Habt ihr schon mal versucht, einen Penis zu deklinieren? Das klingt wie eine widerwärtige Sexpraktik, ich weiß. Ist es aber nicht. Ich gebe zu, an so etwas ergötzen sich im Allgemeinen nur Sprachwissenschaftler, wenn sie der Enge ihres Kabuffs entfliehen wollen, in dem sie gerade an einer linguistischen Hausarbeit schreiben. Trotzdem ist ja eine berechtigte [...]
Habt ihr schon mal versucht, einen Penis zu deklinieren?
Das klingt wie eine widerwärtige Sexpraktik, ich weiß. Ist es aber nicht.
Ich gebe zu, an so etwas ergötzen sich im Allgemeinen nur Sprachwissenschaftler, wenn sie der Enge ihres Kabuffs entfliehen wollen, in dem sie gerade an einer linguistischen Hausarbeit schreiben.
Trotzdem ist ja eine berechtigte Frage, die nun besonders zum Frühlingsanfang immer wieder auftritt: Was ist eigentlich die Mehrzahl von Penis? Und, viel schwieriger: Was ist die Mehrzahl von Phallus?
Zu Recht wundert ihr euch nun, sorgt euch vielleicht gar um den Gesundheitszustand meines Geistes. „Wie kommt er darauf?“, fragt ihr euch wahrscheinlich. Ich werde es euch verraten: Geht mal mit frühlingshaft geweiteten Augen durch die Kieler Innenstadt. Was, liebe Leserinnen und Leser (und ich spreche wohl besonders erstere an), was also seht ihr?
Penisse. Phalli. Und zwar in rauen Mengen. Wohin das Auge schweift. Und endlich schreibt jetzt mal jemand drüber. Vielleicht nicht ganz der Richtige, aber immerhin tut es einer.
An der Hörnbrücke zum Beispiel ragt eine Statue hervor, die so tut, als ob sie zwei Menschen zeigt, die Rücken an Rücken aneinanderlehnen, umgeben von einem metallenen Netz, das irgendwas Künstlerisches symbolisiert. Wenn man das Kunstobjekt allerdings aus größerer Entfernung betrachtet, dann denkt man: Im Grunde ist es nur ein Penis. Und zwar ein ziemlich großer.
Die Kieler Fruchtbarkeit oder zumindest die Sehnsucht danach hat auch die Mitarbeiter der Arbeitsagentur an der Gablenzbrücke erfasst: Man errichtete dort einen Obelisken, der sich wollüstig gen Himmel wölbt.
Und dann ist da noch das Marine-Ehrenmal in Laboe, das sich rot und steinern emporstreckt. Mit dem wulstigen U-Boot davor. Der Wasserturm in Ravensberg mit dem markanten Aufsatz auf dem Dach. Der unnachgiebig alles überragende Kieler Rathausturm. Der so betrachtet höchst unchristlich erscheinende Turm der Nicolaikirche. Und so weiter und so fort. Es wimmelt in Kiel derart von übergroßen Phallussymbolen, dass die Vermutung einer Penis-Verschwörung naheliegt. Dahinter stecken – selbstverständlich – die Penis-Illuminaten, die sich zum Ziel gesetzt haben, in wichtigen Städten auf der ganzen Welt möglichst viele Penisse aufzustellen.
Jetzt, denkt ihr, ist er völlig durchgeknallt.
Nun gut – ich gebe zu, vielleicht ist die Penis-Verschwörung auch nur eine frühlingshafte Verdrehung der Tatsachen in meinem Hirn. Und vielleicht war die Oberbürgermeister-Wahl zu Frühlingsanfang für Frau Volquartz einfach ungünstig gelegen – gegen Torsten Albigs stimulierendes Äußeres hatte sie mit spitzer Nase und wallender Haarpracht einfach keine Chance.
Tja, wir Kieler sind eben oberflächlich. Ganz besonders im Frühling.
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