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Wenn  junge Bootsbauer*innen im Norden neue Wege gehen

Segelboote wanken im Wind und die Sonne glitzert auf den kleinen Wellen im Hafenbecken. Das Kreischen der Möwen vermischt sich mit dem Lärm der Schleifmaschinen. Besuch bei Bottsand Bootsbau in Wendtorf. Ein Stückchen über Laboe am Ostufer befindet sich die junge Werft. Leif Reincke sitzt im Büro der neu eröffneten Werfthalle.

Erst vor wenigen Jahren entstand Bottsand – gegründet von den zwei damaligen Studenten, Leif Reincke und Lukas Feierabend, die beschlossen, Theorie zur Praxis werden zu lassen. Was spannend dabei ist: Das Ganze ist komplett eigen finanziert.

In der neuen größeren Halle haben bis zu sieben Boote verschiedenster Größen und Bauarten Platz. Die Arbeiten, die hier angeboten werden, reichen von klassischen Restaurationen bis hin zu Nachrüstungen für Regatten und Komplettumbauten. 

© Bottsand Bootsbau

Die Crew hinter Bottsand

Insgesamt arbeiten zwölf Menschen in der Werft, unterstützt von derzeit drei Auszubildenden. Die Ausbildungsplätze sind heiß begehrt. Jedes Jahr bewerben sich rund 50 junge Menschen um die Plätze. Doch für eine erfolgreiche Bewerbung kommt es nicht nur auf die mitgebrachten Qualifikationen an. Entscheidend ist auch, ob man ins Team passt. Deshalb gehört zu jedem Bewerbungsprozess ein mindestens einwöchiges Probearbeiten, in dem sich zeigt, ob die Chemie stimmt.

Die besondere Unternehmenskultur ist sicher ein Grund, warum die Nachfrage nach den Ausbildungsplätzen so hoch ist. In Wendtorf wird klassisches Handwerk mit jungem Unternehmergeist vereint. Die Hierarchie ist flach, die Kommunikation direkt und jede*r trägt Verantwortung. Viele Abläufe sind digitalisiert, was die Arbeit effizient gestaltet und auch in der Kundenkommunikation viele Vorteile bringt.  

Die Wege der Kund*innen nach Wendtorf sind so verschieden wie die Boote selbst. Manche finden die Bootsbauer*innen über das Internet, bei Messen oder auch viel über Mund-zu-Mund-Empfehlungen. Doch bekannt ist die Werft längst nicht mehr nur in der Szene – spätestens seit einer NDR-Nordreportage kennt man Bottsand auch darüber hinaus.

© Bottsand Bootsbau

Neue Geschäftszweige

Seit Kurzem steuert die Werft auch noch andere Gewässer an. Nach fast einem Jahr Entwicklungsprozess hat die Werft eine eigene Kunststoff-Alternative für die klassischen Teak-Decks auf den Markt gebracht. 

Das in den Teak-Decks enthaltene Holz gilt als wetterfest und optisch besonders hochwertig, wächst aber nur sehr langsam und stammt häufig aus tropischen Regionen. Die neue Alternative verzichtet vollständig auf Tropenholz, ist deutlich leichter, hitzebeständiger und dabei langlebiger. 

Natürlich gibt es für die junge Werft auch Herausforderungen. Gute Fachkräfte zu finden, ist nicht leicht. Prozesse müssen laufend optimiert werden. Und das schnelle Wachstum der jungen Werft bringt seine eigenen Schwierigkeiten und Chancen mit sich.

Wohin steuert Bottsand in der Zukunft?

Über konkrete Pläne für die Zukunft spricht Leif nicht gern öffentlich. »Ich bin kein Freund davon, über Zukunftspläne zu reden, bei denen noch nicht immer klar ist, wo es sich hin entwickelt. Es gibt Pläne, es gibt Ziele, die hier intern sehr klar kommuniziert werden. Es gibt eine sehr klare Kultur und Ziele, die wir uns gesetzt haben.«

Was allerdings feststeht, ist: Die Qualität und Kundenzufriedenheit stehen weiterhin im Mittelpunkt. Das Ziel ist gesundes Wachstum, das Geschäft sauber durchzuziehen und den Fokus nicht zu verlieren.Und wie alle Kieler*innen freut sich auch Bottsand Bootsbau auf die Kieler Woche: Dieses Jahr sind sie wieder mit einer mobilen Werkstatt für alle teilnehmenden Boote und Yachten der Regatten in Schilksee am Start.

Bjarne studiert Sozio-Ökonomik an der CAU und ist seit dem Oktober 2024 beim ALBRECHT. Schwerpunktmäßig schreibt er über Kultur und Politik.

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