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Autorin Janine Adomeit spricht über Schreibworkshops, Durchhaltevermögen und die Realität des Literaturbetriebs

Ein eigenes Buch schreiben – davon träumt laut einer Umfrage des Self-Publishing-Dienstleisters Book on Demand fast die Hälfte der Menschen in Deutschland. Doch nur ein Bruchteil meistert den Weg von der Idee zum Manuskript und letztendlich zur Veröffentlichung des eigenen Buchs. Die Flensburger Autorin Janine Adomeit bietet Manuskript-Mentoring und Schreibworkshops für Schreibinteressierte an, unter anderem im Literaturhaus Kiel. Sie hat mit mir über den Schreib- und Veröffentlichungsprozess gesprochen und erzählt, warum sich literarisches Schreiben auch ohne eine Buchveröffentlichung lohnt. 

Viele Ideen, wenig Handwerk 

Ganz unterschiedliche Menschen kommen zu Adomeits Schreibwerkstätten oder ihrem Manuskript-Mentoring. Einige Teilnehmende haben seit längerer Zeit ein angefangenes Manuskript in der Schublade liegen, andere haben bereits in einer früheren Lebensphase geschrieben und erst nach Jahren wieder zum Schreiben zurückgefunden. »Meistens sind das Menschen mit sehr vielen und sehr guten Ideen«, sagt sie. Zur Weiterentwicklung dieser Ideen fehle ihnen jedoch meist das passende Handwerkszeug.

Auch viele Studierende schreiben ständig, doch tun es trotz vorhandener Ideen selten literarisch. Neben Vorlesungen, Nebenjob und Prüfungen fehlt oft die Zeit und Motivation zum Schreiben. Außerdem ist Schreiben an der Universität überwiegend zweckorientiert und negativ behaftet. Hausarbeiten, Portfolios und Protokolle folgen festen Regeln, können belasten und lassen kaum Raum für Kreativität. Ebenso ist Unsicherheit bei Anfänger*innen ein ausschlaggebender Faktor, die Schreibpläne wieder zu verwerfen. 

Wie realistisch ist das eigene Buch? 

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. »Es gibt keine geheime Formel, mit der man das berechnen könnte«, sagt Adomeit. Könnte man vorhersagen, welche Bücher erfolgreich werden, würden sich sämtliche Agenturen und Verlage längst um diese Formel reißen. Es spiele immer Glück eine Rolle, aber natürlich auch handwerkliches Können. Dass Kontakte immer hilfreich sein können, bestreitet die Autorin nicht. Entscheidend sei dennoch die Qualität: »Wenn der Stoff, der Text, so überzeugend ist, dass dem Lektor oder der Lektorin alles um die Ohren fliegt, dann brauchst du keine Kontakte.« 

Gleichzeitig ist die Realität des Literaturbetriebs hart. Auf den Schreibtischen von Verlagen und Agenturen landen unzählige Manuskripte, die Konkurrenz sei groß. Oft entscheiden über die Wahrnehmung eines Textes außerdem Faktoren, die die Autor*innen selbst nicht beeinflussen können. Und selbst wenn ein*e Autor*in schon erfolgreich gewesen ist, könne es sein, dass in einigen Jahren gar nichts passiere. Die Branche sei ein reines Glücksrad. 

Dennoch lohne es sich, beim Schreiben dranzubleiben. Adomeit empfiehlt angehenden Autor*innen deshalb, einfach weiterzumachen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Zwar haben sie selbst und viele andere Autor*innen in ihrer Laufbahn feststellen müssen, dass die Absage die Regel sei, dennoch sollte man sich nicht entmutigen lassen. »Mach dein Ding und werde gut in dem, was nur du kannst«, rät sie am Ende des Interviews. 

Schreiben lohnt sich immer

Doch auch, wenn am Ende kein eigenes Buch veröffentlicht wird, sieht Adomeit im Schreiben einen Wert an sich. Schreiben sei eine Form der kreativen Auseinandersetzung mit den eigenen Gedanken und Gefühlen, die sich immer lohne. »Es kann einem Halt im Leben geben«, sagt sie. Dafür müsse der Text auch nicht veröffentlicht werden. 

Die eigentliche Attraktivität des literarischen Schreibens liegt vielleicht genau darin. Nicht jede Idee wird zu einem Roman und auch längst nicht jedes Manuskript findet Anklang in einem Verlag. Trotzdem bleibt das Schreiben für viele Menschen ein möglicher Raum zur Realitätsflucht und Beschäftigung mit den verschiedensten Geschichten. Oder, wie Janine Adomeit es auf den Punkt bringt: »Schreiben ist ein Marathon und kein Sprint. Das Schreiben ist wirklich eine Kunst, die sich über Jahre entwickelt.« Wer sich dieser Aufgabe widmet, braucht vor allem eines: Geduld. 

Informationen zu Janine Adomeits Workshops: https://janineadomeit.com/workshops/

Zukünftige Schreibwerkstätten im Literaturhaus Schleswig-Holstein: https://literaturhaus-sh.de/programm/kalender.html

Franka ist seit Januar 2026 Lektoratsleitung des ALBRECHTs und seit Oktober 2025 Teil der Redaktion. Sie studiert Deutsch und Anglistik im Master of Arts.

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