Ein kleines Gedankenexperiment: Wie würde die perfekte Bibliothek auf dem Campus aussehen? Es gibt eine Vielzahl an Antwortmöglichkeiten, von denen die meisten wahrscheinlich diese Punkte umfassen würden: Spannende Architektur, Nähe zur Mensa, lange Öffnungszeiten und genug Plätze. Fast wurde diese Traumvorstellung Realität. Die neue WiSo-Bib wurde Anfang dieses Semesters mit großem Tamtam eröffnet – die CAU investierte bislang rund zehn Millionen Euro in das Gebäude. Ein idealer Standort, architektonisch ein Blickfang und mit reichlich Glas verziert. Doch warum nur fast die Traumvorstellung? Einfache Antwort: Es fehlt an Sitzplätzen.
Während bei der Eröffnungsparty der Besucheransturm stark überschätzt wurde, scheint in der Bib selbst das Gegenteil passiert zu sein. Nette Gimmicks wie das Schwalbennest schaffen es nicht, den fehlenden Platz zu kaschieren. Es wird ausgewichen auf die Mathe-Bib. Doch auch die wird durch den umgeleiteten Besucherstrom voll. Wer hätte denn schon ahnen können, dass bei der Zusammenführung der Fachbibliotheken der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in optimaler Lage eine Übernachfrage entsteht. Doch warum drüber meckern? Sonst ist nämlich viel richtig gemacht worden. Die Modernisierung, unter anderem im Ausleihsystem und die innovative Herangehensweise an die Arbeitsplatzgestaltung verdienen großes Lob. Nur schade, dass es davon zu wenige gibt. Zukünftige Projekte sollten überlegen, ob lieber ein paar Arbeitsplätze zu viel als zu wenig sinnvoll sind.
Bjarne studiert Sozio-Ökonomik an der CAU und ist seit dem Oktober 2024 beim ALBRECHT. Schwerpunktmäßig schreibt er über Kultur und Politik.



