StuPa Lübeck stärkt Ehrenamt und möchte die sinkende Wahlbeteiligung stoppen
Seit Jahren ist die stetig schrumpfende Beteiligung bei der Wahl des Studierendenparlamentes (StuPa) ein Thema an der Uni. Nicht nur in Kiel, auch an anderen deutschen Universitäten nimmt nur ein kleiner Teil der Studierenden daran teil. Eine Recherche von Correctiv aus dem Jahr 2019 zeigt, dass die Wahlbeteiligung bundesweit niedrig ist. Von 70 erhobenen Universitäten stand Kiel damals mit 19 Prozent auf Platz 14. Dieses Jahr gaben nur knapp 13 Prozent ihre Stimme ab. Ein Blick auf die Prozente aus den letzten Jahren zeigt den Abwärtstrend auch an anderen Hochschulen.
Damals grüßte ein Nachbar aus dem Norden vom ersten Platz der Correctiv-Erhebung. 39 Prozent der Studierenden gaben bei der damaligen StuPa-Wahl an der Universität Lübeck ihre Stimme ab. Mittlerweile ist die Beteiligung aber auch in der Hansestadt geschrumpft. Neben Bemühungen, die Wahlbeteiligung wieder zu erhöhen, versucht das StuPa in Lübeck mit dem EASt-Ausschuss (Ehrenamt stärken), mehr Studierende für die Hochschulpolitik zu begeistern. Was kann Kiel davon lernen?
Vor Corona war noch alles besser
Mittlerweile ist in Lübeck die Wahlbeteiligung auf 20 Prozent gesunken. »Das ist ein kleiner Wermutstropfen, gehört aber natürlich bei einer freiwilligen Uni-Wahl dazu«, so Gabriel Gundlach, studentischer Wahlleiter bei der diesjährigen StuPa-Wahl in Lübeck. Wieso es zu dieser Entwicklung kam? Kleinere Sachen in der Wahlvorbereitung, -durchführung und -werbung hätten einen Einfluss auf das Endergebnis, erklärt Gabriel. Dazu kämen die größeren gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre, durch die Wählende geprägt worden seien. Soziale Medien, die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Uni-Alltag und die Frage, wie viel Zeit man noch auf dem Campus verbringen kann.
Wie erreicht man also Studierende, um sie auf die anstehenden Uni-Wahlen aufmerksam zu machen? »Für die aktuelle Wahl haben wir auf verschiedenen Wegen Werbung gemacht«, erklärt Gabriel. Mit einem Crêpes-Stand vor der Mensa wollte man mit Studierenden ins Gespräch kommen. »Sozusagen ein Erstkontakt. Dazu haben wir auch ganz proaktiv Studierende angesprochen, dass gerade noch die Wahl läuft und dass es auch ein Teil von der Uni-Gemeinschaft und der Uni-Demokratie ist, sich dabei zu beteiligen«, so Gabriel. Zusätzlich hätte das Engagement der Fachschaften geholfen, die proaktiv in Vorlesungen gegangen sind, um auf die Wahl aufmerksam zu machen. Dazu haben die Dozierenden, auch von sich aus, das Thema angesprochen.
Damit die Studierenden auch wissen, wer zur Wahl steht, hing in diesem Jahr zusätzlich eine physische Wahlzeitung aus. Die Jahre zuvor gab es bereits eine Online-Variante davon. In der Zeitung fand sich eine Übersicht mit Bildern und kurzen Texten zu allen Kandidat*innen. Ausgehängt wurde die physische Wahlzeitung an einer Pinnwand in der Mensa und in der Hochschulpolitik. Die Pinnwand bewirke einen gewissen Blickfang, sagt Gabriel. Um auch die letzten Studierenden zu erreichen, wurde ein Wahleinspieler auf der Lernplattform der Uni Lübeck sowie Wahlhinweise auf Bildschirmschonern der Uni-Computer und Anzeigebildschirme gezeigt.
Vorteile hervorheben
Damit aber überhaupt jemand gewählt werden kann, müssen sich Studierende für die Gremien aufstellen. »Das StuPa ist schon relativ bekannt. Vielleicht weniger bekannt ist, dass Studierende relativ einfach mitmachen können und man gar nicht so viel braucht, um auch Parlamentarier*in zu werden«, so Finja Allenstein, Vizepräsidentin im StuPa. Mithilfe von Stickern und Kleidung soll möglichst niedrigschwellig Präsenz und Nahbarkeit gezeigt werden. »Vielleicht wird man in einer Vorlesung einfach mal angesprochen, weil man den Merch trägt, und kommt einfacher ins Gespräch«, so die Vizepräsidentin. Dazu komme, Präsenz zu zeigen in der Ersti-Woche und über Veranstaltungen neue Studierende an die Gremienarbeit heranzuführen.
Ein gänzlich neuer Ansatz ist der EASt-Ausschuss im StuPa. Er soll das Angebot und die Vorteile von ehrenamtlicher Gremienarbeit in der Hochschulpolitik hervorheben und weiterentwickeln. Dass man, egal wann im Studium, einfach dazukommen und selbst bestimmen könne, woran man mitarbeitet und wie viel Zeit man investiere, sei einer der Pluspunkte von studentischer Gremienarbeit, sagt Gabriel. Diese gelte es stärker zu zeigen, denn dort könne man nicht nur seinen Horizont erweitern, sondern auch seine eigenen Fähigkeiten beim Gestalten der Uni oder des Studierendenlebens stärken. Dabei müssen auch auf den ersten Blick verwirrende Themen, wie die Innenlogiken und Abläufe von Sitzungen sowie die Ansprechpersonen erklärt werden. »Ziel ist es, dass Studierende einfach mal reinschnuppern und sich überzeugen lassen von dem, was alles möglich ist«, so Gabriel. Ein Paradebeispiel dafür ist das Campus Open Air Lübeck (COAL). Aus studentischem Engagement gewachsen, kommen seit dem Jahr 2011, mittlerweile jedes Jahr rund 10.000 Besucher*innen zu dem eintägigen Musikfestival.
Was kann Kiel also davon lernen? Ob die Ansätze und Bemühungen in Lübeck zu dem gewünschten Ergebnis führen, kann jetzt noch nicht beurteilt werden. Die kreativen Wege müssen konstant fortgeführt werden, damit in der Zukunft ein sichtbarer Erfolg einsetzen kann.
Was sich zeigt: Studierende für die Gremienarbeit zu motivieren, ist nicht nur in Kiel ein Problem. Um sie zu erreichen und zu überzeugen, muss viel Zeit und Arbeit investiert werden – ohne zu wissen, ob es der richtige Ansatz ist.
Joschka studiert seit dem Wintersemester 20/21 Soziologie und Politikwissenschaft und ist seit Ende 2022 Teil des Albrechtsteams. Dazu leitet er seit dem März 2023 das Layoutteam und ist seit Februar 2024 stellvertretende Chefredaktion.



