Wie alles anfing.
Wie die Alte Mensa besetzt wurde
von Olga Wanner

Es gilt gehört zu werden. Foto asw
Es ging alles so schnell. Nach der Demonstration am 18. November, finden sich unzählige Studenten in der Alten Mensa der CAU ein. Ihr Ziel: Kiel zum Brennen zu bringen. Natürlich nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Das Brennen stellt den akuten Brennpunkt dar, der mittlerweile in Bezug auf die Bildungslage erreicht wurde. Daher soll diese Besetzung ein Zeichen setzen und allen die Möglichkeit bieten, sich auszutauschen und aktiv etwas gegen diese Situation zu unternehmen.
Aber nun zu den Anfängen. Bevor der Beschluss da war, die Alte Mensa zu besetzen, musste so einiges organisiert werden. Viele Außenstehende haben die naive Vorstellung, dass diese Aktion eine spontane „Camping“- Aktion war. Ganz im Gegenteil: Hierbei handelt es sich um eine professionellen Organisationsakt auf hohem Niveau. Ein großes Plakat an der Wand vermittelt die Grundregeln: „RESPECT: Dies ist ein von StudentInnen, SchülerInnen und sich solidarisch zeigenden Menschen besetzter Raum. Ziel dieser Besetzung ist es, mit möglichst vielen Menschen über Missstände der Bildungspolitik zu sprechen, zu diskutieren und Lösungsansätze zu erarbeiten. Entgegen dem immer größer werdendem Druck im (Studien-)Alltag zu funktionieren möchten wir einen Freiraum bieten, in dem Zwischenmenschlichkeit frei von Sexismus, Rassismus, Hierarchie und anderen Unterdrückungsmechanismen. Für ein schönes Miteinander“.
Starthilfe gab es von Studenten aus anderen Städten, die bereits Erfahrung mit einer Besetzung hatten. Zu nennen sind hier unter anderem Osnabrück und Potsdam. Diese berichteten von den eigenen Erfahrungen, teilten Kontaktpartner mit und gaben Tipps in Bezug auf die Durchführung der Besetzung. Woran muss gedacht werden, was ist wie zu planen, was darf nicht vergessen werden? All dies wurde Tage vor der Demonstration bereits geregelt. Fleißig ging es weiter. Unzählige Flyer wurden gedruckt, die zu einer Vollversammlung nach der Demo aufriefen. Diese Versammlung diente der Orientierung. Was soll erreicht werden? Wer ist bereit sich aktiv zu beteiligen? „Hier machen voll tolle politisch engagierte Menschen mit, die man vorher noch nie gesehen hat und die so super mitziehen“, sagt eine Protestlerin. Das gibt Mut und stachelt an. Der Bildungsstreik ist auch in Kiel eröffnet! Zur Arbeitsaufteilung werden Arbeitskreise (AK) gegründet. Jeder ist berechtigt einen AK zu gründen, und jeder kann einem beitreten.

Die Uni brennt. Foto asw
Die Teilnehmer sind in keine Schublade zu stecken, es sind junge Studenten, bereits aktive Gruppen, wie der Arbeitskreis kritischer Studenten, Schüler und viele mehr. Die Organisation um die Bildungspolitischen Diskussionen herum wird von den AKs getragen. Wie werden Nahrungsmittel besorgt? Sehr Hilfreich sind Essensspenden, sowohl von Organisationen als auch von Privatpersonen. Aber auch das Schnorren auf Märkten, beim Bäcker und in Supermärkten war erfolgreich. Für das leibliche Wohl ist also gesorgt. Das ist auch nötig, wenn die Protestler nicht selten bis tief in die Nacht im Hörsaal sitzen und diskutieren, Pläne schmieden, Ziele setzen. Viele haben ihr Nachtquartier direkt vor Ort eingerichtet. Unzählige Isomatten, Schlafsäcke und Decken liegen in den Ecken des oberen Hörsaals, der als Ruheoase und Schlafsaal dient. Allerdings darf natürlich auch jeder zu Hause nächtigen, alles findet auf freiwilliger Basis statt. Es entsteht ein Pressetisch, ein Informationstisch, ein Gästebuch, eine Essecke und ein Konferenzraum, um nur einiges zu nennen. Durch Kontakte bildet sich Tag für Tag ein immer größeres Netzwerk. Es wird ein Blog online gesetzt, getwittert und es gibt eine eigene Emailadresse.
Auch ein Protestsong nimmt Formen an, in dem es heißt: „Ihr rettet die Banken oder auch nicht , Nur für die Bildung tut ihr nichts! Wir wollen Master für alle.“ Einige Tage später: die Infrastruktur steht. Die Muthesius Kunsthochschule spendete Plakate, die signalisieren: Hier ist Besetzt! Das Programm wird auf die Beine gestellt. Zu dieser Zeit ist das Gebiet der Universität ein freier Bereich. Hier wird sich kritisch mit der Betrachtung der EU auseinandergesetzt. Dabei steht Bildung als Thema im Vordergrund und wird als Ganzes von allen Seiten beleuchtet. „Wir wollen uns mit den Dingen beschäftigen die uns interessieren und diese auch nach außen tragen“, meint ein Protestler. Dazu gibt es eine Prioritätenliste, über die durch Stimmensammlung festgelegt wurde, welche Themen als erstes angegangen werden. Die Plenen finden zweimal täglich statt. Immer mehr Berichte tauchen über die Situation in Kiel auf. Radio, Zeitung und auch das Fernsehen berichten über die Situation und erreichen damit noch mehr Menschen, die ihre Solidarisierung zeigen. Die Proteste nach außen werden mal provokativ mal kreativ geäußert. Aber das wichtigste für die Aktiven dahinter: Sie werden gehört.
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