Wo geht's denn hier zum Segeln?

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Datum: 22.6.09

Kategorie: Gesellschaft

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Vom 20. bis 28. Juni steht die Landeshauptstadt wieder Kopf. Die Kieler Förde verwandelt sich zur Festmeile. Stände mit kulinarischem Essen und Getränken jeglicher Art sowie Bühnen der Radiosender aus dem Umland sind anztreffen. Die Kieler feiern sowohl mit namenhaften Bands als auch Newcomer, die die Menge ordentlich einheizen. Doch was ist denn da in Schilksee los? Hunderte von Booten tummeln sich vor der Küste. Segler aus aller Herren Länder wetteifern miteinander. Und es geht um viel, um Qualifikationen, Punkte und Pokale. Denn ja, die Kieler Woche ist das größte Segelsportereignis der Welt!

von Mounira Ghribi

Die Kieler Woche – Party, Spaß, Fressbuden und Bühnen mit Livekonzerten mal mehr und mal weniger bekannter Musiker. So würden die meisten das einmal im Jahr stattfindende Ereignis in Kiel beschreiben. Dass es sich gleichzeitig aber auch um das größte Segelsportereignis der Welt handelt, wissen hingegen nur wenige.

Es nehmen jährlich bis zu 5000 Segler aus 50 Nationen an dem Segelevent vor Schilksee teil und wetteifern um Punkte und Pokale. Die meisten stammen aus Deutschland, Skandinavien, Polen und Großbritannien. Aber es sind durchaus auch Segler aus Ländern wie Argentinien, Australien, Brasilien, den Fidschi-Inseln, Hongkong, den Vereinigten Arabischen Emiraten und aus dem übrigen europäischen Umland vertreten.

Die Segelregatten vor Kiel-Schilksee sind eine internationale Messlatte für die Seglerinnen und Segler aus aller Welt. Michelle Hoffmann beschreibt es als den Saisonhöhepunkt eines jeden Seglers. „Ich habe mich ein Jahr lang auf diese Regatta vorbereitet. Der Schwierigkeitsfaktor ist hier höher im Vergleich zu anderen Wettkämpfen.“ Sie segelt nicht nur bei der Kieler Woche, sondern wirkt als BMW-Mitarbeiterin auch bei der Organisation mit. Die Kieler Woche sei ein gigantisches Ereignis und das I-Tüpfelchen in einer von Deutschland-, Europa- und Weltmeisterschaften geprägten Saison.

Aber hat das Segeln bei der Kieler Woche einen so hohen Stellenwert? Jedes Jahr kommen je nach Wetterlage zwischen drei und dreieinhalb Millionen Besucher zur Kieler Woche. Doch die meisten verschlägt es in die Innenstadt. Eine große Festmeile erstreckt sich an der Kiellinie entlang der Kieler Förde. Es reihen sich verschiedene Buden mit Essen und Getränken aneinander. Die großen Radiosender aus dem Umland präsentieren sich auf großen Bühnen und ziehen mit ihren Bands sehr viele Besucher an. Das Volksfest, das sich um das Segelevent etabliert hat, ist das größte Sommerfest Nordeuropas geworden. So treten einerseits bekannte Namen wie Right Said Fred, Thomas D oder Stefanie Heinzmann auf, aber auch Newcomer-Bands nutzen dieses Fest, um sich einen Namen zu machen.

Von der Kiellinie aus nur schwer zu sehen - Foto SN

Von der Kiellinie aus nur schwer zu sehen - Foto SN

Und während viele Millionen von Menschen eine große Party feiern, ist es eigentlich nur den Segelbegeisterten, den Insidern, bekannt, dass weiter außerhalb, in Schilksee, verschiedene Bootsklassen um die besten Plätze ringen. Und dabei handelt es sich nicht um Freizeitsegeln – Hochleistungssport wird da an den Tag gelegt. Die Segelregatten teilen sich in einen olympischen und einen internationalen Dreieck-Bereich auf. Acht olympische und vierzehn internationale Bootsklassen sind vertreten und nehmen während der Kieler Woche an verschiedenen Wettbewerben teil. Insgesamt sind es 40 Disziplinen auf elf Regattabahnen. Durch den olympischen Bereich stellen sich die Segler unter Beweis und zeigen, wer an der Spitze welchen Rang einnimmt. So können sich beispielsweise die Besten einer jeden Nation für die Segel-Olympiade im August qualifizieren. Ein besonderes Ereignis erfährt das Segelevent dieses Jahr durch den ISAF Sailing World Cup der Internationalen Segelförderation (ISAF) für alle olympischen Klassen. Dieser Wettkampf wird zum ersten Mal ausgetragen und die Kieler Woche ist die sechste von sieben Stationen. Dass jedoch der Andrang von Zuschauern im Tausenderbereich bleibt, wundert Kerstin Beucke, eine teilnehmende Seglerin, wenig. „Es wird zu wenig Werbung für das Segeln gemacht. Zudem fährt man für die Ausübung der Wettkämpfe eine Stunde hinaus. Da bekommt man vom Ufer aus nur sehr wenig mit.“ Doch auch da haben Interessierte nun die Möglichkeit, auf der MS-Hamburg mitzufahren. Diese bietet Regattabegleitfahrten an, sodass man direkt am Geschehen dabei ist und die Wettkämpfe hautnah mitverfolgen kann.

Übrigens blickt die Kieler Woche auf eine 127 Jahre alte Geschichte zurück. Die erste Regatta fand am 23. Juli 1882 statt. 20 Yachten nahmen daran teil. Ziel des Norddeutschen Regattavereins (NRV) war es, den Hamburgern Konkurrenz zu machen und für Schleswig-Holstein eine eigene Wettfahrt zu organisieren. Ein regelmäßiger Teilnehmer dieser Veranstaltung war unter anderem Kaiser Wilhelm II., der als Kommodore des Kaiserlichen Yacht Clubs mit seiner „Meteor“ antrat. 1895 wurde im Rahmen der Kieler Woche der heutige Nord-Ostsee-Kanal eröffnet, der damals aber noch Kaiser-Wilhelm-Kanal hieß. Weitere Persönlichkeiten wie Zar Alexander III. (1892), König Leopold II. von Belgien (1897) und auch der englische König Edward VII. (1904) ließen es sich ebenfalls nicht nehmen, der Kieler Woche einmal beizuwohnen. Ihren heutigen Namen bekam die Kieler Sommerregatta im Jahre 1894 durch die Presse verliehen.

Mittlerweile spricht man von dem größten Segelsportereignis der Welt. Und trotz des Open-Air- Festivals sind sich die meisten einig, dass das Segeln erstrangig bleibt. Dr. Boris Pawlowski vom Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Landeshauptstadt Kiel ist sich sicher, dass das Segeln aus nationaler und internationaler Sicht nach wie vor Kernstück der Kieler Woche sei. „Das Feiern und Segeln gehören hier untrennbar zusammen.“ Denn so sieht man an der Kiellinie entlang des Bootshafens bis zur Hörn neben der Festmeile eben auch Traditionssegler und Kutterregatten in der Innenförde. „Die Kieler Woche wäre ohne das Segeln nicht das, was sie ist“, sagt Jobst Richter vom Kieler Yacht Club. „Das Stadtfest und das Segelsportereignis gehören zusammen. Sie sind lediglich räumlich getrennt, was auch gut ist, denn es wird schließlich Hochleistungssport betrieben.“ Was aber nicht heißen soll, dass nicht auch die Segler etwas vom Fest haben. Das Olympiazentrum in Schilksee wurde saniert und die Hafenpromenade neu gestaltet. Abends werden dort die Segler mit ihren Gästen feiern und jeder ist herzlich willkommen.



0 Kommentare

  1. Schau an…die Kieler Woche hat auch eine sportliche Seite ;) Gut zu wissen!
    Ein interessanter Beitrag ;))

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