Wozzeck

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Datum: 13.5.10

Kategorie: Kultur

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Was machen Pfandflaschen und Einkaufswagen auf der Bühne einer Oper? Das Kieler Opernhaus zeigt eine moderne Inszenierung der Oper Wozzeck von Alban Berg.

Schicksal eines Flaschensammlers

von Mirjam Rüscher-Reher

Grau in Grau, aber dennoch nicht farblos entwickelt sich die Handlung auf der Bühne. Vor einer minimalistischen Kulisse – die gleichzeitig durch ihre ausgefeilten Hebe- und Fahrelemente aufwendig ist und ihre Wirkung erzielt – spielt Jörg Sabrowski eindrucksvoll den Wozzeck. 3 Akte, 15 Szenen – über eineinhalb Stunden erstreckt sich das Schicksal Wozzecks als eines „von aller Welt ausgenutzten und gequälten armen Menschen“ (Alban Berg in einem Brief an Anton Webern vom 19. August 1918). Er hat zwei Jobs, als Barbier und als medizinisches Versuchskaninchen, und versucht durch Flaschensammeln Geld dazuzuverdienen. Ein uneheliches Kind und eine ehemalige Prostituierte als Freundin, die sich für ein bisschen Luxus jederzeit wieder verkauft, komplettieren seine aussichtlose Situation.

Der Betrug seiner Liebsten wird ihm zugetragen, er stellt sie zur Rede, sie leugnet. Verprügelt und bloßgestellt vom Liebhaber seiner Marie ersticht Wozzeck im dritten Akt eben diese und ertrinkt danach selbst. Sein Sterben wird gehört aber ignoriert – zurück bleibt sein und Maries Sohn – allein und teilnahmslos. Die Oper „Wozzeck“ von Alban Berg, nach dem Stück von Georg Büchner, ist kein Feuerwerk der Emotionen, Effekte oder überbordender Opulenz, aber mit Daniel Karaseks Inszenierung ist sie eindrucksvoll im Heute angekommen.

Gesellschaftkritischer und treffender für die heutige Zeit könnte eine Oper kaum sein: Armut trifft Hochmut, Schutzlosigkeit Grausamkeit und Fürsorge Ignoranz. Der Chor lässt lange auf sich warten, aber dann ist sein Auftritt umso bewegender. Er wechselt in einem harmonischen Spiel mit der ansonsten minimalen, schlichten Bühnenbesetzung. So entsteht ein starker Kontrast zwischen der Gruppe und dem Einzelnen. Sinnbildlich für das schutzlose Ausgeliefertsein des Einzelnen gegenüber einer Masse steht Wozzecks Sohn am Ende verlassen auf der Bühne. Warum ist der Mensch? Eine Sinnfrage die die Oper stellt und die sich am abrupten Ende in die Frage wandelt: Warum ist der Mensch so? So grausam, so kalt. Der Besucher verlässt das Gebäude überrascht, fragend. Ist diese Inszenierung gelungen? Zweifellos.

Weitere Aufführungstermine: 22. Mai, 17. Juni, 3. juli



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