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Eine kühlbare Mülltonne für tote Möwenküken befindet sich seit April hinter Mensa II

Achtung: In diesem Artikel geht es um Tierkadaver

Die Möwenpopulation auf dem Dach von Mensa II hält Studierende und Personal weiterhin auf Trab. Wie in den Vorjahren bleibt auch in diesem Sommer ein großer Teil des Außenbereiches aus Hygienegründen gesperrt (wir berichteten). Eines hat sich allerdings geändert: Die Mensa ist seit April in Besitz einer Möwentonne. Es handelt sich dabei um eine gekühlte Mülltonne zur Aufbewahrung von Möwenkadavern.

Trauriger Anlass zur Neuanschaffung

Wegen Sanierungsarbeiten an der Zentralbibliothek sind die Möwen vor gut fünf Jahren selbstständig von ihrem alten Brutplatz auf dem Dach der Bibliothek auf die andere Straßenseite umgesiedelt. Seitdem nisten sie auf der Mensa an der Leibnizstraße. Eine Herausforderung für Mensapersonal, Studierende und Gebäudemanagement. Da die Möwen dauerhaft über dem Gebäude und den Eingängen kreisen, werden Besucher*innen und Mitarbeitende nicht selten beim Ein- und Ausgehen von Vogelkot getroffen. Zudem darf während der Brutzeit von April bis Juli das Dach der Mensa nicht betreten werden. Im gleichen Zeitraum sei es im letzten Jahr zu einer großen Menge toter Möwenküken gekommen, die im Umkreis der Mensa gefunden wurden, sagt Julian Schwardt vom Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH). Es wird angenommen, dass sie aus den Nestern oder vom Dach fallen. Im April dieses Jahres seien daher eine Mülltonne und ein Kühlschrank hinter der Mensa angeschafft worden, um Gestank und Verwesung der toten Küken vorzubeugen. 

Die kühlbare Tonne sei nicht eigens für die Küken entwickelt worden, sagt Frank Burmeister, stellvertretender Mensaleiter und Küchenchef der Mensa II. Gekühlte Mülltonnen, sogenannte Dranktonnen, gäbe es in vielen Gastronomiebetrieben, um den Verfall von Essensresten vor der Abfuhr zu verhindern. Dieses System sei hier übernommen worden. Wie häufig die Möwentonne in diesem Sommer verwendet und geleert werden muss, könne laut GMSH aber noch nicht gänzlich abgeschätzt werden. Man hoffe auf weniger Kükenkadaver als im letzten Jahr.

Hoffentlich wenig genutzt: Eine gekühlte Mülltonne unter anderem für tote Möwenküken © Fabienne Joswig

Rücksiedlung auf das Dach der Zentralbibliothek?

Berichten der Kieler Nachrichten zufolge ist eine Umsiedlung der Möwen geplant. Denkbar dafür wären entweder die Insel im Molfsee oder der ursprüngliche Brutplatz der Tiere, das Dach der Zentralbibliothek auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Laut Rüdiger Schütt, dem Pressereferenten der Universitätsbibliothek, befindet sich dort allerdings mittlerweile eine großflächige Photovoltaikanlage, die weder beschädigt noch verschmutzt werden sollte. Zudem stelle sich die Frage, ob eine Rücksiedlung das Problem wirklich lösen oder lediglich verlagern würde.

Professor Stefan Garthe, der am Forschungs- und Technologiezentrum Westküste tätig ist und das GMSH zu den Lachmöwen auf dem Mensadach berät, erklärt hingegen, dass neben den Photovoltaikanlagen genügend Platz für die Möwenkolonie bestehe. Hierfür müsse das Bibliotheksdach aber durch Begrünung oder Kiesschüttung aufgearbeitet werden. Auch die Insel im Molfsee bleibe als Option bestehen. »Die Arbeiten im Molfsee sollen dieses Jahr weitergeführt werden«, so Garthe. Dort sei es in diesem Jahr bereits zur Ansiedlung einer kleinen Lachmöwen-Kolonie gekommen, was die Chancen auf eine anteilige Umsiedlung der Mensa-Möwen deutlich verbessere. 

Fabienne ist seit 2026 die Chefredakteurin des ALBRECHTs.
Sie ist im WS 24/25 Teil der Redaktion geworden und hat sich vor der Chefredaktion ein Jahr lang um die Website gekümmert. In ihren Artikeln schreibt sie hauptsächlich über gesellschaftspolitische Themen, teilweise aber auch über Hochschulangelegenheiten. Außerdem studiert sie Politikwissenschaft und Anglistik.

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