Der Debattierclub der Univsersität trifft sich zum verbalen Schlagabtausch
Der Debattierclub der Univsersität trifft sich zum verbalen Schlagabtausch
von Annemarie Schönherr

Das Werkzeug des Debattierclubs - Foto AS
“Wir fordern ein Verbot von Tierversuchen. Es geht um Medikamente für Menschen und diese müssen auch am menschen getestet werden!” (Regierung)
“Sie möchten die Tierversuche abschaffen und dafür auf Menschen zurückgreifen? Ich bitte Sie inständig, diesen Antrag abzulehnen.” (Opposition)
Die Stimmung ist konzentriert, beide Parteien sitzen sich gegenüber, hören dem Redner zu und machen sich Notizen, um gegebenenfalls einhaken und zum Gegenschlag ausholen zu können. Ab und zu springt ein Mitglied auf, um eine Zwischenfrage zu stellen. Ein kurzer Blick und ein knappes „Nein, jetzt nicht“ verweigern die Frage. Argumente, ausholende Gesten und eindringliche Blicke hinter dem Rednerpult werden begleitet von leisen Zwischenrufen auf der Seite der Gegenposition. Sieben Minuten Redezeit sind vorbei und ein Klingeln ermahnt den Redner, seinen Platz am Pult der Gegenpartei zu überlassen.
Es ist Dienstag Abend und der Debattierclub der Universität unter der Leitung von Rauad Abagela ist im vollen Gange. In einer entspannten Atmosphäre treffen sich diskussionsfreudige Studierende, die gemeinsam das freie Reden trainieren. Angst haben, sich nicht gut auszudrücken oder einen Blackout zu haben, muss hier niemand, denn es geht ums Üben.
Nach einer Aufwärmphase, in der jeder Teilnehmer spontan eine kurze Rede zu einem vorgegebenen Thema hält, beginnt die eigentliche Debatte. Diskutiert wird an diesem Abend der Antrag der Regierung, Tierversuche zu verbieten. Nach dem Zufallsprinzip werden jeweils drei Teilnehmer der Regierung und drei weitere der Opposition, die gegen ein Verbot ist, zugeteilt. Dadurch kann es sein, dass ein Redner eine Position vertreten muss, die er eigentlich ablehnt. Nach fünfzehn Minuten Vorbereitungszeit beginnt die Debatte. Abwechselnd treten ein Regierungssprecher und ein Mitglied der Opposition ans Pult. Sieben Minuten stehen jedem Redner zur Verfügung, um seine Argumente darzulegen und die der Gegenposition zu entkräften. Dabei erinnern ihn Stoppuhr und Klingel an die fortschreitende Zeit. Zwischenfragen sind erlaubt, dürfen jedoch abgelehnt werden. Zusätzlich gibt es freie Sprecher, die sich entscheiden können, welche Position sie vertreten. Diese Form der Organisation nennt sich Offene Parlamentarische Debatte. Nachdem alle Redner gehört wurden, endet die Diskussion mit einem Feedback zu den Beiträgen.
Pornographisierung der Medienlandschaft – brauchen wir strengere Beschränkungen? Ist die Föderalismusreform gelungen? Milchbauern fordern einen staatlichen Garantiepreis für Milch. Sollte es einen offenen Master für Lehramtsstudierende geben? Die Hochschulgruppe diskutiert Themen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Universitätsleben und Lokales. Auf diese Weise kann sich jeder mit seinem spezifischen Wissen einbringen. Um sich mit Gleichgesinnten zu messen, nimmt der Debattierclub regelmäßig an Turnieren, den ZeitDebatten, teil. Diese werden vom Verband der Debattierclubs an Hochschulen e.V. (VDCH) organisiert, der 62 deutsche, schweizerische und österreichische Hochschulgruppen umfasst. Von der Wochenzeitung Die Zeit gesponsert, richten einzelne Debattierclubs das ganze Jahr über Turniere aus. Den Höhepunkt bilden dabei die Deutschen Meisterschaften im Hochschuldebattieren, die dieses Jahr vom 10. bis 14. Juni in Mainz stattfanden.
Am Pult steht inzwischen der freie Redner und versucht die extremen Positionen der beiden Parteien zu relativieren, denn „’ne Maus ist auch kein Affe.“
Auf Deutsch
Jeden Dienstag um 18:00 Uhr c.t.
Wilhelm-Seelig-Platz 1, Raum 505
Auf Englisch
Jeden Dienstag 20:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Wilhelm-Seelig-Platz 1, Raum 505
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