Großes Semesterkonzert der Universitätsmusik Kiel
Kein Platz im Konzerthaus am Schloss blieb frei. Eingeladen hatten das Collegium Musicum und der Universitätschor zu ihrem großen Semesterkonzert. Das Programm vom 31. Januar umfasste eine Auswahl an Werken aus dem 19. Jahrhundert, die sich mit dem Thema der Nacht beschäftigen. Geleitet wurde das unter Mendelssohn: WALPURGISNACHT stattfindende Konzert von Universitätsmusikdirektor Daniel Kirchmann gemeinsam mit Monica Mangwhana (Alt), Namkoo Kang (Tenor) und Jisung Lee (Bass). Die beiden Letzteren überzeugten bereits im Dezember bei La Bohème.
In der Werkauswahl spiegelte sich die ganze Bandbreite von Herangehensweisen an die Vertonung der nächtlichen Atmosphäre wider und führte schlüssig durch den Abend. Mit dabei waren Modest Mussorgskys sinfonische Dichtung Eine Nacht auf dem kahlen Berge, Johannes Brahms´ Schicksalslied und Gesang der Parzen sowie Felix Mendelssohns Die erste Walpurgisnacht.
Zwischen Ordnung und Ekstase
Insbesondere die Aufführung von Eine Nacht auf dem kahlen Berge überzeugte durchweg. Thematisch geht es um einen wilden Hexensabbat – stattfindend in der Nacht auf dem kahlen Berge. Das unheimliche Treffen der Hexen, bei dem sie mit dem Teufel paktieren und Rituale vollziehen, wird mit einer dämonischen, düsteren Klangsprache dargestellt, bei der immer wieder starke Kontraste ertönen. Rasante Tempi wechseln sich mit scharfen Rhythmen und bedrohlichen Klangballungen ab. Verkörpert wird hier das Unheimliche und Chaotische der Nacht.
Darüber hinaus bleibt Felix Mendelssohns Die erste Walpurgisnacht prägend im Ohr. Der Text der weltlichen Kantate stammt von Goethe. Inhaltlich wird der mittelalterliche Mythos der Walpurgisnacht aufgegriffen, jedoch mit einem aufklärerischen Blick umgedeutet. Mendelssohn folgt der Handlung von Goethe sehr genau, schafft es aber, sie musikalisch zu verstärken und bereichern. Selbst stark von Aufklärung und Humanismus geprägt, ist er in der Lage,seine Überzeugung musikalisch umzusetzen.
Über das Stück hinweg verschiebt sich die Klangfarbe zu immer helleren Tonarten. Das Bedrohliche und die Unterdrückung werden durch die Befreiung und Ordnung abgelöst. Dabei ist der Chor nicht nur Kulisse, sondern handelnde Kraft. Insgesamt wird Goethes Text nicht nur vertont, sondern vielmehr auch interpretiert. Die Wortakzente sind exakt gesetzt und die musikalischen Figuren spiegeln die semantischen Inhalte. Der Unterschied zu Mussorgskis Eine Nacht auf dem kahlen Berge ist die Sicht auf die Nacht als Übergang in einem Raum der Ordnung. Mussorgski beschreibt die Nacht als den Ausbruch des Unbewussten, des Chaos, der Ekstase.
Die Kraft des gemeinsamen Klangs
Über den Abend hinweg gelingt die Symbiose aus Orchester, Chor und den Solist*innen ausgezeichnet. So entstehen immer wieder Gänsehautmomente, etwa während der ersten Walpurgisnacht, wenn im Wechsel zwischen Solist*innen und der Chorempore vollbrünstig »Kommt, kommt, kommt mit Zacken und mit Gabeln« erschallt. Darüber hinaus überzeugt Universitätsmusikdirektor Daniel Kirchmann durch seine enorme Energie; mit vollem Körpereinsatz prägt er sichtbar das musikalische Geschehen.
Das Publikum belohnte die Aufführung und die anstrengende Vorbereitung aller Beteiligten mit lautstarken und andauernden stehenden Ovationen. Alles in allem war es ein gelungener Abend und ein würdiger Abschluss des Semesters. Gut gelaunt verlässt das Publikum das Konzerthaus in die mondverhangene Nacht.
Bjarne studiert Sozio-Ökonomik an der CAU und ist seit dem Oktober 2024 beim ALBRECHT. Schwerpunktmäßig schreibt er über Kultur und Politik.



