Campus Isolational

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Datum: 22.6.09

Kategorie: Gesellschaft

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Viele Studenten haben Schwierigkeiten, Anschluss zu finden. Vor allem ausländische Studierende sind davon betroffen: Trotz guter Sprachkenntnisse gelingt die Integration nicht. Rita Süssmuth äußerte sich im Rahmen der Ringvorlesung „Campus International“ zur Problematik an den deutschen Universitäten. Was wird den Studenten im Integrationsprogramm geboten?

Wie schwer ist Integration an der Universität?

von Olga Wanner

Unter dem Motto “Campus International” findet in diesem Sommersemester eine Ringvorlesung statt, an der viele Gruppen der Universität, und mit ihr zusammen arbeitende Organisationen, beteiligt sind. Hierdurch sollen die verschiedenen internationalen Seiten der Uni aufgezeigt werden. In diesem Rahmen sprach Prof. Dr. Rita Süssmuth, Erziehungswissenschaftlerin und ehemalige Bundestagspräsidentin, über die Herausforderungen an den Universitäten im Einwanderungsland Deutschland.

Egal ob Spanien, Kanada, oder Australien, an der Universität Kiel ist jeder Student herzlich willkommen. Durch Kooperationsprogramme und Partnerhochschulen wird vielen Studenten im Ausland die Möglichkeit geboten, hier in Deutschland zu studieren. So lernen andere Länder etwas über Deutschland und Deutschland lernt von anderen Ländern.

Vielfalt ist ein Gewinn. Doch sie zu nutzen ist schwer. Denn hierbei sind Programme, Angebote und Initiativen gefragt, die den goldenen Mittelweg einschlagen und jeden Studenten, ob einheimisch oder ausländisch, ansprechen. Doch was zu Beginn kommt, ist der Kontakt zu den ausländischen Gästen beziehungsweise zu den einheimischen Gastgebern. Alexandra aus Frankreich betont: „Freunde zu haben und sich integriert zu fühlen ist das Wichtigste im Studium“.

Rita Süssmuth betont, dass die Vielfalt gefördert werden müsse. Unterschiede müssten zugelassen werden, denn sie seien keineswegs ein Problem, sondern ein Gewinn für die Gesellschaft und die Universitäten. Hierin stecke die Chance zur Weiterbildung, sagt sie. Um diese Chance zu nutzen, muss aber noch viel getan werden.„Es ist notwendig, einen Kompromiss zu finden, ohne dabei von den Einwanderern zu verlangen, dass sie ihre Wurzeln vergessen“, so Süssmuth. Natürlich gibt es Probleme, die durch die Vielfalt entstehen. Allerdings liegt das Problem in der Form des Umgangs damit, nicht in der Vielfalt selbst.

„Die Universitäten verlassen sich zu sehr auf die Wissenschaft, denn die Wissenschaft ist international“, verdeutlicht Süssmuth. Das heißt, andere Organisationen und Programme, die nicht direkt von der Universität selbst kommen, helfen dabei, die Vielfalt zu nutzen. Weiter geht sie auf die Folgen ein, die entstehen, wenn die Vielfalt der Studierenden nicht genutzt wird. Statistiken belegen, dass mehr als die Hälfte aller ausländischen Studenten das Studium nicht abschließt. Dabei ist das Problem nicht die Sprache oder das nicht Erbringen von Leistungen. Das Problem, auch wenn es so simpel klingt, ist die Isolation.

Was kann die Universität tun, um Migranten die Integration zu erleichtern, und, was noch viel wichtiger ist, wie kann die Möglichkeit einer gegenseitigen Kommunikation entstehen? Das Problem liegt auf der Ebene der gegenseitigen Verständigung. Süssmuths Lösungsvorschläge liegen darin, eine soziale Zugehörigkeit für die Studierende zu schaffen. Es muss Gruppenaktivitäten außerhalb des Hörsaals geben, die darauf abzielen, die Differenzen, die vorhanden sind, für die Integration zu nutzen.

An der Uni Kiel gibt es viele Angebote für ausländische Studenten. Natürlich gibt es immer noch viele Probleme und Lücken, allerdings wird den ausländischen Studenten sowohl von der Universität, speziell dem International Center, als auch dem Studentenwerk viel geboten. Durch das Erasmus- Programm des International Centers haben Neuankömmlinge eine erste Anlaufstation. Es gibt Blitzsprachkurse, interkulturelle Trainings, Orientierungs- und auch Tutorenprogramme. „Unser Angebot bietet den ausländischen Studenten eine Fülle von Möglichkeiten, sich mit dem neuen Wohnort Kiel auseinander zusetzen und andere Studenten kennen zu lernen“ , sagt Dr. Martina Schmode, Leiterin des International Centers. Auch Beratung und Service für ausländische Studenten des Studentenwerkes Schleswig-Holstein hat seit 2003 ein ganz besonderes Programm für die Gäste: das Study-Buddy-Programm. Es ist simpel, aber sehr effektiv. Jeder Neuankömmling kann sich beim Study-Buddy-Programm anmelden und bekommt einen einheimischen Studenten, der sich ebenfalls angemeldet hat, zugeteilt. Durch die Paarbildung fallen den ausländischen Studierenden die ersten Schritte an der Universität und auch in Kiel leichter.

Natascha Makarova aus der Ukraine sagt: „Unter Institutionen kenne ich nur Study Buddy. Ich habe da auch viele Leute kennen gelernt. Schön, dass es so was bei uns an der Uni gibt!“ „Diese Starthilfe bietet die Möglichkeit, mit anderen Studierenden in Kontakt zu treten und sich während des Studiums zurecht zu finden. Dadurch werden natürlich auch die ersten sozialen Kontakte geknüpft, die oft lange bestehen bleiben. Hier finden sich manchmal Freunde fürs Leben“, sagt Katarzyna Dec-Merkle, Leiterin des Programms. Alice aus Italien meint: “Ein Problem der Integration ist natürlich die Sprache. Mein Deutsch ist nicht gerade das Beste, deshalb habe ich wenige Deutsche in meinem Freundeskreis.”

„Wir versuchen alle an einem Strang zu ziehen. Die Arbeit mit dem Studentenwerk und auch dem AStA klappt sehr gut, was nicht selbstverständlich ist“, sagt Martina Schmode. „Gemeinsam gucken wir, wo Bedarf besteht, und möchten diese Defizite in Zukunft beseitigen, damit das Leben und Studieren an der Universität so angenehm wie möglich wird. Sowohl die Universität als auch andere Organisationen helfen dabei, die Integration von ausländischen Studierenden so gut wie möglich zu gestalten und geben einheimischen Studenten die Möglichkeit, sich mit anderen Kulturen und Nationen auseinander zu setzen“. Das Study Buddy Programm in Schleswig-Holstein ist das erste dieser Art, und erfeut sich sehr großer Beliebtheit . Die Zahlen sprechen zwar gegen die deutschen Universitäten und ihre bisherige Arbeit auf dem Gebiet der Integration. Kiel scheint allerdings auf dem richtigen Weg zu sein.



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