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Eine Inszenierung des düsteren Kunstmärchen Der Sandmann am Theater Kiel

»Das ist ein böser Mann, der kommt zu den Kindern, wenn sie nicht zu Bett gehen wollen und wirft ihnen Händevoll Sand in die Augen, dass sie blutig zum Kopf herausspringen.«

Das Theater Kiel bringt unter der Regie von Dariusch Yazdkhasti E.T.A. Hoffmanns Der Sandmannim Schauspielhaus auf die Bühne. Das düstere Kunstmärchen handelt von dem jungen Studenten Nathanael, gespielt von Tomte Heer, welcher von seinen traumatischen Kindheitserlebnissen geplagt wird. Die Erinnerungen vermischen sich mit seinen Fantasien und Ängsten. Sie lassen ihn glauben, Coppelius, ein übergriffiger und angsteinflößender Bekannter der Familie, als den Sandmann überall wiederzuerkennen. Er beginnt, sich mit seiner Innenwelt zu verwickeln, und schon bald vermischen sich die Grenzen von Vorstellung und Realität.

Eine düstere Atmosphäre mit einem Hauch Ironie

Julia Hattstein sorgt für ein unheimliches und zugleich verspieltes Bühnenbild. So beginnt die Inszenierung mit dem Song Lullaby von The Cure. Robert Smith singt einleitend: »The Spiderman is having you for dinner tonight«. The Erie Committee feat. systm.z, der zuständig für das Sounddesign ist, untermalt die Stimmung durch einen eher alternativen und melancholischen Rock, welcher auf Einflüsse der Achtzigerjahre zurückzuführen ist. Außerdem ziehen rauchige Chemieexperimente im Vordergrund der Bühne das Publikum mitten ins Geschehen, sowie die Figuren, die sich ebenfalls direkt vor der Bühne wie im Backstage an kleinen Schminktischen mit Accessoires und Perücken verwandeln. Den Zuschauenden bleibt nichts verborgen, während Nathanael auf der Bühne vor einer riesigen verschlossenen Tür mit seinen Ängsten kämpft. 

Die Kostüme sind ausdrücklich in schwarzen und grauen Tönen gestaltet. Dennoch ziehen ausgefallene Perücken sowie auffallende Schnitte und Muster die Aufmerksamkeit auf sich. Somit entsteht ein satirischer Eindruck, welchen die Figuren durch ihr groteskes Auftreten im Laufe der Geschichte widerspiegeln.

Besonders Jennifer Böhm als Nathanaels Verlobte Clara und Christian Kämpfer als Professor Spalanzani spielen ihre Rollen laut und energetisch, sie schreien und lachen. Es scheint so, als würden sie zwischenzeitlich aus ihren Rollen heraustreten, um diese von einem Außenlicht ironisch zu beleuchten.Als Nathanael Clara schließlich seine Ängste anvertraut, reagiert sie sehr euphorisch und bricht in Gelächter aus. Jennifer Böhm zeigt mit ihrer Inszenierung jedoch, dass es sich bei Clara eigentlich um eine verletzliche Person handelt. Trotz ihres Lachens scheint sie eher melancholisch und verängstigt. 

Das Auge im Zentrum

Während der Aufführung werden immer wieder Elemente wie große Videoaufnahmen der Charaktere, ausgefallene Brillen und stark umrandete, blutige Augen sowie Augen in Form von lebhaften Kreaturen eingesetzt. Dies zeigt zudem auch die Szene, in welcher Nathanael einem Wetterglashändler ein Fernglas abkauft. Obwohl dieses die Sicht verschärfen soll, täuscht es Nathanaels Sinne. So verliebt er sich in Olimpia, die ebenfalls von Jennifer Böhm gespielt wird, obwohl sie weder viel sagt noch eigensinnig zu handeln scheint. Das Auge ermöglicht uns, unsere Umwelt wahrzunehmen. Jedoch nicht, wenn wir uns dazu entscheiden, wegzusehen und Probleme nicht wahrnehmen zu wollen.

So zeigt auch die Szene, in welcher Nathanael von Augäpfeln umzingelt wird, dass die Probleme immer größer werden und er es nicht mehr schafft, sie zu ignorieren. Beispielsweise ist seine Verlobte Clara eine der als Augäpfel verkleideten Personen, welche er versucht durch Olimpia zu vergessen. 

Das Auge als Hauptelement, das düstere, kunstvoll gestaltete Bühnenbild sowie die beeindruckende und einzigartige Darbietung der Schauspieler*innen machen die Inszenierung zu einem spannenden Erlebnis. Das Publikum darf sich darauf einstellen, direkt mit in das Geschehen gezogen zu werden. Zum einen auf Grund der sehr anschaulichen Gestaltung des Märchens und zum anderen, da die Zuschauenden in einigen Szenen aktiv angesprochen werden. 

Weitere Vorstellungen finden am 30. Mai sowie 03., 05. und 13. Juni um jeweils 20:00 Uhr statt.

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