Beslik über sein neues Album, Geld und die Suche nach Sinn
Der Albrecht: Deine Tour startet hier in Kiel – nicht gerade der klassische Startpunkt. Warum ausgerechnet Kiel?
Beslik: Ehrlich gesagt gibt es dafür keinen großen Plan. Ich war im Dezember auf meiner ersten Solo-Tour und wollte jetzt einfach nicht in den typischen Städten spielen, also nicht immer Berlin, Hamburg oder Köln, sondern eher in kleineren Städten. Orte, die sonst nicht so von Artists frequentiert werden. Kiel ist so eine Stadt, die man bei der Planung vielleicht nicht sofort auf dem Schirm hat, und genau das fanden wir interessant. Ich war natürlich schon im Norden, aber noch nicht in Kiel, kann mir aber vorstellen, dass es sehr schön ist. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ich lasse mich einfach überraschen.
Der Albrecht: Du hast Philosophie studiert. Was ist dir davon geblieben?
Beslik: Also die Sache ist: Ich habe bis zu meiner Bachelorarbeit studiert, dann kam aber Corona. Leute reden immer mit mir und sagen: »Oh mein Gott, du hast Philosophie studiert« . Aber diejenigen, die wirklich Philosophie studiert haben oder da richtig drin sind – da kann ich nicht mithalten. Was ich aber mitgenommen habe, ist, mich für Dinge zu interessieren und mich auch wirklich auf einer intellektuellen Weise mit Sachen auseinanderzusetzen. Und ich habe gelernt, dass man sich wirklich über alles Gedanken machen kann. Und dass man dabei merkt, dass man wahrscheinlich nie zu einer endgültigen Antwort kommt. Das ist irgendwie gleichzeitig befreiend und anstrengend. Du kannst dich in jede Frage komplett reinsteigern, aber du kommst nie zu diesem Punkt, wo du sagst: »Das ist jetzt die Wahrheit.« Und ich glaube, das hat mich schon geprägt.
Der Albrecht: Und die Uni an sich?
Beslik: Wenn du die Uni besuchst, wissenschaftlich arbeitest, mit Professoren Seminare hast und so weiter – da lernst du schon viele Dinge, bei denen du dir denkst: Krass, das wäre dir komplett verborgen geblieben, wenn du das nie gemacht hättest. Wenn du einfach nur dein Abi machst oder irgendeinen anderen Abschluss und dann vielleicht eine Ausbildung – es gibt viele Sachen, die wirst du niemals lernen, wenn du dich nicht aktiv darum bemühst.
Der Albrecht: Wie viel von dir steckt in deinen Songs? Gibt es überhaupt eine Kunstfigur?
Beslik: Das bin zu hundert Prozent ich. Also wirklich komplett. Und manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass es fast schon zu viel ist. Aber ich habe irgendwann gemerkt: Entweder ich mache das ehrlich oder ich lasse es. Wenn ich anfangen würde, irgendwas zu spielen oder mir eine Rolle zu bauen, hätte ich keinen Bezug mehr dazu. Und ich glaube auch, dass Leute das merken. Wenn etwas echt ist, wird das anders wahrgenommen.
Der Albrecht: Deine Musik lässt sich schwer einordnen und bewegt sich oft zwischen Weltschmerz, Ironie und Humor. Wie passt das zusammen?
Beslik: Ja, total. Ich hab gar kein Interesse daran, mich irgendwo einzuordnen oder mich in eine Richtung pressen zu lassen. Ich will einfach machen, worauf ich Lust habe. Für mich gehört das alles zusammen. Ich glaube, dass genau das mein Umgang damit ist. Wenn du alles nur ernst nimmst, gehst du irgendwann kaputt. Und wenn du alles nur ins Lächerliche ziehst, ist es auch leer. Ich versuche einfach, vieles zuzulassen. Und am Ende ist Musik für mich ein Ventil. Dinge, die mich beschäftigen, landen da drin. Und dadurch werden sie irgendwie greifbarer. Vielleicht ist das auch der einzige Weg für mich, damit umzugehen.
Der Albrecht: Ist Rap für dich dann eher Musik oder eher Schreiben?
Beslik: Für mich ist es auf jeden Fall eher Text. Ich kann kein Instrument spielen, ich habe nie Gesang gelernt – mein Zugang ist Sprache. Sprache ist mein Werkzeug. Die Musik ist dann eher das Medium, um das zu transportieren.
Der Albrecht: Wie entstehen deine Songs konkret?
Beslik: Gar nicht geplant. Es ist nie so, dass ich mich hinsetze und sage: »Jetzt schreibe ich einen Song über Thema XY«. Meistens ist es so, dass ich irgendwo bin – in einem Café, in einer Bar oder auch im Club – und dann kommt ein Gedanke. Oder eine Assoziation. Und das ist dann der Ausgangspunkt. Von da aus entwickelt sich alles weiter. Sehr spontan, sehr intuitiv. Ich glaube, wenn ich versuchen würde, das zu kontrollieren, würde es nicht funktionieren.
Der Albrecht: Welche Rolle spielt dein Umfeld dabei?
Beslik: Eine sehr Große. Viele Ideen entstehen überhaupt erst durch Gespräche oder Situationen. Du sitzt irgendwo mit Leuten, redest, und plötzlich bleibt etwas hängen. Und daraus kann dann ein ganzer Song entstehen. Ohne dieses Umfeld würde mir wahrscheinlich viel fehlen.
Der Albrecht: Ein großes Thema bei dir ist Geld. Was bedeutet es für dich?
Beslik: Ich bin der Überzeugung, dass Geld natürlich Sicherheit gibt, Ruhe gibt. Ruhe, um einfach mal den Kopf auszumachen. Ganz einfach. Wenn du weißt, dass du jeden Monat Geld hast, kannst du dein Leben planen – vielleicht Familie, Zukunft, solche Sachen. Aber gleichzeitig löst es nicht die grundlegenden Probleme. Es gibt kein richtiges Leben im Falschen. Und egal wie viel Geld du hast – am Ende sucht jeder nach Glück oder Liebe. Das ist dieser Widerspruch. Ich glaube schon, dass Geld Dinge erleichtert. Aber es beantwortet nicht die wichtigen Fragen.
Der Albrecht: Du sagst trotzdem, dass mehr Geld vieles lösen würde.
Beslik: Ja, zumindest kurzfristig. Das Einzige, was mich wirklich stresst, ist dieses Gefühl, wieder von vorne anfangen zu müssen, wenn das Geld weg ist. Das ist der größte Druck. Alles andere – feiern, leben, Dinge ausprobieren – gehört irgendwie dazu. Aber dieser Zwang, ständig funktionieren zu müssen, das ist das Anstrengende.
Der Albrecht: Ein weiteres Thema, mit dem du dich viel beschäftigst, ist Religion und Spiritualität. Warum?
Beslik: Ich finde das einfach interessant. Religion, Mystik, solche Sachen. Ich gehe auch manchmal einfach in Kirchen, wenn ich zum Beispiel im Urlaub bin. Ich glaube nicht unbedingt an etwas Konkretes, aber mich interessiert diese Frage nach einem Sinn oder etwas Höherem. In diesem Zuge interessiert mich zum Beispiel der Absurdismus im Sinne von Camus – also die Idee, dass das Leben keinen objektiven Sinn hat, aber wir trotzdem weitermachen.
Der Albrecht: Beeinflusst das politische Weltgeschehen dein Schreiben?
Beslik: Früher mehr. Heute habe ich da mehr Abstand. Was mich eher nervt, ist diese Erwartung, dass man sich zu allem äußern muss – vor allem auf Social Media. Oft geht es dabei weniger um echte Veränderung, sondern mehr darum, sich moralisch besser zu fühlen. Und ich glaube nicht, dass das wirklich etwas verändert. Wenn man sich zum Beispiel die Black-Lives-Matter-Proteste anguckt: Was hat sich wirklich verändert? Es gab viele Bekundungen und Stellungnahmen auf Instagram, aber strukturell hat sich wenig verbessert. Es ist mir aber wichtig, in meinen Texten meine Gedanken dazu zu äußern, auch weil es dort nicht einfach untergeht in der Masse an Posts.
Der Albrecht: Hast du abschließend noch Empfehlungen für die Leser*innen – seien es Bücher, Songs oder anderes?
Beslik: Ich mag vor allem Sachen, die sprachlich oder atmosphärisch stark sind. Also nicht nur inhaltlich gut, sondern auch in der Art, wie sie geschrieben oder produziert sind. Bei Büchern haben mich zum Beispiel ›Reise ans Ende der Nacht‹ von Louis-Ferdinand Céline und ›Buddhas kleiner Finger‹ von Viktor Pelewin ziemlich beeindruckt. Musikalisch würde ich ›Calling My Spirit‹ von Kodak Black und ›Momma‹ von Kendrick Lamar empfehlen.
Der Albrecht: Danke für das Gespräch.
Beslik eröffnet seine Tour am 6. Mai 2026 um 20 Uhr in der Pumpe in Kiel. Tickets sind über die gängigen Vorverkaufsstellen erhältlich.
Bjarne studiert Sozio-Ökonomik an der CAU und ist seit dem Oktober 2024 beim ALBRECHT. Schwerpunktmäßig schreibt er über Kultur und Politik.



