Die CAU zu Kiel strebt mit ungewöhnlichen Mitteln nach einem neuen Slogan. Ein Kommentar
ein Kommentar von Imke Schröder
„Alle mampfen Mamba, Manfred auch“ oder „Bitte ein Bit“ zeigen, dass sich Dinge mit Slogans einfach besser verkaufen. Die gehen ins Ohr, da bleibt man dran. Die Werbung macht es vor und andere Universitäten ziehen – mehr oder weniger – erfolgreich nach: So wird an der Friedrich Schiller Universität Jena mit „Studieren mit Wohlfühlgarantie“ geworben, die Uni Duisburg Essen mobilisiert dagegen mit „Wissenschaft an Rhein und Ruhr“. Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hingegen ist ein eher sperriger Begriff. Den müsste man mit einem Slogan eindeutig besser vermarkten können.
Denn trotz überfüllter Hörsäle, begrenzter Computerarbeitsplätze und nicht funktionierender Fahrstühle: Die Uni Kiel gehört zu den Top-Ten- Exzellens-Unis im Lande und möchte dies auch bekannt wissen. Mehr Forschungsgelder, Neugier auf die Uni Kiel und noch mehr Studenten, ebenso wie eine Standortkampagne für das Land Schleswig-Holstein haben die Initiatoren im Sinn. Eine bundesweite Slogankampagne im Wert von ungefähr einer halben Million Euro muss her.
Nun kann ganz Deutschland in Die Zeit, der FAZ, den KN und anderen regionalen Zeitungen, sowie an Litfasssäulen und Bushaltestellen lesen: Die Uni Kiel hat’s bitter nötig. Es mangelt anscheinend an Geldern, Studierenden und vor allem an Bekanntheit. Durch einen einzigen Slogan sollen aber alle dies Umstände auf einen Schlag passé sein: Forschungsgelder soll es regnen, Studierende sollen angelockt werden und Exzellenzcluster sprießen. Und so ließ Prof. Dr. Gerhard Fouquet auf der Vollversammlung verlauten, dass die Absolventen der Uni Kiel doch einen guten Ruf bräuchten, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen und sich einen Namen zu machen. Nun wird die Uni Kiel bekannt wie ein bunter Hund. Finanziert wurde diese Kampagne aus Spenden und Stiftungsgeldern. Gelder aus dem Grundhaushalt der Uni Kiel werden dabei nicht verwendet. In Anbetracht der Kosten von fast 80.000 Euro für eine einmalige doppelseitige Anzeige in der FAZ ist das auch sehr löblich.
Und besser als das Geld verbrennen ist es allemal: Deutschland horcht auf. Kiel? Da war doch was. Kieler Woche? Ach nein, die Exzellenzuniversität, die „den zehnten Platz in der Bewertung der Gesamtförderbeträge (…) ergattern konnte“. Aufmerksamkeit ist der Kieler Uni jetzt gewiss. Denn obwohl man genug Geld zur Verfügung hatte und sich Top-Werber und Künstler Michael Schirner zu Rate gezogen hat, ist, gelinde gesagt, eine optisch und vor allem sprachlich eher puristische Anzeige dabei heraus gekommen, die um Verniedlichungen und obskure Aussagen keinen Bogen schlägt: „Vielleicht kennen Sie ja die Uni mit den zwei Bindestrichen, dem s hinter Albrecht und dem zu vor Kiel?“ Bieder und betont kumpelhaft kommt die Uni – pardon: die „CAU, das ist die Abkürzung für Christian-Albrechts-Universität zu Kiel“ daher.
Sie möchte es den Lesern leicht machen, den richtigen Slogan zu erfinden. Denn damit der seine ganze überschüssige Kreativität loswerden kann, darf er gleich zehn Slogans einsenden. „Warum 10? Weil es 10mal einfacher ist, 10 Slogans zu machen(…)“ Zehn Slogans, die unsere Exzellenscluster wie „Ozeane der Zukunft“ oder „Entzündungen an Grenzflächen“ in ganz Deutschland bekannt machen sollen. Das Großartigste ist: Die 1001 besten Slogans wird es in Buchform geben. Das werden sich die Studierenden der CAU wohl kaufen müssen: Denn gerade dort, wo die kreativen Köpfe der Zukunft sitzen wurde keine spezielle Ausschreibung gemacht. Die meisten Studierenden durften, wie alle anderen auch, von der Kampagne aus der Zeitung erfahren. Obwohl man unter den Studierenden wahrscheinlich sehr schnell einen kreativen Slogan gefunden hätte und eine halbe Million Euro gespart hätte, die wiederum für Computer und fahrende Fahrstühle hätten investiert werden können.
Das zeigt nur überdeutlich: Bei dieser Kampagne ist der Weg das Ziel. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass die Uni Kiel auf diesem Wege ein Stück an Popularität gewonnen hat, denn sogar die Zeit, SZ und TAZ widmen der Slogankampagne Aufmerksamkeit. Und das wir einige Exzellenzcluster haben, die hervorragende Arbeit leisten, musste längst schon mal gesagt werden. Aber unterwürfigen Sätzen, wie: „Viel Glück, vielen Dank für ihre Geduld und ganz liebe Grüße, Ihre Christian-Albrechts Universität zu Kiel“ hat die Uni doch gar nicht nötig. Was die Uni Kiel und die Studierenden brauchen, ist keine peinliche Werbekampagne. Die CAU ist bekanntlich wer, und gerade das möchte die Kampagne doch verdeutlichen.
Bis zum 15. Juli läuft die Slogankampagne, die bei ausreichend Geldern vielleicht fortgesetzt werden soll, noch. Den Gewinner der Kampagne beschließt die Exzellenz-Jury, laut Pressestelle bestehend „aus Wissenschaftlern, Präsidium der Universität und Exzellenz-Förderern der Uni Kiel. Auch Studierende und Mitarbeiter werden vertreten sein“. Und so winkt dem Sieger außer dem Buch der 1001 Slogans ein geradezu aufreizend verlockender Gewinn: eine Butterfahrt, Verzeihung, eine Fahrt auf dem Forschungsschiff „Alkor“ inklusive Captains Dinner. Wenn die Uni Kiel bis dahin mit ihrem Sloganwettbewerb nicht auf Grund gelaufen ist.
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