Nach fünfjähriger Pause aufgrund von Sanierungsarbeiten öffnet das Kieler Konzerthaus am Schloss wieder seine Türen
Selten war der Begriff ›Punktlandung‹ wohl passender, um die Wiedereröffnung des Kieler Konzerthaus am Schloss zu beschreiben. An manchen Stellen des Gebäudes roch es am Eröffnungsabend, 10. Januar, noch nach Farbe. Der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) hoffte, dass alle ihren Platz gefunden haben, denn die Nummern seien erst am Tag vorher montiert worden. Nach einer fünfjährigen Sanierung mit Kostensteigerungen und Verzögerungen, die im Rahmen blieben, erstrahlt das Konzerthaus nun in neuem Glanz.
Wobei ›strahlen‹ hier nicht nur im übertragenden Sinne gemeint ist, denn die neuen Lichter im Konzertsaal erhellten am Gala-Abend nicht nur die Musiker*innen, sondern auch das Publikum so weit, dass eine gemütlich, schummrige Atmosphäre eher nicht aufkam. Dazu trugen auch die polarweißen Wände bei, die in ihrer Sterilität das einzige Manko in der ansonsten gelungenen Raumkonstruktion sind. Etwas mehr Farbe hätte hier gut getan, wie sie sich auch in den gülden dekorierten Oberrängen wiederfindet. Wobei solche Maßnahmen ja immer unter dem Vorbehalt stehen, dass der Denkmalschutz mitspielt. Auch im Foyer des Sechzigerjahre-Baus sucht man andere Töne außer grau/schwarz/weiß vergeblich – aber vielleicht wird ja das ein oder andere Kunstwerk noch aufgehängt.

Banddurchschnitt, Schlüsselübergabe, Reden und Musik
Dass die Landeshauptstadt Kiel wieder einen richtigen Konzertsaal hat, ist ein Grund zur Freude. Denn das Provisorium Wunderino Arena soll nach den Schilderungen regelmäßiger Gäste zwar klanglich solide, aber mit seinen Klappstühlen kein sonderlich bequemer Spielort gewesen sein. Das Konzerthaus ist nach der Sanierung unter der Leitung der Architektenbüros Gerkan, Mark und Partner aus Hamburg sowie bbp:architekten aus Kiel wieder ein Vorzeigeobjekt. Neben dem Konzertsaal als Herzstück verfügt das Konzerthaus am Schloss unter anderem eine neue Bar im Foyer, besondere Proberäume für die Musiker*innen und eine äußerst elegant in Schwarz gehaltene Bar mit Designermöbeln und Terrazzo-Boden, genannt Förde-Foyer. Von dort hat man Blick auf das, was Kiel als Stadt auszeichnet: die Werften am anderen Fördeufer.

Der Eröffnungsabend gestaltete sich derart, dass sich musikalische Stücke unter der Leitung von Georg Fritzsch mit Redebeiträgen – das erste Wort hatte Generalintendant Daniel Karasek – abwechselten. Und weil bei so einem großen Projekt viele Beteiligte involviert waren, kamen auf manche Musikeinlagen zwei Reden. Stadt, Land, Bund sowie private Spender: alle haben etwas zu den mehr als 47 Millionen Euro an Gesamtkosten beigetragen. Jede*r durfte seine*ihre Begeisterung über die Wiedereröffnung kundtun, wobei sich der Vorsitzende des Fördervereins Konzertsaal, Hendrik Murmann, von den eher konventionell und zum Teil austauschbar gehaltenen Politiker*innenreden absetzte und seine Freude authentisch und emphatisch in kurzen Sätzen ausrief.

Denn neben einem symbolischen Banddurchschnitt, einer symbolischen Schlüsselübergabe und den Würdigungen der wichtigsten an der Sanierung beteiligten Personen, gab es noch die fulminanten Einlagen des Philharmonischen Orchesters, unterstützt von Nachwuchsmusiker*innen aus den Akademien des Theaters, die in der feierlichen, dem Anlass mehr als angemessen, Kantate Carmina Burana von Carl Orff gipfelten. So endete der Abend in einem Fanal: Die Musik ist in das Konzerthaus zurückgekehrt.
Tore studiert Politikwissenschaft und Philosophie an der CAU. Schwerpunktmäßig schreibt er über Kultur und Politik.



