Die Onlinezeitschrift „GeoZeit“ macht sichtbar, wie vielfältig die Arbeit von Geografen ist und erweitert das Spektrum gleichzeitig um den Punkt der Medien.
Das Geografische Institut greift aktuelle Themen in modernen Medien auf
von Bernadett Skala
Der Geografiestudent: In vielen Köpfen immer noch verankert, als der, der Landkarten auswendig lernt. Dabei erhalten Geografen in ihrem Studium eine breit gefächerte Ausbildung und können nach dem Abschluss zum Beispiel im Naturschutz, im Tourismus, in der Verkehrsplanung, der Marktforschung und vielen anderen Bereichen tätig werden. „An vielen Orten gibt es Geografen, die man als solche gar nicht wahrnimmt“, meint auch Christoph Corves, Professor am Geografischen Institut in Kiel. Dank ihm hat die Uni in der Landeshauptstadt noch mehr zu bieten als das Standardrepertoire an Geografie-Kursen. Zusammen mit Diplomgeograf Christian Galonska und Diplominformatiker Lars Michelsen bildet er die Arbeitsgruppe GeoMedien.
Was erst einmal ziemlich abstrakt klingt, ist eigentlich ganz einfach: In Kiel kann man während des Geografiestudiums im fachjournalistischen Bereich Erfahrungen sammeln und dafür auch noch Leistungsscheine einheimsen. Die Vernetzung aus Medien und geografischen Themen – „Das gibt’s nur hier!“, so Corves.
Das jüngste Projekt ist die „GeoZeit“. Eine Online-Zeitschrift für Studierende der Geografie, die geografische Fragestellungen im lokalen Kontext betrachtet. Im Rahmen des Studienprojekts „Wissenschaftsjournalismus“ erhalten die Kursteilnehmer einen Einblick in die Arbeitsweisen des Journalisten: sie lernen Interviews zu führen, zu recherchieren und wie die Ergebnisse in verschiedenen Textformaten aufs Papier zu bringen sind. Ihr neu erworbenes Wissen können sie dann gleich in Form von Artikeln in der „GeoZeit“ praktisch umsetzen. Zeitschriftenartikel statt Hausarbeiten und Teamarbeit statt allein am Schreibtisch sitzen, das ist auch, was die angehende Diplomgeografin Henrike Thelen so an dem Studienprojekt Wissenschaftsjournalismus und der „GeoZeit“ schätzt. „In anderen Studienprojekten schreibt man größere Arbeiten, aber das hat man auch irgendwann mal drauf.“ Um auch das journalistische Arbeiten irgendwann im Blut zu haben, steht den Studierenden Rolf Hermann als „Chef vom Dienst“ zur Seite. Seit zwei Jahren ist er für das Projekt als Hiwi angestellt und berät die Studierenden bei Schwierigkeiten mit Artikeln und Themen.
Vorschläge für die Inhalte der Artikel legen aber die Studenten vor. Und so können Henrike und andere Studierende bei der „GeoZeit“ Interessen verfolgen, die in Lehrveranstaltungen nicht behandelt werden. Nur mit Geografie muss es irgendwie etwas zu tun haben, aber wie schon eingangs erwähnt, ist das Spektrum breit. So widmet sich die „GeoZeit“ in ihren Dossiers den Inhalten Energie und Umwelt, Migration, Ernährung oder Flucht und Asyl – immer mit Bezug auf die lokale oder regionale Ebene. „Es macht keinen Sinn, dass wir hier globale Themen behandeln, wo BBC oder ARD viel besser sind“, meint Projektleiter Corves. Es geht eher darum, Themen, die eine übergreifende Bedeutung haben, auf die lokale Ebene zu übertragen. Dabei steht nicht die tagesaktuelle Berichterstattung, sondern die Aktualität der Themen im Vordergrund. Da die Zeitschrift komplett von Studenten neben ihren Lehrveranstaltungen ausgearbeitet wird, wäre das zeitlich auch nicht machbar. „Unsere Erfahrung ist es, dass die Leute sehr gute Sachen schreiben, aber dafür mehr Zeit brauchen“, so Christoph Corves. Daher erscheint die Online-Zeitschrift bisher nur 2 Mal im Semester.
Die Dossierthemen der vorherigen Ausgaben können aber jederzeit noch auf www.geozeit.de gelesen werden. Und die sind nicht nur für Geografen interessant. Auch andere Natur-, Kultur-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler dürften auf aufschlussreiche Artikel stoßen. Artikel von Studierenden vor allem für Studierende, die sichtbar machen, dass das Fach Geografie stark in der Gesellschaft verankert ist und das Studium des Faches mehr beinhaltet als Landkarten auswendig zu lernen.
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