Der Palästinenser Salah ‘Arouri befindet seit Juni 2007 in israelischer Gefangenschaft. Er wurde nie angeklagt, seine Familie darf ihn nicht besuchen. Ein Grund zum Feiern? Wohl kaum. Wenn allerdings der Gastgeber der Feier die Amnesty International-Hochschulgruppe Kiel ist, sieht das anders aus. Oder?
von Elisabeth Schlierike
Der Palästinenser Salah ‘Arouri befindet seit Juni 2007 in israelischer Gefangenschaft. Er wurde nie angeklagt, seine Familie darf ihn nicht besuchen. Ein Grund zum Feiern? Wohl kaum. Wenn allerdings der Gastgeber der Feier die Amnesty International-Hochschulgruppe Kiel ist, kann eine solche Veranstaltung schon sinnvoller erscheinen. Diese hat nämlich für den 23. Juli 2009 die nächste „Make-Some-Noise“-Party geplant. Die Eintrittsgelder werden verwendet, um weiter gegen eine Anklage gegen ‘Arouri und für das Recht auf Besuch von seinen Verwandten zu kämpfen. Das Konzept „Make Some Noise“ wurde von Amnesty ursprünglich in Form von Konzerten begonnen. In Kiel wird es nun als Feier in der Schaubude umgesetzt. Die Erste am 31. Januar hat bereits 200 Gäste angelockt, wodurch die HSG 500 Euro einnehmen konnte. Einen ähnlichen oder sogar größeren Erfolg wünscht sich die Hochschulgruppe jetzt wieder. Amnesty-Mitglied Richard Badih erklärt: „Bei der letzten Party hatten offenbar manche Studenten das Gefühl, der Weg der Spenden sei nicht transparent. Das hat einige davon abgehalten, zu der Feier zu gehen.“ Er hofft daher, dass solche Bedenken nun beseitigt sind.
Die Arbeit von Amnesty International gestaltet sich vielfältig: aufdecken – aufklären – handeln – verändern. Das sind die vier Ziele, nach denen die Organisation arbeitet und sich seit fast fünf Jahrzehnten für die Durchsetzung der Menschenrechte einsetzt. Hinter dem berühmten Namen verbirgt sich jedoch nicht bloß eine unerreichbare Organisation mit Sitz in London. Alleine in Deutschland existieren derzeit über 600 lokale Länder- und Jugendgruppen von Amnesty International; eine davon ist die Hochschulgruppe Kiel. Gegründet wurde sie im Oktober 2004. Seitdem leisten jedes Semester zwischen 15 und 20 Studierende ihren Beitrag dazu, die Umsetzung der Menschenrechte weltweit zu realisieren. Wie auch die Mutterorganisation setzt die Hochschulgruppe verschiedene Schwerpunkte. So beschäftigen sich die Mitglieder in kleineren Gruppen mit bestimmten Ländern, in denen es offenbar Handlungsbedarf in Sachen Menschenrechte gibt. Oder sie arbeiten gegen spezielle Einrichtungen wie dem US-amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo. In zeitaufwändiger Arbeit sammeln die Gruppen Unterschriften für Petitionen und Briefappelle, um Haftbedingungen zumindest zu verbessern, Gefangenen ein gerechtes Verfahren zu verschaffen oder sogar eine Freilassung zu erwirken.
Nicht nur Verbrechen in fernen Länder sind Thema der Hochschulgruppe, ein wichtiger Punkt ist auch die Arbeit in der Menschenrechtsbildung innerhalb Deutschlands. Die HSG in Kiel hat ihren Schwerpunkt in Schleswig-Holstein. Fünf bis zehn Mal im Jahr besuchen Mitglieder Schulen aller Art und berichten von ihrer Arbeit. Erfreulicherweise muss hier nicht um Aufmerksamkeit gekämpft werden. Im Gegenteil: “Einmal haben wir bisher Flyer verteilt, um auf diese Möglichkeit hinzuweisen. Ansonsten geht die Initiative von den Schulen aus. Sie bitten um solche Informationsmöglichkeiten”, so Amnesty-Mitglied Torben Wückner. Und sie werden offensichtlich nicht enttäuscht: Nach solchen Tagen meldeten sich bereits Schüler bei den Studenten und bedankten sich für die gelungene Präsentation der Gruppe.
Es versteht sich von selbst, dass für Aktionen wie Appelle und Petitionen, die in ferne Länder geschickt werden, Geld benötigt wird. Weiter zahlt die Hochschulgruppe jedes Jahr einen Beitrag von 2200 Euro an amnesty international. Um jährlich genug Geld für diese Dinge zu haben, kümmern sich einige Gruppenmitglieder nur um das Sammeln von Spenden, durch die die Aktionen hauptsächlich finanziert werden. Dieses Jahr kam dann „Make Some Noise“ hinzu – eine zusätzliche Quelle, die einen vielversprechenden Anfang nahm. Wenn die Fortsetzung am 23. Juli ab 21 Uhr folgt, wird sich zeigen, ob das Konzept auch in Kiel erfolgreich fortgeführt werden kann.
Natürlich ist auch ansonsten jeder, der das Bedürfnis hat, etwas zu verändern und sich aktiv für Gerechtigkeit einsetzen möchte, von der Hochschulgruppe eingeladen. Treffen sind zur Zeit jeden Mittwoch ab 20.00 Uhr in der Olshausenstraße 75, Gebäude 2, Raum 21.
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