Von Weihnachtsgurken und fliegenden Eseln

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Datum: 14.12.09

Kategorie: Weihnachten

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von Mira Wrede Weihnachten ist die besinnlichste Zeit des Jahres. Dies ändert aber nichts daran, dass auch diese Zeit Kuriositäten und seltsame Bräuche hervorbringt. So zum Beispiel die Weihnachtsgurke. Ja, Gurke. Dabei handelt es sich um eine ursprünglich deutsche Tradition, die aber heutzutage vor allem in den USA vollzogen wird. Es wird also eine Gurke, [...]

von Mira Wrede

Weihnachten ist die besinnlichste Zeit des Jahres. Dies ändert aber nichts daran, dass auch diese Zeit Kuriositäten und seltsame Bräuche hervorbringt. So zum Beispiel die Weihnachtsgurke. Ja, Gurke. Dabei handelt es sich um eine ursprünglich deutsche Tradition, die aber heutzutage vor allem in den USA vollzogen wird. Es wird also eine Gurke, ob Salat- oder Gewürzgurke ist nicht näher beschrieben, aus einem beliebigen Material gekauft und im Weihnachtsbaum versteckt. Die im Haus lebenden Kinder dürfen sich dann auf die Suche machen und wer die Weihnachtsgurke findet, der kriegt ein zusätzliches Geschenk und hat das ganze nächste Jahr Glück.

Ein sehr niedlicher Brauch ist die Tatsache, dass es in Norwegen statt eines Weihnachts-mannes einen Weihnachtsgnom, „Julenissen“ genannt, gibt. Er hat viele Helfer, vielleicht weil er so klein ist, die die Geschenke mit ihm zu den Kindern bringen. Ob es passend dazu einen Miniaturschlitten mit Babyrentieren gibt, ist nicht bekannt.

Ein etwas kinderunfreundlicher Brauch kommt aus England. Dort geht am sechsten Januar eine weiß gekleidete Gestalt von Haus zu Haus um den Kindern Rätsel aufzugeben. Klingt ja eigentlich ganz nett, aber wenn die Kinder keine Antwort wissen, werden sie von der „Mari Lwyd“ gebissen und sie muss von ihnen mit Speis und Trank verköstigt werden.

Da haben es die Kinder in Italien schon besser. Sie bekommen zwar auch am sechsten Januar Besuch, aber es ist die Hexe „Befana“, die den Kindern Geschenke bringt. Das schlimmste was passieren kann, ist, dass ein Kind nicht brav war und ein Kohlestück statt eines Geschenkes erhält. Aber immer noch besser als gebissen zu werden. Befana geht übrigens von Haus zu Haus, da sie sich in der Nacht von Christi Geburt auf der Suche nach ihm verirrt hatte und nun immer noch hofft es irgendwo zu finden. Warum ausgerechnet in Italien? Wer weiß, vielleicht steht etwas in den geheimen Archiven des Vatikan.

Die Holländer halten nicht viel vom Weihnachtsstress am 24. Dezember. Bei ihnen fängt alles schon drei Wochen vor dem 5. Dezember an. Bereits dann stellen sie einen Schuh vor die Tür, in dem von Zeit zu Zeit ein kleines Geschenk landet. Am 5. Dezember kommt schließlich Sinterklaas, auch “Sint” oder “Goedheiligman” (sprich ordentlich krächzend: Chudheilichman) genannt, mit Geschenken und seinen Pietes: Der Rummelpiet, der für den Spaß der Kinder verantwortlich ist und sich ständig verläuft, der Singepiet, der mit den Kindern (na was wohl?) singt und der zwarte Piet, der Pfeffernüsse verteilt. Alle drei sind orientalisch gekleidet und sehen ein bisschen aus wie der Sarotti-Mohr. Der 24. selbst ist meist ganz entspannt, beginnt mit einer Messe und endet in einem familiären Festmahl.

Näher an unserem Weihnachtsbrauch feiern die Polen. Es gibt nur kleine, wirklich sympathische, Abweichungen, zum Beispiel glauben sie, dass das Christkind auf einem Esel vom Himmel gefahren kommt und legen deshalb ein wenig Stroh unter den Baum. Beim Festmahl wird ein zusätzliches Gedeck für einen unerwarteten Gast bereitgehalten und unter der Kerze auf dem weihnachtlich geschmückten Tisch liegt ein Geldstück, das vor Armut schützen soll.

Damit die Bescherung bei uns nicht so schnell vorbei ist, würfeln viele Familien um ihre Geschenke. Bei den Spaniern gibt es eine mystischere Variante: Sie stellen die „Urne des Schicksals“ in ihre Mitte, in der sich Geschenke, aber auch jede Menge Nieten befinden. Es wird solange gezogen, bis jeder ein Geschenk hat. Diese Glücksspielvariante ist gar nicht so weit hergeholt, zumal der Startschuss zum Weihnachtsfest dort landesweit seit 1812 durch eine Weihnachtslotterie gegeben wird. Aufgrund der hohen Gesamtsumme ist es die größte Lotterie weltweit, die von den Spaniern über Fernsehen und Radio mit verfolgt wird.

Eine schöne Alternative zu den Rentieren haben sich die Australier ausgedacht. Dort wird der Schlitten, laut dem Lied „Six white Boomers“, von sechs weißen Kängurus, statt von Rudolph und Co. gezogen. Na, wenn das keine holprige Fahrt ist. Vertauscht werden nicht nur die Zugtiere, sondern auch ganze Feiertage. In Japan wird nämlich Weihnachten dazu genutzt um Party zu machen und Menschen kennen zu lernen, wohingegen Silvester ein idyllisches Familienfest ist. Wer es also ganz wild mag, sollte Weihnachten in Japan und Silvester in Europa feiern.



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