Ein echter Himbeer-Film

Mehr zum Text

von

Datum: 13.5.10

Kategorie: Kultur

Bilderstrecke

Weiterempfehlen




Mit „Verrückt nach Steve“ beweist Sandra Bullock ein weiteres mal ihr Gespür für schlechte Rollen in noch schlechteren Filmen und das Studio Filmtheater am Dreiecksplatz, dass ein schlechter Film noch lange keinen schlechten Abend bedeuten muss.

Die neue Komödie mit Sandra Bullock bietet platte Charaktere und flache Witze.

von Boris Rozanski

Was ist da nur passiert? Wie konnte Sandra Bullock nur im selben Jahr einen Oscar gewinnen und in diesem Film mitspielen? „Verrückt nach Steve“ ist eine wirklich furchtbare Komödie: Dass Sandra Bullock sich gleich zweimal eine Goldene Himbeere abholen durfte – als schlechteste Hauptdarstellerin und als schlechtestes Leinwandpaar gemeinsam mit Kollege Bradley Cooper – verwundert nicht. Regisseur Phill Trail und Drehbuchautorin Kim Barker hatten nur Glück, dass Michael Bay sein „Transformers“-Sequel in die Kinos brachte und auf diese Weise den beiden die verdiente fruchtige Schmach erspart blieb.
Bullock verkörpert Kreuzworträtsel-Entwicklerin Mary Horowitz, die mit ihrer neurotisch-überdrehten Art nicht nur ihren Mitmenschen, sondern vor allem dem Kinopublikum gewaltig auf die Nerven geht. In den wohl hässlichsten roten Stiefeln der Kinogeschichte stapft sie durch ihr verkorkstes Leben, das sie mit ihrem zu bemitleidenden Meerschweinchen Carol immer noch bei den Eltern zuhause verbringt. Durch ein Blind-Date mit Kameramann Steve soll sie aus ihrer Einsamkeit befreit werden. Mary ist von dem Schönling auf Anhieb so angetan, dass sie ihn nicht nur unverzüglich vergrault, sondern darüber hinaus auch ihren Job verliert – für sie ein Wink des Schicksals: Nun hält Mary nichts mehr davon ab, Steve zu folgen.
Marys Odyssee durch die USA auf der Jagd nach ihrem Schwarm, der im Auftrag seines Fernsehsenders mit einem unfähigen Team von einer banalen Nachrichtenmeldung zur nächsten eilt, hätte das Potential gehabt, ein leidlich lustiger Film oder sogar eine beißende Mediensatire zu werden. Leider stehen dem ein unfassbar schlechtes Drehbuch, das immer wieder zu vergessen scheint, worum es eigentlich geht, und eine miserable Regie entgegen. Es wäre unfair Sandra Bullock die Hauptschuld an diesem Filmerlebnis zu geben – hat sie doch bewiesen, dass sie mehr kann. Nichtsdestotrotz stellt sich bei jeder Einstellung, in der sie auf der Leinwand erscheint, reflexartig Fremdschämen ein. Ärgerlich ist insbesondere, dass die Überdrehtheit ihrer Mary Horowitz figurenpsychologisch durchweg unbegründet bleibt. Was ein interessanter, widersprüchlicher Charakter hätte sein können, bleibt auf diese Weise der schlechte Hollywood-Scherenschnitt einer Protagonistin.
Für vereinzelte Glanzlichter sorgt allein Thomas Haden Church als egozentrischer Moderator Hartman Hughes: „Wie kann man mein optisches Potential nur so vergeuden? Wo ist eine anständige Tragödie, wenn man sie braucht?“ Durch dauerhaftes Overacting schafft er es, seine Rolle so sehr zu überziehen, dass sie wenigstens ihrem konventionellen Kinoklischee entspricht. Ansonsten fallen Sandra Bullocks Voice-Over-Kommentare und der durch und durch unlustige Ton des Films für Kino zum Abgewöhnen auf: Das ist kein Fäkal- sondern Egal-Humor.
Dass das Sneak Publikum trotzdem seinen Spaß hatte, liegt zum einen wohl an der späten Stunde und zum anderem an dem Gespür der Kinobetreiber für gut positionierten Trash, denn „Verrückt nach Steve“ ist schon so misslungen, dass man sich wieder über die Fehlleistungen sämtlicher Beteiligter freuen kann. Außerdem sorgen Vorfilm und die obligatorische Verlosung vor Filmbeginn für gute Laune: ein schlechter Film aber eine unterhaltsame Sneak.
Vielversprechend wirken für das Studiopublikum im Mai eher der von Tim Burton mitproduzierte Animationsfilm „# 9“, der leider nur für eine Woche im Lichtspielhaus am Dreiecksplatz läuft, und die mehrfach preisgekrönte Dokumentation „Die 4. Revolution“.



Sag deine Meinung!