Nostalgie in Trümmern

Mehr zum Text

von

Datum: 23.10.09

Kategorie: Gesellschaft

Schlagwörter: , ,

Bilderstrecke

Weiterempfehlen




Das Neue Studio und die Brücke sind insolvent. Doch was führte zu dem plötzlichen Aus der traditionsreichen Kinos und was sind die Hintergründe? Eins steht zumindest fest: Es gibt Licht am Horizont.

Das Neue Studio und die Brücke sind insolvent

von Mira Wrede

Aus diesem Schutt entsteht vielleicht bald ein neues Kino - Foto MW

Aus diesem Schutt entsteht vielleicht bald ein neues Kino - Foto MW

Betrat ein Besucher vor einigen Wochen das Neue Studio, so flatterte ihm der Bauch vor Vorfreude und der Geruch von Popcorn lag in der Luft. Nun liegt überall Schutt und die Luft ist voller Staub. Das nostalgische Flair, das seit 1920 besteht, verschwindet nach und nach und entblößt kalten Beton. Seit dem 31. August gibt es im Neuen Studio und in der Brücke keine Vorstellungen mehr. Die Lichtspielhäuser, die die Kieler Kinolandschaft lange Zeit geprägt haben, sind insolvent. Der Geschäftsführer der betreibenden AS!Entertainment GmbH, Steffen Wietek, hatte den Antrag überraschend eingereicht. Auch die Mitarbeiter fühlten sich überrumpelt. Es wäre zwar hinter den Kulissen schon länger nicht gut gelaufen – doch dass es so weit kommen würde, hätten sie nicht gedacht, so ein ehemaliger Mitarbeiter des Neuen Studios. „Ich denke, dass eindeutig Misswirtschaft der Grund für die Insolvenz ist“, sagt ein weiterer Angestellter. Es seien ungünstige Filmauswahlen getroffen worden und auch der vor eineinhalb Jahren erworbene digitale Projektor sei nicht vorteilhaft eingesetzt worden.

Was der genaue Grund für die Insolvenz ist, weiß jedoch niemand. Tatsache ist, dass die Besucherzahlen rückläufig waren. Die nostalgische Atmosphäre scheint nicht gegen große Kinos wie das Cinemaxx anzukommen. Denn laut Statistik war 2009 eigentlich ein sehr gutes Jahr für die Lichtspielhäuser Deutschlands.

Tatsache oder nur Übergangslösung? - Foto MW

Tatsache oder nur Übergangslösung? - Foto MW

Doch es bleibt keine Zeit für wehmütige Gedanken und Traurigkeit: „Wir hingen zwar sehr am charismatischen Aussehen des Studios, aber das Gebäude ist marode und muss grundsaniert werden.“ Deshalb packen die ehemaligen Mitarbeiter auch weiter mit an. Unter der Leitung von Michael Zimmer, dem Besitzer des Gebäudes, soll das Neue Studio auch seinem Namen entsprechen und attraktiv für den Nachmieter gemacht werden. Zimmer liegt viel daran, dass das Kino neu eröffnet wird. Wann ein Mieter feststeht und was dieser dann vorhat, entscheidet sich in den nächsten Wochen. Doch auf der Baustelle herrscht Zuversicht – wenn alles klappt, dann wird dem Besucher schon ab Dezember beim Betreten des Neuen Studios wieder der Popcornduft entgegenkommen.



Sag deine Meinung!