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Ich spüre die Frage, bevor ich sie höre. Sobald ich mich mit einer mehr oder weniger verwandten Person in einem Raum befinde, geht der Countdown los – drei, zwei, eins: »Und wie lange studierst du noch?«. Als unverfänglicher Smalltalk oder sogar Interesse getarnt, verbirgt sich dahinter oft eine Mischung aus Vorwurf und Sorge. Während Onkel Helmut denkt, es sei wirklich mal Zeit für einen richtigen Job, fragt mein Opa direkt, was nur aus mir werden soll.

Alle Fragenden eint eines: der Glaube, dass der richtige Lebensweg immer auch der schnellste ist. Abitur, Bachelor, Master, Arbeit, Burn-out, Rente, Tod. Wer bremst, verliert. Persönliches Glück? ›Hatten wir früher auch nicht‹, also Zeitverschwendung.

Regelstudienzeit ist gesetzt. Einen Bachelorabschluss hat man nach sechs Semestern, spätestens. Der Neffe der Nachbarin von Tante Gisela hat das ja auch geschafft. Tatsächlich wird die Regelstudienzeit aber nur selten Realität. Viel wahrscheinlicher ist es, dass das Leben dazwischen kommt. Man muss arbeiten, wechselt den Studiengang, wird krank, fällt durch oder bekommt einfach keinen Platz in dem Seminar, das noch fehlt. 

Aber Abweichungen von der schnellsten Strecke sind nicht von Interesse. Also antworte ich: »Noch zwei Semester«. Eine Aussage, die erstaunlicherweise nie unglaubwürdig wird. Sie rettet das Familienessen, aber ändert nichts an der Realität. Denn ich studiere eben, bis ich fertig bin. Und dann sage ich Bescheid. Versprochen.

Paula studiert Deutsch und Englisch auf Fachergänzung. Sie ist seit dem Sommersemester 2025 beim ALBRECHT und übernimmt seit Januar 2026 die Leitung des Social Media Teams.

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