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Echokammer aus Falschinformationen – Ein Problem auch für den Journalismus

2023 ermittelte eine Studie der World Association of Newspapers und Schickler, dass 49 Prozent der von ihnen befragten Journalist*innen generative KI wie ChatGPT verwenden. Im Oktober dieses Jahres erlaubte sich der Spiegel in einem Online-Artikel einen Copy-Paste-Patzer. Die angebotene Formulierungshilfe des Chatbots war noch im Text zu lesen. Blieb es bei einer Unterstützung in der Formulierung oder wurde auch der Inhalt ausgeschmückt?

Die vierte Säule der Demokratie stützt sich zur Hälfte auf eine Informationsblackbox. Wenn nun die Hälfte unserer Journalist*innen ihre Informationen aus potenziell unseriösen Quellen bezieht und damit ihre eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt, wie sollen Leser*innen noch an verlässliche Informationen zu gesellschaftsrelevanten Themen gelangen? 

Die aktuelle politische Lage ist angespannt, gespalten, stark polarisiert. Es sollte also der journalistische Anspruch sein, eine verlässliche und wahrheitsgemäße Berichterstattung über aktuelle Ereignisse in unserer Gesellschaft zu gewährleisten Auch um das Vertrauen der Leser*innen nicht zu missbrauchen. Mitunter, weil bereits mehrfach mittels Umfragen und Studien festgestellt wurde: Menschen, die der etablierten Berichterstattung vertrauen, vertrauen auch der Demokratie in Deutschland. Glücklicherweise gibt es seit 2023 die Pariser Charta zu KI und Journalismus, welche von Reporter ohne Grenzen und weiteren Partnerorganisationen veröffentlicht wurde. Ein wichtiger Schritt, der fortwährend unterstützt werden muss. Aber auch Leser*innen sind gefragt: Faktenchecks, Zweit- und Drittperspektiven, Quellenanalysen und kritisches Denken sind unabdingbar für ein differenziertes Meinungsbild zu sozialen, politischen und kulturellen Themen.

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