Wie sich die Uni für den Artenschutz einsetzt
Ein kleiner Weg führt entlang einiger Bäumchen und Sträucher. Sie erschaffen einen grünen Hingucker inmitten der Betonwüste und groß sollen sie einmal werden. Schon jetzt ist es ein Zuhause für viele Arten: die neue Außenanlage des Wilhelm-Seelig-Platzes. Ein Paradebeispiel dafür, wie Artenschutz an der Uni gelingen kann?
Tiere, Pflanzen, Pilze und Bakterien: Sie alle sind vom Artensterben betroffen. Einem Artensterben, das in den vergangenen zehn Millionen Jahren nie größer war als heutzutage. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat im Jahr 2022 circa 150 000 Arten untersucht und davon etwa ein Drittel als vom Aussterben bedroht eingestuft. Bislang sind ungefähr 1,8 Millionen Arten bekannt und beschrieben. Wissenschaftler*innen gehen jedoch davon aus, dass sich die tatsächliche Biodiversität auf circa das Viereinhalbfache berufen könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass neben den beobachteten bedrohten Arten noch mehr von diesem Risiko betroffen sind, ist also sehr hoch. Die Gründe hierfür sind vielfältig. So stellen unter anderem der Klimawandel, Überdüngung oder auch der Lebensraumverlust ein Risiko dar. Dabei geht biologische Vielfalt uns alle etwas an. Jede Art hat in einem Ökosystem ihren eigenen Platz, der dafür sorgt, dass der Kreislauf des Lebens beibehalten wird. Bricht dieser weg, entsteht eine Schieflage, die das ganze Ökosystem ins Wanken bringen kann. Als Folge können mitunter das Klima verändert werden, Lebensräume zusammenbrechen oder auch Nahrungsquellen verschwinden. Umso wichtiger ist es, dass mit dem Lebensraum der Tiere, Pflanzen, Pilze und Bakterien sensibel umgegangen wird, damit diese möglichst geschont werden.
Artenschutz an der Universität
Artensterben findet überall statt. So auch bei uns an der Universität. Beim Blick über den Campus kommt schnell der Gedanke auf: Hier könnte noch eine Menge für den Artenerhalt getan werden. Große Baustellen, gefällte Bäume, weite triste Rasenflächen. Auf den ersten Blick scheint die CAU nicht allzu viel gegen den Artenschwund zu tun. Doch ist dies wirklich der Fall? Grundsätzlich kann eine Universität eine Menge in Hinblick auf den Artenschutz bewirken. Sei es durch eine entsprechende Bepflanzung von Außenanlagen oder auch durch Investitionen in den Klimaschutz. Durch die Wahl von Professuren kann zusätzlich ein Einfluss genommen werden. So kann auch ein Forschungsbereich, der sich mit einer nachhaltigen Zukunft auseinandersetzt, den Artenschutz positiv beeinflussen. Ein Beispiel für solch eine Forschung ist das Projekt BioIntAkt, bei dem unter anderem die CAU mitwirkt. Dabei wird mithilfe von KI der Artenbestand akustisch erfasst.
Apropos CAU, wie sieht es dort im Speziellen aus?
Auf dem Campus treffen die Interessen vieler verschiedener Gruppen aufeinander. Die einen wünschen sich Platz zum Arbeiten, während die anderen Fläche zum Ausruhen wollen. Wiederum andere sehnen sich nach mehr Parkplätzen oder freuen sich über mehr Freizeitangebote. Um alle Interessen zu berücksichtigen, muss häufig ein Kompromiss her. Darunter leidet der Artenerhalt. Die Renovierungsarbeiten in der Leibnizstraße zeigen das Dilemma auf. Aufgrund des Denkmalschutzes müssen Vorschriften eingehalten werden, die dem Artenerhalt nur wenig Raum lassen. Gleichfalls müssen beim Bepflanzen von Flächen Mittelwege gefunden werden, da nicht jede Fläche dafür geeignet ist. Denn an einigen Orten der Universität verlaufen unterirdisch Leitungen, die beispielsweise von einer Baumwurzel zerstört werden könnten.
Gelegentlich muss jedoch auch der Artenschutz die nötige Aufmerksamkeit bekommen; die Außenanlage auf dem Wilhelm-Seelig-Platz ist dafür nur ein Beispiel. Vielen mögen sicherlich Baumstümpfe aufgefallen sein, die nur noch an einen längst vergangenen Baum erinnern. Doch wo das Leben des einen Baumes endet, fängt das eines anderen gerade erst an. Denn jede Fällung auf dem Campus hat anderorts eine Pflanzung eines jungen Baumes zur Folge. Selbst wenn ein dürres Pflänzchen einen großen alten Baum nicht sofort ersetzen kann, ist dies zumindest ein Ansatz, um langfristig dem Artensterben vorzubeugen. Seit einigen Jahren gibt es zudem die Initiative ›Mähfreier Mai‹, an dem sich auch die CAU beteiligt. Hierbei wird den ganzen Monat über auf das Mähen der Grünflächen verzichtet, um Wiesen die Möglichkeit zu geben, ein reiches Angebot an Gräsern, Blumen und Kräutern zu liefern. Dadurch werden Nahrungsquellen und Wohnraum für viele Tiere sichergestellt. Darüber hinaus verbessert sich die Bodenqualität, da der Schatten der Pflanzen den Boden länger feucht hält, sodass er langsamer austrocknet. In diesem Jahr wurde der ›Mähfreie Mai‹ allerdings nicht ganz eingehalten. Stattdessen hatten die Grünflächen an der Uni nur ungefähr drei Wochen lang keinen Mäher zu Gesicht bekommen. Grundsätzlich stellt sich dabei die Frage, ob es mit einem einzigen Monat überhaupt getan ist. Schließlich haben die Tiere keinen Kalender, mit dem sie erkennen können, wann sie ihre Koffer packen müssen. Hierbei sei jedoch gesagt, dass eine Blühwiese ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden muss, damit viele Pflanzen ihre Saat selber austreiben können. Für solche Pflanzen, die sich nicht selbstständig verbreiten können, sondern etwas Hilfe brauchen, wie zum Beispiel einige Beeren- und Obstsorten, gab es das Studierendenprojekt ›Der essbare Campus‹. Die an der Uni häufig anzutreffenden Sorten wurden dabei auf einer Karte festgehalten, die inzwischen im Bioturm aushängt. An der CAU gibt es zusätzlich eine ganze Abteilung, die sich unter anderem für den Artenerhalt einsetzt: das Klimakonzept 2030, kurz klik 2030. Dieses hat es sich zum Ziel gemacht, die Universität bis zum Jahr 2030 treibhausgasneutral zu machen, wobei auch der Artenschutz eine wichtige Rolle spielt. Von studentischer Seite ist das Green Office vorzufinden. Es beschäftigt sich mit der Nachhaltigkeit auf dem Campus und möchte sich auch in Zukunft für den Artenschutz engagieren. Dafür setzt es einige Projekte um, die die Nachhaltigkeit fördern, oder es plant Veranstaltungen und Kampagnen.Es zeigt sich also: Auch, wenn es manchmal nicht so scheint, die Uni macht bereits eine Menge, um dem Artensterben vorzubeugen. Doch mehr geht natürlich immer. Damit der Artenschutz gelingt, bedarf es stets der Bemühung, das Beste aus den möglichen Mitteln herauszuholen und dafür einzustehen. Ein Status quo wird wohl nicht ausreichen, damit der Artenschwund aufgehalten wird. Das gilt sowohl im Großen als auch im Kleinen.
Katharina studiert Biologie an der CAU und ist seit dem Oktober 2024 beim ALBRECHT



