dabei aber keinen direkten Kontakt mit Menschen. Als Oberbürgermeister Kiels wäre ich, mit allem was ich tue, sofort in der Verantwortung für die Bürger dieser Stadt – positiv wie negativ. Das finde ich wahnsinnig reizvoll.
DER ALBRECHT: Wie sehen Sie Ihre Chancen bei der bevorstehenden Wahl? Ist nicht der Bekanntheitsgrad und Heimvorteil von Frau Volquartz ein entscheidender Faktor, der gegen Sie spricht?
TORSTEN ALBIG: Das ist ein Punkt, na klar. Aber nur nach dem Bekanntheitsgrad zu gehen, wäre falsch. Zentrale Aufgabe wird es sein, unsere Anhänger zu mobilisieren. Dennoch darf nicht der Fehler gemacht werden, die Amtsinhaberin zu unterschätzen. Ich bin aber recht zuversichtlich – wenn alles gut läuft, können wir gewinnen.
DER ALBRECHT: Was sagen Sie zu der Kandidatur der Linkspartei? Kennen Sie den Kandidaten?
TORSTEN ALBIG: Persönlich kenne ich ihn noch nicht. Man sollte respektvoll miteinander umgehen, aber fürchten tue ich die linke Konkurrenz genauso wenig wie die rechte.
DER ALBRECHT: Die SPD tut sich momentan schwer, die Wahlversprechen einzulösen, die sie den Bürgern vor der Wahl gegeben hat. Ein Beispiel dafür sind die Stadtteilbüchereien oder die Hallennutzungsgebühren. Das ist nicht unbedingt die beste Werbung für einen SPD-Kandidaten, oder?
TORSTEN ALBIG: Wenn man Wahlversprechen gibt, sollte man diese auch halten. Auch in der Kooperation mit den Grünen scheint es möglich, die gegebenen Versprechen einzulösen. Man muss aber auch immer sehen, dass manches in einer Stadt, der es wirtschaftlich nicht besonders gut geht, technisch nicht immer einfach umzusetzen ist. Mit dem richtigen Willen, ist es aber sicher machbar.
DER ALBRECHT: Sind Sie als Kämmerer der Stadt nicht selbst für viele Maßnahmen mitverantwortlich, die heute wieder auf der Tagesordnung stehen?
TORSTEN ALBIG: Ja, das ist richtig. Ich habe immer für eine Partnerschaft von bürgerlichem Engagement und Ehrenamt geworben. Dies sollte natürlich auch zu einer Kostenbegrenzung der Stadt führen, aber eben ohne Verluste im Bereich von Bildungs- oder Kulturangeboten.
DER ALBRECHT: Sie stehen also zu diesen Entscheidungen?
TORSTEN ALBIG: Im Grunde ja. Wir haben aber auch Fehler gemacht, gerade im Bereich der Kommunikation mit den Bürgern. Wir haben es nicht geschafft die Ziele gut genug zu vermitteln. Auch hat man nicht rechtzeitig erkannt, dass die negativen Auswirkungen in keinem Verhältnis zum fiskalischen Vorteil standen. Heute würde ich es anders angehen, um niemanden vor den Kopf zu stoßen, allein im Namen eines scheinbaren „Spardiktats“.
DER ALBRECHT: Das klingt ungewohnt reumütig für einen Politiker…?
TORSTEN ALBIG: Ich bin der Meinung, Politik muss in der Lage sein, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu beenden, wenn man sie erkennt. Wir machen alle Fehler, das muss man auch zugeben können. Und sie dann abstellen.
DER ALBRECHT: Teilen Sie die Auffassung, Frau Volquartz nehme die Stadt zu sehr als ein Wirtschaftsunternehmen wahr?
TORSTEN ALBIG: Das ist eine typisch sozialdemokratische Frage. Man muss eine Stadt, wie auch ein Unternehmen, so führen, dass es ihr gut geht. Die Wege sind oft die gleichen, im Unternehmen, wie in einer Stadt. Entscheidend ist jedoch die unterschiedliche Zielsetzung. Das Ergebnis meiner Arbeit soll sein, dass es Kiel morgen besser geht als heute. Ziel ist dabei aber nicht eine monetäre Rendite, auf die der Unternehmer zu Recht schaut, sondern ein Gewinn für die Stadt und ihre Bürger, der anders zu messen ist. Eine Stadt sollte Wohlfahrt mehren. Eine Stadt sollte Gewinn für ihre Bürger erbringen im Sinne von besseren schulischen, sozialen oder kulturellen Angeboten. Auch bessere universitäre Angebote gehören, dort wo die Stadt zuständig ist, dazu. Der langen Rede kurzer Sinn: Städte sind keine Unternehmen, aber nicht alles, was in einem Unternehmen gut ist, muss in einer Stadt schlecht sein.
DER ALBRECHT: Wie sehen Sie die Studierenden in Kiel?
TORSTEN ALBIG: Mir fällt auf, dass man in Kiel die große Zahl von Studenten nicht genug wahrnimmt beziehungsweise diese nicht gut genug wahrnehmbar sind. Das finde ich sehr schade, denn die Studenten sind ein ganz bedeutender Teil unserer Stadt. Studenten sind wichtig, denn sie stehen für Modernität, Dynamik und Potential einer Stadt. Nicht zuletzt verändern Studenten auch das Gefühl einer Stadt. Die Hochschule ist ein wichtiges Lebenselement Kiels, das ich mehr in den Mittelpunkt rücken möchte.
DER ALBRECHT: Apropos Studenten: Als Sie 36 Jahre alt wurden, waren Sie bereits Regierungsdirektor und Sprecher des Bundesfinanzministers Hans Eichel. Der hochschulpolitische Sprecher der Kieler SPD, Lars Juister, ist mit 36 Jahren noch immer Student. Denken Sie, dass dies ein Vorbild für andere Studenten sein sollte? Wie bewerten Sie das?
TORSTEN ALBIG: Es steht mir nicht zu, Lebenswege von Menschen, die ich nicht gut genug kenne, zu beurteilen. Ganz allgemein kann ich jungen Menschen nur empfehlen, die Ausbildung zu nutzen, um einen Grundstein zu legen für etwas, was danach kommt. Ich rate davon ab, eine Ausbildung zum Selbstzweck werden zu lassen.
DER ALBRECHT: Ist für Sie das Thema „Studiengebühren“ als Oberbürgermeister eigentlich ein Thema?
TORSTEN ALBIG: Auch wenn ich darauf als Kommune keinen unmittelbaren Einfluss habe, weiß ich, dass mein Studium nur möglich war, weil meine Eltern es nicht bezahlen mussten. Sonst säße ich hier jetzt nicht. Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Gesellschaft es sich nicht leisten kann, auch nur ein Talent wegen des Geldbeutels der Eltern zu verlieren.
DER ALBRECHT: Was sind Gründe, warum man Sie zum Oberbürgermeister wählen sollte?
TORSTEN ALBIG: Ich bin gut, ich kann motivieren und verstehe, was eine Stadt und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen brauchen und ich hätte unheimlich viel Spaß daran, der Stadtverwaltung zu zeigen, dass sie vielmehr kann, als sie im Augenblick leisten darf.
DER ALBRECHT: Und was spricht gegen Sie?
TORSTEN ALBIG: (Lacht) Nichts.
DER ALBRECHT: Herr Albig, ich danke Ihnen für das Gespräch.
most_commented_widget-3