Halal – die andere Art zu Essen

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Datum: 13.5.10

Kategorie: Hochschule

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Auf artgerechte Tierhaltung bei ihrem Fleischkonsum achten viele – auch gerne. Was das aber für ein Tier ist, was es isst und wie es geschlachtet wird – all solche Fragen sind wichtig für Muslime. Ahmed Yazici, Berater des Europäischen Halal Zertifizierungsinstituts, stand Rede und Antwort.

Das Konsumverhalten der Muslime – oder warum ich auf das Salz in der Suppe verzichten muss

von Svenja Naudszus

Was ist Halal? Dass Muslime kein Schweinefleisch essen, ist allgemein bekannt. Über die genauen Vorschriften, jene verantwortlichen Suren im Koran und die verschiedenen Auslegungen wurde in dem von der Islamischen Hochschulgruppe organisierten Vortrag „Was ist Halal? – Das Konsumverhalten der Muslime in Deutschland“ diskutiert.

Der Referent Ahmed Yazici, sympathischerweise auch Kommilitone, führte mit voluminöser Stimme und vollem Elan in das Thema ein: Die 4,3 Millionen Muslime, die in Deutschland leben, haben ein besonderes Konsumverhalten. Bei Speisen herrschen besondere Richtlinien; so sind bestimmte Lebensmittel „halal” – erlaubt, während verbotene Lebensmittel, zum Beispiel Schweinefleisch und Blut als „haram” bezeichnet werden. Während Fisch, Obst und Gemüse generell halal sind, spielen hinsichtlich des Fleischverzehrs auch kulturelle, traditionelle und persönliche Ansichten eine große Rolle. So achten die einen nur darauf, kein Schweinefleisch zu essen, während für andere die Tierhaltung, das Futter, die Art der Schlachtung und sogar die Religion des Schlachters – grundsätzlich sollte dieser kein Atheist sein – relevant sind. Der Respekt vor dem Mitgeschöpf Tier darf nicht verloren gehen.

Ahmed Yazici und Ramazan Ucar: Halal in der Diskussion - Foto: sn

Ahmed Yazici und Ramazan Ucar: Halal in der Diskussion - Foto: sn

Yazici erklärt, dass halal-Fleisch vielleicht wie Fleisch schmecken mag, dass haram ist, aber dass das Wichtige der emotionale Wert dahinter ist. Sollte da nicht Freude aufkommen, wenn man in Discountern Fleisch mit einem halal-Siegel findet? Aber leider ist das Siegel nicht geschützt und so lassen sich auf dem Markt viele Plagiate finden, sogar halal-Aufkleber mit einem Bild von einem Schwein. Um sich in dieser Halal- Wüste nicht zu verirren, kaufen viele Konsumenten nur in ethnischen Märkten ein.

Vor dem Hintergrund eines weltweiten „halal“- Umsatzes von rund 600 Milliarden US Dollar wird schnell offenbar, dass Geldmacherei oftmals über die moralischen und religiösen Werte siegt. Yazici stellte mit dem Siegel des EHZ – dem Europäischen Halal Zertifizierungsinstitut – einen Lösungsansatz vor. Mit der Gründung einer halal-Gütegemeinschaft können einheitliche Produktionskriterien gesichert werden. Vorteile, so Yazici, der auch im Gelehrtenrat der EHZ als Berater agiert, sind zum Beispiel das einfache Erkennen für den Konsumenten, der dann nicht mehr die Inhaltsstoffe studieren muss. Und schließlich kann jeder Anbieter, der sich an die Produktionsvorschriften hält, dieses Gütesiegel erhalten.

Im Anschluss an den Vortrag wurden mit Yazici und Ramazan Ucar – Vorsitzender des Bündnisses der islamischen Gemeinden in Norddeutschland – weitere Fragen diskutiert und die Zuhörer über die versteckte Verwendung von Schweineprodukten aufgeklärt. So wird zum Beispiel oftmals Schweinegelatine zum Klären von Apfelsaft verwendet, findet sich aber nicht auf der Verpackung aufgeführt. Ähnlich sieht es mit auf den ersten Anschein vegetarischen Pizzen aus, die aber vielfach auf Blechen gebacken werden, welche mit Schweineschmalz bestrichen sind. Und schließlich sollten einige Arten von Gewürzsalz nicht den Weg in die Suppe finden, weil sie mit Schweinegelatine ummantelt sind. Da Halal sich nicht nur auf die Speisevorschriften beschränkt, sondern eine Art Lebensphilosophie für Muslime ist – halal bezieht sich auf Sachen, die erlaubt sind – wurden auch Fragen nach zum Beispiel dem Rauchen oder Alkohol diskutiert. Ob ein Muslime nun Rauchen für Verboten hält, hängt von seiner persönlichen Interpretation ab. Und auch die Nachforschungspflicht eines Muslimen – das Studieren der Inhaltsstoffe auf den Warenverpackungen oder das Befragen des Chefs einer Dönerbude nach der Herkunft seiner Dönerspieße – bleibt letztendlich eine persönliche Angelegenheit.

Die Islamische Hochschulgruppe (IHg Kiel) organisiert vom 17. bis 20. Mai eine Islamische Hochschulwoche, bei der es Vorträge über das Thema Kopftuch, Islamunterricht an Schulen und Islamophobie (mit Dr. Sabine Schiffer) gibt und lädt dazu herzlich ein.



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