Ein Geoinformationssystem soll Hintergrundinformationen zu den einzelnen Werken auf dem Campus, dem Gelände der Universitätsklinik und in den Botanischen Gärten liefern.
Jeden Tag um uns und doch unbemerkt
von Alma-Mara Brandenburg
Zahlreiche Kunstwerke fristen ihr Dasein überall auf dem Campus – meistens leider unbemerkt und ungepflegt. Seit den 60er Jahren hat die Universität in mehreren Etappen mit dem Ankauf verschiedenster Kunst begonnen, bedingt auch durch die Kunst-am-Bau-Regelungen, die seit 1950 vorsehen, ein Prozent der Bausumme bei Bauaufträgen des Bundes in bildende Kunst zu investieren. Doch obwohl bis heute ein ansehnlicher Bestand aufgebaut wurde, mangelt es an der nötigen Pflege und Wartung der Objekte, sodass beispielsweise das „Windbewegte Objekt“ von Hein Sinken (1972) vor der Mensa 2 sich nur noch widerwillig bewegt und von Graffiti-Stickern verziert wurde und man sich heute nur noch schwer vorstellen kann, dass das „Wasserobjekt“ von Hermann Göpfert und Johannes Peter Hölzinger (1977), das im Wasserbecken an den Sportstätten steht, als blank polierte, durch Wasser und Licht glitzernd reflektierende Stele gedacht war.
Auch wurden einige Stücke durch Umbauarbeiten eingelagert oder mussten an unzugängliche Orte umziehen, wie die „große Muschel“ von Emil Cimiotti (1966/67), die im Bereich der heutige Mensa 1 an einem Wasserbecken stand oder der „allzu unbequeme Thron“ von Jan Koblasa (1969), der heute auf einem unzugänglichen Treppenabsatz der alten Universitätsbibliothek untergebracht ist, sodass diese Objekte vollständig aus dem Unileben verschwunden sind. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass man auf Schulterzucken und unwissendes Lächeln trifft, fragt man zum Beispiel nach der „Beweglichen Plastik“ an der Fußgängerbrücke der Olshausenstraße, die ebenfalls 1972 von Günter Tollmann geschaffen wurde oder dem von Treppen gerahmten Wandrelief im Audimax von Wilhelm Neveling und Rudolf Schönack (1969).
Dies liegt nicht zuletzt auch an der fehlenden oder mangelhaften Beschilderung der einzelnen Werke, durch die ein weitergehendes Interesse zusätzlich erschwert wird. Eine Änderung dieses Zustands darf man sich von einem noch laufenden Projekt des Zentrums für Geoinformation erhoffen, das den gesamten Campus, beide botanischen Gärten und das Gelände des Universitätsklinikums vermisst und die Daten in ein Geodatensystem einspeist. Dabei werden als besondere Punkte auch die Kunstwerke mit ihren Koordinaten erfasst und sollen anschließend über eine Homepage für jeden auffindbar sein.
Durch die Zusammenarbeit mit Studierenden des Kunsthistorischen Instituts entstehen seit dem Wintersemester 2009/10 unter der Leitung von Frau Dr. Susanne Schwertfeger begleitende Texte, die Hintergrundinformationen zu den Objekten und auch zu einigen Bauten der Universität liefern und so das Verständnis erleichtern sollen. Allerdings bleibt offen, ob dies zu einer größeren Wertschätzung, und damit zur Pflege und Wartung der Kunst, seitens der Universität führen wird. Es soll, laut des Amts für Liegenschaften, zwar seit Kurzem eine Auflistung der Kunst auf dem Campus existieren, die auf Drängen des Ministeriums erstellt wurde. Ein Wissen um den Wert, sowohl im monetären als auch im kulturellen Sinne, gibt es augenscheinlich nicht.
Es wäre wünschenswert, die Kieler Universität würde sich in Bezug darauf einen Schritt nach vorn bewegen und der Kunst als einem Bestandteil der Bildung mehr Anerkennung schenken. Würde ein Teil des Etats in die Pflege des bisherigen Bestands und den Ankauf jüngerer Kunst investiert, verspräche das auf längere Sicht ein besseres Image als ein neuer Slogan.
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