Ein Turm im Rampenlicht

Mehr zum Text

von

Datum: 15.5.09

Kategorie: Kultur

Schlagwörter: , ,

Bilderstrecke

Weiterempfehlen




Der Ravensburger Wasserturm bietet Raum für Theater, Kunst und Konzerte. Anspruchsvolle Komödien werden hier zum Besten gegeben. Nach den Veranstaltungen hat der Besucher die Möglichkeit, an einer Turmführung teilzunehmen, wobei es viel Interessantes über Geschichte und Aufbau des Wasserturms zu erfahren gibt.

Der Wasserturm Ravensberg, der noch bis 1990 Teil der Wasserversorgung Kiels war, ist seit 2003 offen für Besucher
von Franziska Laumer

Der Wasserturm, in der Nähe des Campus - Foto FL

Der Wasserturm, in der Nähe des Campus - Foto FL

„Dort, wo heute die Zuschauer sitzen, befanden sich damals große Kolbenpumpen, angetrieben von Gasmotoren“, berichtet Turmverwalter Thomas Hamann bei einer Führung durch den Wasserturm Ravensberg. Seit 2003 ist dort das Lore & Lay Theater zuhause, das eigens für den Wasserturm gegründet wurde. Aber auch andere Kulturveranstaltungen füllen regelmäßig den Saal, der ehemals als Pumpenraum diente.

Im 19. Jahrhundert holten sich die Menschen das Wasser noch aus Bächen, Tümpeln und Brunnen. Da es so oft zu Krankheiten und Epidemien kam, entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts Wasserwerke. Um die größer werdende Stadt Kiel mit Wasser versorgen zu können, wurde 1886 auf dem höchsten Punkt Kiels, dem Ravensberg, ein runder Wasserbehälter aus Backstein errichtet. Der Stabilität wegen wurde um ihn herum Erde aufgeschüttet. Damals war der Ravensberg noch umgeben von Acker- und Weideland; das Wasserwerk Schulensee beförderte Wasser über eine siebeneinhalb Kilometer lange Leitung in den Erdbehälter. Neben dem Wasserturm sind heute noch die Handräder zu sehen, mit denen das Wasser aus dem Behälter in die verschiedenen Stadtbereiche gelenkt wurde. Zehn Jahre später wurde dann passgenau auf den Erdbehälter der Wasserturm im damals üblichen Wilhelminischen Stil gebaut. Als Kiel zur Marinestadt werden sollte, diente der Wasserturm als Ausgangspunkt für die Stadtplanung. Von hier aus wurde die Esmarchstraße zur damals schon bestehenden Sternwarte gebaut und im Winkel von neunzig Grad dazu die Hansastraße. Diese beiden Straßen dienten Kiel damals als Prachtstraßen.

In 15 Metern Höhe befindet sich der obere Wasserbehälter. Er ist ringförmig und gibt somit den Blick in die Kuppel frei. Wer schwindelfrei ist, hat die Möglichkeit, nach den abendlichen Kulturveranstaltungen den Wasserturm über eine Treppe zu erklimmen. Bei einem Blick in den Ringbehälter sind immer noch deutliche Kalkablagerungen zu sehen, die den früheren Wasserstand erkennen lassen. Noch ein Stockwerk weiter oben, in der 28 Meter hohen Kuppel, genießt der Besucher einen schönen Rundumblick auf Stadt und Förde.

Dass heute überhaupt die Möglichkeit besteht, den Wasserturm Ravensberg von innen zu bestaunen, ist dem Designer und Lichtarchitekten Johannes Dinnebier zu verdanken. Als er den Wasserturm im Jahr 2000 kaufte, war es ihm wichtig, den Turm der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er ließ ihn in Stand setzen und mit Bühne und Lichttechnik ausstatten. Die Idee, im Wasserturm Theater zu machen entstand mit Daniel Karasek, Generalintendant und Regisseur am Theater Kiel, und führte dazu, dass die Premiere der Theaterreihe „Blind Date“ 2003 als erstes Stück im Wasserturm Ravensberg aufgeführt wurde. Es folgten Lesungen und das Theaterfestival „Flächenbrand“, eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Schauspielhaus des Kieler Theaters, der Hochschule Hamburg und zwei privaten Schauspielschulen. Martina Riese, Leiterin des Wasserturmtheaters Lore & Lay, schloss zu der Zeit mit Vicco von Bülow einen Vertrag über die Nutzung der Aufführungsrechte für seine Szenen und Sketche ab. Johannes Dinnebier hörte davon, bot den Wasserturm als Spielstätte an und überzeugte Martina Riese, das Lore & Lay Theater zu gründen. Jedoch nicht nur Loriots Werke werden aufgeführt – auch andere erfolgreiche Stücke kommen hier auf die Bühne. „Es sind anspruchsvolle Komödien, die hier gespielt werden“, so Thomas Hamann. Auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte und Kunstausstellungen finden hier statt. Zudem besteht die Möglichkeit, private Veranstaltungen wie Familienfeiern oder Firmenjubiläen im Wasserturm Ravensberg auszurichten. Nach jeder Veranstaltung kann der Besucher an einer Führung durch den Wasserturm ,teilnehmen, bei der es viele interessante Informationen und Anekdoten über den Wasserturm zu erfahren gibt. Bis Ende Juni werden hier noch die Stücke “Der letzte der feurigen Liebhaber” und “Shirley Valentine” zu sehen sein. Im Juli wird dann “Spiel’s nochmal, Sam”, eine Komödie von Woody Allan, die Zuschauer erfreuen.



Sag deine Meinung!