Alles andere als ein Sunnyboy

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Datum: 13.5.10

Kategorie: Kultur

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Wenn Robin Proper-Sheppard alias Sophia am 19. Mai nach Kiel kommt, sind feuchte Augen garantiert.

Sophia im Weltruf und das Schiff läuft voll Herzblut

von Kilian Haller

Credits: Philip Lethen

Credits: Philip Lethen

Am 19. Mai spielt Robin Proper-Sheppard ein Akustik-Konzert im Weltruf. Der gebürtige Kalifornier ist alles andere als ein Sunnyboy: Seit 14 Jahren haut er unter dem Pseudonym Sophia die traurigsten Alben raus, die man sich vorstellen kann, fünf Stück sind es mittlerweile. Bei Konzerten kommt es tatsächlich schon mal vor, dass er ein Stück unterbricht, weil er von Tränen übermannt wird.

Spulen wir erstmal zurück. Zwischen 1990 bis 1994 macht die Band The God Machine mit experimentellem, nosigem Rock auf sich aufmerksam. Das nimmt aber ein jähes Ende, als Bassist Jimmy Fernandez unerwartet ums Leben kommt. Sänger und Gitarrist Proper-Sheppard gründet ein Label und startet sein Solo-Projekt Sophia, spielt dort die meisten Instrumente selbst ein und macht auch die Vermarktung selbst. Ein Risiko, weil er einige Songs gern durch teure Streicher- und Bläser-Arrangements zu fantasievollen Pop-Nummern aufbauscht.

„Sie wollen einfach nicht jemandem zuhören müssen, der die ganze Zeit nur über den Tod singt.“ (Robin Proper-Sheppard)

Mainstream-kompatibel ist das dennoch nicht, wie auch Proper-Sheppard weiß: „Meistens, wenn nicht sogar immer, war meine Musik zu dunkel und zu persönlich für ein Massenpublikum. Sie wollen einfach nicht jemandem zuhören müssen, der die ganze Zeit nur über den Tod singt.“ Die Sophia-Texte haben einen introspektiven Charakter, scheinen sogar therapeutisch zu sein; die Sprache ist klar und verzichtet auf Zitate oder verrätselte Bilder. Kostprobe? „I wanna sit on the edge of a gentle stream / Watching paper boats float to the sea / I wanna sit in the sun [...] / Drinking a beer I’d salute another trauma I’ve outrun / And god I just wanna rest a while / And I promise tomorrow I’ll start with a smile“ – aus „Another Trauma“, mit brüchiger Stimme und schnarrender Akustik-Gitarre vorgetragen.

Der Blick ist nach innen gerichtet: „Um ganz ehrlich zu sein – ich höre gar nicht soviel Musik, ich lese auch nicht besonders viel, ich gehe nicht ins Theater. Ich verbringe verdammt viel Zeit mit Tagträumen. Ich bin ein echter Denker, und ich meine das gar nicht auf einer intellektuellen Ebene; ich fühle mich einfach wohl, wenn ich denken kann.“

„Ich lasse sehr, sehr, sehr, sehr selten jemand anders meine Arbeit machen.“ (Robin Proper-Sheppard)

Das Ergebnis ist eine sehr auf Authentizität bedachte One-Man-Show. Proper-Sheppard ist ein Selbermacher: „Du weißt wie das ist, wenn du gerne etwas schaffen möchtest und dich auf andere Leute verlässt, die nicht den gleichen Fokus haben wie du; es dauert doppelt so lang, diese Typen zu motivieren als es einfach selber zu machen. Ich lasse sehr, sehr, sehr, sehr selten jemand anders meine Arbeit machen.“

Da ist es konsequent, dass Proper-Sheppard mal eine Tour bestreitet, wo nur er, die Akustikgitarre und ein Publikum mit feuchten Augen dabei sind. Aber vorher besser noch mal in die E.P. „At home with Sophia“ reinhören, die Robin zum kostenlosen Download ins Web gestellt hat (http://sophia.bandcamp.com – inkl. „Another Trauma“).

„At home with Sophia“, am 19. Mai im Weltruf, Eintritt: 11,70 €.

Anmerkung: Der Autor traf Proper-Sheppard anlässlich eines Interviews im Januar 2007.



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