Krawall und Remmidemmi gab’s in letzter Zeit reichlich im Schrevenpark. Nun soll eine Sperrstunde eingerichtet werden. Nach 23 Uhr dürfte demnach nicht mehr auf den Wiesen rund um den See gesessen und gefeiert werden. Stadt, Polizei und Ortsbeirat wollen erreichen, dass der Schrevenpark durch die Sperre in Zukunft von Gewalt und Vandalismus frei bleibt.
Ab 23 Uhr könnte der Kieler Schrevenpark künftig geschlossen sein
von Felix Haas
An lauen Sommerabenden kann man im Schrevenpark Zeuge einer Pilgerreise werden. Aus allen Ecken und Enden Kiels schlängeln sich Menschen (fast) aller Altersklassen durch die Straßen zum vereinten Ziel: Die Parkanlage rund um den Schreventeich. Meist dringen schon von weit her Gitarrenklänge herüber. Auf Nasenhöhe ziehen Dunstwolken vorbei. Es riecht nach Kohle und Kotelett. Die Pilger haben an alles gedacht. Sie bringen Fleisch, Getränke und gute Laune.
In letzter Zeit allerdings hörte man seltener von ebenjener guten Laune. Von Schlägereien und Vandalismus war die Rede. Von verkorkster Jugend und dem Koma-Sauf-Syndrom mitten im Herzen des Kieler Westufers. Uringestank in den Büschen und bojengleiche Einkaufswagen im Teich sollen zudem die Belastung für das Ökosystem des Parks gesteigert haben. Die Stimmung hat jüngst so stark gelitten, dass sich der Förderverein des Parks, die Polizei und das Grünflächenamt der Stadt Kiel nun gemeinsam für eine Sperrstunde stark machen. Nach 23 Uhr soll demnach der Park als Auffangbecken für vergnügungswillige Pilger ausgedient haben. Schicht im Schacht. Nur noch die Durchquerung der Anlage soll erlaubt sein. Die Verwaltung der „causa Schrevenpark“ liegt in den Händen des “grünen” Bürgermeisters Peter Todeskino. Der Stadtrat für Stadtentwicklung und Umwelt bestätigt, dass „Umstände, die allen nicht gefallen können“ dazu geführt hätten, über eine Lösung des Problemfalles zu debattieren.

Auffangbecken für vergnügungswillige Pilger - Foto SN
Was aber ist passiert? Was ist dran an den Gerüchten über pöbelnde Jugendliche und Müllberge am Katertag nach den Feiern? Und rechtfertigt all das eine Sperrstunde ab 23 Uhr? Am nächsten am Geschehen ist das kleine Café „Castellos“. Eine Mitarbeiterin schildert ihre Eindrücke folgendermaßen: „Es ist schon ein wenig traurig, in der letzten Zeit scheint sich der Park zum Treffpunkt einer ganz bestimmten Szene entwickelt zu haben, die vor allem Saufen und Randale im Kopf hat.“ Vor allem in diesem Jahr sei es vorgekommen, dass Unbekannte in der Nacht die angeschlossenen Stühle und Tische weggezerrt hätten. Manchmal würde das Mobiliar dabei sogar im Teich landen. Der Einschätzung der Mitarbeiterin zufolge seien es nicht die Studenten und Älteren, die für Unruhe sorgten, sondern es seien vor allem die 15 bis 17-Jährigen, die ihr pubertäres Verhalten nun öfter auch mit aggressivem Gebärdem zur Schau stellten. Auch Schülerinnen der 11. Klasse des Humboldt Gymnasiums sind der Meinung, die Situation werde „immer krasser“. Vor allem in den letzten beiden Jahren hätten Pöbeleien, Gewalt und Sorglosigkeit im Umgang mit dem Park als Ökosystem verstärkt zugenommen. „Es sind immer die gleichen Idioten“, waren sich allerdings alle einig. Unter Studenten sieht man die Lage lockerer, betont aber auch, dass die Partyüberbleibsel in den letzten Jahren zugenommen hätten. „Man wundert sich schon über den Dreck, wenn man morgens durch den Park joggt“, findet Anwohner und Politikstudent Brian Rupp. Auch die Geschichtsstudentin Ina Wolf beobachtete eine Zunahme von gedankenlosem Umgang mit Restmüll und leeren Flaschen. „Es bleibt viel liegen, manchmal sind Mülleimer auch einfach umgekippt worden.“
„Es besteht Handlungsbedarf“, meint Peter Todeskino daher. „Die Vorfälle gefährden die Freizeitnutzung und stellen eine Belastung für die Vegetation dar. Als Umweltdezernent der Stadt darf man da nicht wegschauen.“ Man versuche sich dem Problem allerdings von allen Seiten her zu nähern. Eine Sperrstunde zu verhängen sei „keine einfache Entscheidung“. Man müsse einerseits das Ruhebedürfnis der Anwohner tolerieren, andererseits aber die Bedürfnisse der Stadtbevölkerung in Bezug auf das Freizeitverhalten ernst nehmen. „Diese Nutzungskonflikte müssen gelöst werden, es muss etwas passieren“, ist der Umweltverantwortliche überzeugt. Ob eine solche Lösung nun in einer Sperrstunde oder in verstärkten Kontrollen des Kieler Wach- und Sicherheitsdienstes (KWS) mündet, ist sich Todeskino noch nicht so sicher: „Ich bin noch nicht ganz entscheidungsfähig“. Der Stadtrat will sich vor allem noch mit Kollegen aus Bremen beraten, wo das Beispiel der Sperrstunde schon seit einiger Zeit umgesetzt wird. Inwiefern dieser Ansatz erfolgversprechend ist oder nicht, will Todeskino nun prüfen. In den nächsten zwei Wochen soll eine Entscheidung fallen.
Trotz der vielen Vorfälle empfänden die meisten Parknutzer eine Sperrstunde als traurigen Schritt. „In der Regel zieht man zwar nach 23 Uhr sowieso weiter, aber für mich macht eine Sperrstunde keinen Sinn“, sagt Ina Wolf, „schließlich müssten dafür Einsatzkräfte zur Überwachung abgestellt werden, die auch einfach für eine stärkere Kontrolle der Sicherheit eingesetzt werden könnten. Die Entscheidungsfreiheit über die weitere Abendplanung bliebe dann erhalten.“ Ähnlich sehen es die Schülerinnen der Humboldtschule: „Es wäre schade, wenn einem solche Einschränkungen in der Abendplanung auferlegt würden. Gerade im Sommer bleibt man einfach gerne länger.“
Ob die Pilger nach der Grillordnung nun eine weitere Einschränkung ihres Wallfahrtortes hinnehmen müssen, bleibt zunächst noch offen. Eines ist aber sicher: Sie kommen wieder. So oder so.
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