Interview mit Reinhard Böttner

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Datum: 04.7.10

Kategorie: Gesellschaft

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„Du bist so wie du bist und das ist ok für uns.“ – Der Geschäftsführer von HEMPELS e.V. erklärt das Konzept der Trinkräume.

Herr Böttner, Sozialpädagoge und Geschäftsführer HEMPELS e. V. Foto: am

Herr Böttner, Sozialpädagoge und Geschäftsführer HEMPELS e. V. Foto: am

Das Konzept der Trinkhalle und dessen Vorbildfunktion für andere Kommunen

DER ALBRECHT: Herr Böttner, Sie sind der Geschäftsführer von HEMPELS e.V., wie lange machen Sie das schon?

Böttner: Ich bin noch gar nicht so lange dabei. Erst seit August 2009. Vorher war ich vorübergehend beim Tagestreff in Flensburg tätig. Da dort auch die Straßenzeitung HEMPELS verteilt wurde, habe ich den Kontakt aufgebaut und bin so zu HEMPELS gekommen. Zudem war ich in Flensburg Mediator und habe im Täter-Opfer-Ausgleich gearbeitet.

DER ALBRECHT: Wie erklären Sie sich, dass jetzt in kürzester Zeit die Nachfrage nach dem Konzept des Trinkraums anderer Städte und Kommunen so gestiegen ist? Erst sieben Jahre nachdem der Trinkraum entstanden ist.

Böttner: Anfangs standen andere Städte und Kommunen dem Prinzip des Trinkraums eher kritisch gegenüber. Die Meinung vieler war, dass man den Menschen das Trinken nicht noch bequem machen sollte. Wie auch anfangs in Kiel, versuchten andere Kommunen mit Verboten und Platzverweisen, das Problem zu lösen. Allerdings genauso erfolglos wie hier. Trotzdem konnte sich wohl keiner dazu durchringen einen Trinkraum anzubieten. Vielleicht auch, weil die monetäre Unterstützung der Stadt und der Kommunen fehlte.

DER ALBRECHT: Wie wird denn der Trinkraum in Südfriedhof finanziert?

Böttner: Wir erhalten neben Zuwendungen der Stadt Kiel auch Zuwendungen der Arbeitsverwaltung. So können wir die Ein-Euro-Jobber finanzieren und wir erhalten dadurch auch Beschäftigungszuschüsse für unsere Festangestellten. Ebenso finanzieren wir uns zusätzlich durch unseren Verein HEMPELS und sind vor allem auf Spenden angewiesen.


DER ALBRECHT: Was sagen Sie persönlich zu dem Konzept des Trinkraums und zu dem Vorwurf, man könne auch von der „Kapitulation der Sozialarbeit“ sprechen?

Böttner: Bei der Konzeptionierung des Trinkraums ist HEMPELS von der Annahme ausgegangen, dass eine Einrichtung nur dann nachhaltig von seiner Zielgruppe genutzt wird, wenn die Betroffenen – viele mit starkem Alkoholkonsum und teilweise entsprechendem Verhalten – dort auch Akzeptanz für ihre Situation finden. Es handelt sich hier nicht um „Kapitulation der Sozialarbeit“. Vielmehr wird durch das Angebot Vertrauen aufgebaut, über einen längeren Zeitraum. Hier in unserem Trinkraum bei HEMPELS wollen wir den Menschen zeigen: Du bist so wie du bist und das ist ok für uns. Außerdem bieten wir doch einen niedrigschwelligen Sozialdienst – auf Nachfrage – und diverse Arbeits- und Beteiligungsmöglichkeiten für unsere Besucherinnen und Besucher.

„Du bist so wie du bist und das ist ok für uns.“

DER ALBRECHT: Wie ist es jetzt für Sie, wenn sich andere Städte und Kommunen bei Ihnen melden und auch das mediale Interesse so stark zunimmt?

Böttner: Erstmal ist es sehr positiv, weil es ja zeigt, dass wir es hier in Kiel mit dem Trinkraum richtig gemacht haben. Warum wir bis jetzt den einzigen Trinkraum in ganz Deutschland haben, kann ich mir sowieso nicht erklären. Mittlerweile kommen aber so viele Anfragen, dass wir auf die Pressestelle der Stadt Kiel verweisen müssen. Dort liegt das Konzept des Trinkraums vor. Gerade nach dem Spiegel Artikel, im April diesen Jahres, sind die Nachfragen so massiv gestiegen, dass wir das alleine gar nicht mehr bewältigen können, schließlich haben wir keinen Pressesprecher.

DER ALBRECHT: Demnächst soll auch hier in Kiel ein zweiter Trinkraum entstehen, in Gaarden am Vineta Platz. Was wünschen Sie sich für die Neueröffnung? Wann soll diese stattfinden?

Böttner: Wann genau der Trinkraum in Gaarden öffnet, kann ich leider noch nicht sagen. Ich hoffe aber, dass es so schnell wie möglich losegehen kann und wir damit genauso positive Erfahrungen machen, wie hier in Südfriedhof.

DER ALBRECHT: Vielen Dank für das Gespräch Herr Böttner und alles Gute.

Der Artikel zum Konzept des Trinkraums kann hier nachgelesen werden.



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