Gefühle in Schräglage

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Datum: 22.4.10

Kategorie: Kultur

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…war es wirklich Shakespeares pointenreiches Lustspiel “Viel Lärm um nichts”, welches dem Zuschauer am 28. Februar im Kieler Schauspielhaus geboten wurde? Oder doch eher eine actionlastige Ausgabe der Telenovela “Rote Rosen”? So genau weiß man das nicht, aber eines ist sicher: Der Name ist definitiv Programm!

Viel Lärm um nichts im Kieler Schauspielhaus

von Anna Piekulla

Am 28. Februar hatte Malte Kreutzfeldts Inszenierung von Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“ im Kieler Schauspielhaus Premiere und Nomen war hier definitiv Omen! Das Stück startet rasant, zur Titelmusik von Mission Impossible seilen sich die siegreichen Helden Don Pedro (Christian Kämpfer), Claudio (Gerrit Frers) und Benedikt (Immanuel Humm) lässig auf die schräge, schwarze Bühne des Schauspielhauses ab, wo sie von nicht weniger coolen Mädels (Maria Goldmann als Hero, Janna Wagenbach als Beatrice und Jennifer Böhm als Magarethe) und einem würdigen Leonato (Rainer Jordan) begrüßt werden. Dank des, gleich mitabgeseilten, Champagners wird feuchtfröhlich, mit Tanzeinlagen im Stil von Pulp Fiction gefeiert. Der bitterböse Kriegsverlierer Don Juan (Zacharias Preen) beobachtet die Szene mürrisch und beschließt, dass es so fröhlich nicht bleiben darf – das Spiel nimmt seinen Lauf:

Während die sorglose Spaßgesellschaft auf der einen Seite versucht, die liebesunwillige Beatrice mit dem heiratsscheuen Benedict zu verkuppeln, spinnen Don Juan und sein findiger Lakai Borachio (Felix Zimmer) eine Intrige, um die Jungverlobten Claudio und Hero zu entzweien. Und so kommen die Akteure nicht nur physisch auf der schrägen Bühne ins Schlittern, auch die Gefühle rutschen mächtig durcheinander. Das alles in einem atemberaubenden Tempo, wobei wenig Zeit für die ursprünglich so ausgefeilten Dialoge Shakespeares bleibt. Hauptsache laut, schrill modern und witzig – scheint sich Kreutzfeldt bei seiner Inszenierung gedacht zu haben und so ist die Textvorlage beachtlich auf einige Kernaussagen gekürzt und um zeitgenössische Jargon-Ausdrücke erweitert. Dabei gehen leider verbalakrobatische, höchst geistreiche Schlachten zwischen Benedict und Beatrice verloren, welche die Vorlage durchaus geboten hätte und bei der Gradwanderung zwischen Komik und Klamauk kippt das Stück leider zu oft Richtung letzterem.
An diesem Stück ist nur die Bühnenausstattung puristisch, der schlichte Wortwitz der literarischen Vorlage ist verschwunden und durch ein Feuerwerk wilder Aktivitäten auf der Bühne ersetzt. Was jedoch streckenweise durchaus unterhaltsam sein kann: so sorgen die einfältigen Gerichtsdiener Schehwein und Holzapfel (Siegfried Jacobs und Christian Preuß) mit ihrem fast schon loriotartigen Spiel für einige Erheiterung, das Fegefeuer der Eitelkeiten zwischen einem brillant dargestellten Benedict und einer selbstbewussten Beatrice birgt trotz der fehlenden Wortspiele einiges an Witz und die Intrigen des teuflischen Don Juan lassen das Publikum mit dem getäuschten Paar Hero und Claudio mitleiden.

Dennoch täuscht diese Kurzweiligkeit nicht über die eindeutigen Schwächen des Stückes hinweg. Unterhaltsam – schön und gut, doch wenn sie phasenweise so platt daherkommt, können sich die ZuschauerInnen auch auf dem Sofa von den Darstellern einschlägiger Telenovelas unterhalten lassen, denn Liebe, Intrigen und viel Geschrei gibt es auch dort. Herr Kreutzfeldt hätte gut daran getan, sich an das bewährte Sprichwort zu halten: Weniger ist manchmal (und in diesem Fall ganz bestimmt) mehr!



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