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Es heißt, das Einzige, was im Leben Bestand habe, sei die Veränderung. Für alle Kieler*innen ist das jedoch nur die halbe Wahrheit, denn hier gibt es noch eine zweite klare Konstante: Herbst ist immer, egal welche Jahreszeit im Kalender steht. Es ist Herbst im Winter, Herbst im Frühling, Herbst im Sommer und natürlich Herbst im Herbst. Kiel ist unangefochtene Herbstwetterweltmeisterin.

Dabei wird der Traum von vielen bunten Blättern und goldenen Sonnenstunden schnell vom Winde verweht. Denn das, was unwissenden Tourist*innen als »frische Seeluft« angepriesen wird, entpuppt sich in Wahrheit als erbarmungsloser Gegenwind, der Fahrräder gefühlt rückwärts fahren lässt und jeden Versuch einer Frisur im Keim erstickt.

Gratis obendrauf präsentiert Kiel allen ein buntes Potpourri an Regenvarianten. Von feinem Sprühnebel über rhythmisches Plätschern bis zur wasserfallartigen Sturzflut ist alles dabei. Die einzige Regel scheint zu sein, dass der Regen nicht von oben kommen darf, sondern grundsätzlich von der Seite – vorzugsweise mitten ins Gesicht.Die Überlebensstrategie ist hier Anpassung. Wo Alteingesessene schon lange Regenhosen tragen, als wären sie Berufsfischer*innen, weicht auch bei neu Zugezogenen langsam der modische Trenchcoat der funktionalen Allwetterjacke. Und dann bleibt nur noch das Warten auf die 72 Stunden Sommer, die vielleicht irgendwann kommen, in denen die Sonne die Förde glitzern lässt und Kiel für einen Moment zum schönsten Ort der Welt wird. Da kann mensch fast vergessen, dass der Rest des Jahres einfach nur eine sehr lange Übergangsjacke ist.

Paula studiert Deutsch und Englisch auf Fachergänzung. Sie ist seit dem Sommersemester 2025 beim ALBRECHT.

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