Meer – unendliche Weiten. Ein großformatiger Bildschirm lädt ein, den Ozean zu erkunden. Ein Team von Designern der Muthesius Kunsthochschule nutzt die neue Technologie, um das umfassende Wissen des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ für die gleichnamige Ausstellung spannend zu gestalten. Mit dem „Future Ocean Explorer“ gehen die Besucher selbst auf Forschungsreise.
Wie sich Wissen schwimmend fortbewegt
von David Blezinger

Tauchen ohne nass zu werden - Foto DB
Ein Bildschirm ist nicht nur eine Glasfläche, die leuchtet. Ein Bildschirm ist nicht nur eine Fläche, auf der Information angezeigt wird. Ein Bildschirm kann ein Ozean sein, in dem Menschen nach Informationen fischen, ein tiefes, geheimnisvolles, noch wenig beleuchtetes Wasser – der Ozean der Zukunft. Dieser Bildschirm ist der „Future Ocean Explorer“, ein über fünf Meter langer und gut einen Meter breiter Multitouchtisch.
Im Gegensatz zu einem normalen Touchscreen können Multitouch-Bildschirme mehrere Berührungen gleichzeitig erfassen und auswerten. Das ermöglicht dem Benutzer, Programme und Menüs mit Gesten der Finger zu bedienen, was mittlerweile schon viele vom Zoom des iPhone kennen. Noch gibt es wenige Bereiche, bei denen die Multitouch-Technologie Anwendung findet. Doch in Zukunft wird man nicht nur Fotos auf dem Touch-Tisch verschieben und verwalten können. Die Multitouch-Technologie eröffnet neue Wege in der Mensch–Computer–Interaktion. Der Future Ocean Explorer wurde für die „Ozean der Zukunft“-Ausstellung des gleichnamigen Exzellenzclusters der CAU Kiel erschaffen. Das Projektteam der Muthesius Kunsthochschule entwarf, entwickelte und baute den Multitouchtisch und bespielte ihn mit medialen Inhalten, die auf die Ausstellung zugeschnitten wurden. Die Ausstellung wird deutschlandweit gezeigt und ist vom 24. April bis zum 8. Mai im Audimax der CAU zu sehen.
Um die Forschungsarbeit des Clusters einem interessierten Publikum zugänglich zu machen, hatte Ozean der Zukunft schon vor 2006 Ausstellungen organisiert. „Die Ausstellung, die wir damals zu sehen bekamen, war mit Informationen vollgepackt“, meint Michel Magens, der als Kommunikationsdesigner an den neuen Ausstellungen arbeitet. „Die Besucher waren dadurch überfordert. Wir haben für sie ein Ausstellungskonzept erarbeitet, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch spannend ist. Wir wollten eine geheimnisvolle Atmosphäre schaffen, die die Tiefe der Ozeane vermittelt.“
Die Ozeane der Erde sind in einem System komplexer Wechselwirkungen miteinander verbunden, das selbst die Forscher vor immer neue Herausforderungen stellt. Um den großen Themenkreis in Angriff zu nehmen, hat sich das Cluster, an dem unter anderen das IFM Geomar und das Institut für physikalische Chemie beteiligt sind, in verschiedene Forschergruppen eingeteilt. Themen wie Ozeanversauerung und Meeresbodenerwärmung liefern wichtige Beiträge zur Grundlagenforschung, um mehr Licht in das Dunkel des noch am wenigsten erforschten Teils unserer Erde zu bringen.
Jedes der Themen ist umfassend und schon allein wegen der schieren Fülle der Information für Laien schwer fassbar. „Das Ziel der Ausstellung kann es nicht sein, jedem Besucher das gesamte Wissen zu vermitteln“, sagt Michel Magens. Das Ausstellungskonzept, das unter der Leitung von Kommunikationsdesigner Professor Tom Duscher entstand, erschlägt die Besucher nicht mit vorhandenem Wissen, sondern gibt ihnen die Möglichkeit, den Ozean selbst zu erforschen. Sie bewegen sich durch eine Welt von Bild und Klang, in der noch keine Richtung vorgegeben ist.
Auch das Team der Muthesius Kunsthochschule ist mittlerweile zu einem Forschungsteam geworden, das sich mit interaktiven Medien befasst. Der Future Ocean Explorer ist eine technische Herausforderung. Um auf der Tischfläche Bilder zu zeigen, laufen in seinem Innern sechs Beamer. Sechs Rechner und mehrere Kameras sorgen dafür, dass der Tisch nicht nur Bilder und Filme zeigen kann, sondern auf Berührungen von bis zu sechs Gruppen gleichzeitig reagieren kann.
Die Ausstellung lädt die Besucher ein, durch die Weite des Ozeans zu wandeln. Dunkel ist der Raum, an dessen Wänden Tafeln mit Informationen angebracht sind. Wie ein Sichtfenster in die Tiefe des Ozeans steht in der Mitte der große, dunkelblau leuchtende Tisch. Informationen über die Forschungsprojekte schwimmen wie Fischschwärme über die Bildfläche des großen Tischs und erregen die Aufmerksamkeit. „Fang mich, ich bin eine Information!“, vermitteln die schwimmenden Worte dem Besucher. Mit der Hand berührt er die Glasfläche des Tischs und schnappt sich den Schwarm aus Worten, der gerade sein Interesse geweckt hat. An weißen Linien, die wie filigrane Fühler von Meerestieren wirken, breiten sich untergeordnete Informationen aus. Texte, Bilder und Filme zu verschiedenen Themen kann der Besucher so entdecken.
Das Wissen liegt nicht mehr in trockenen Lehrbüchern, sondern schwimmt für jeden frei verfügbar unter der großformatigen Oberfläche des Multitouchtisches. In der „Future Ocean“-Ausstellung kann der Ozean so erkundet werden, wie es dem Medium entspricht – schwimmend.
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