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Mittagszeit an der Uni: Tausende Studierende strömen in die Mensen, um sich schnell etwas zwischen die Kiefer zu schieben oder mit Freund*innen das neuste WG-Drama zu besprechen. Nach dem Mittagssnack und dem Spaßgetränk geht der Uni-Alltag weiter – es muss ja noch die Abgabe vorbereitet werden. Nur noch schnell das Tablett abgeben und los geht es. Doch was glitzert da so verlockend am Tellerrand? Ein kleiner Kaffeelöffel. Das Licht spiegelt sich so schön im Edelstahlgriff. Gab es nicht letztens wieder eine Löffeldürre in der WG, als niemand den Abwasch machen wollte? Mit einer Gabel musste der Pudding gegessen werden. Warum das kleine Besteckstück also nicht einstecken? Mensabesuch nach Mensabesuch gegen das eigene Löffelproblem.

Ein kleiner Löffel für die WG, eine große Nachbestellung für das Studentenwerk

So oder so ähnlich muss es ablaufen, wenn in der Mensa ein Besteckteil verschwindet. Genau kann das keiner sagen, denn in den seltensten Fällen bekommen das die Mitarbeiter*innen der Mensa mit. Stattdessen leeren sich die Bestände kontinuierlich, bis eingegriffen werden muss. »Wir machen keine regelmäßige Besteck- oder Geschirrinventur. Den Betriebsleitungen fällt einfach nach einer gewissen Zeit auf, dass der Bestand schwindet, und dann tätigen sie Nachbestellungen«, so Kerstin Klostermann, Pressesprecherin des Studentenwerk Schleswig-Holstein.

Rund 10.000 Euro Schaden richten die Besucher*innen in den schleswig-holsteinischen Mensen pro Jahr an. 6000 Besteckteile und rund 1500 Geschirrteile verschwinden in Büros, WG-Küchen oder zerschellen auf dem Boden. Beliebt für den Heimgebrauch sind Kaffee- und Esslöffel sowie Kaffeebecher. Auch Weck-Gläser, in denen der Nachtisch serviert wird, stehen auf der Sammelliste. 1500 Behälter gehen dem Studentenwerk pro Jahr flöten. Die Becher werden nur gegen einen Pfand herausgegeben. So entstehe zumindest bei den Weck-Gläsern kein wirtschaftlicher Schaden.

Prävention auf Pfandbasis

Wie also gegen die Löffel-Elstern vorgehen? Das Studentenwerk probierte es mit Ironie. »Bei der Kampagne ›Bedrohte Arten‹ haben wir versucht, es etwas witzig-ironisch aufzuziehen und haben für alle Gegenstände, die seinerzeit viel geklaut wurden, Steckbriefe gemacht«, so die Pressesprecherin. Einen großen Erfolg hätten die Kampagnen bisher noch nicht gehabt, so Klostermann weiter. Auch der Wechsel von der netten Ansprache mit Augenzwinkern zu einem ernsteren Ton habe nicht geholfen. Die Kampagne ›Sei kein Dieb‹ verlaufe ebenso im Sand. 

Bewährt habe sich ein Pfandsystem. An verschiedenen Standorten erhebt das Studentenwerk Pfand, um dem Klau vorzubeugen, erklärt Klostermann. Wenn die Aktion Wirkung zeige und sich die Situation wieder reguliert habe, werde der Pfand wieder aufgehoben, erklärt die Pressesprecherin. In Flensburg gilt das bei Auflaufschalen. In der Vergangenheit wurden in Kiel eine Zeit lang Gläser in der cUBar, Waffelteller in der Lounge I und Bowlschalen im Dockside bepfandet.

Wer lässt das auf sich sitzen?

Kuriose Diebstähle gab es selten. Bundesweit für Aufregung gesorgt hatte im Februar ein groß angelegter Diebstahl von Stühlen in Lübeck. 60 rustikal-abgesessene Holzstühle aus dem letzten Jahrhundert verschwanden über Nacht aus der Mensa. Auf fünf Euro pro Stuhl schätzten Polizei und Studentenwerk anfangs den Schaden. Erst kurz danach stellte sich heraus, dass die Stühle seit ihrer Anschaffung enorm im Wert gestiegen waren. 2022 erlebten die Stühle ein Comeback. Neu kostet einer rund 500 Euro, gebraucht auf Kleinanzeigen mindestens 200 Euro. Der Schaden stieg von einem niedrigen dreistelligen Betrag auf mutmaßlich über 10.000 Euro.Lübeck ist nicht der einzige Standort mit einer neugewonnenen Beinfreiheit. Unbekannte klauten auch in Oldenburg und Braunschweig die alteingesessenen Mensastühle. Diese seien bei der Beschaffung ein robuster, praktischer und günstiger Gebrauchsgegenstand gewesen, so Klostermann. Wie beim Rest des Mensabetriebes müsse das Studentenwerk ihrem Sozialauftrag hinterherkommen und preiswertes und hochwertiges Essen anbieten. Auf kostenintensive Ausstattung der Mensen werde verzichtet.

Stellv. Chefredakteur und Layouter

Joschka studiert seit dem Wintersemester 20/21 Soziologie und Politikwissenschaft und ist seit Ende 2022 Teil des Albrechtsteams. Dazu leitet er seit dem März 2023 das Layoutteam und ist seit Februar 2024 stellvertretende Chefredaktion.

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Ein Kommentar

  1. Hach ja, die Löffeldürre in der WG ist wohl bekannt! Wer braucht schon ein Löffelchen, wenn man eine Gabel zum Pudding essen kann, oder? Ich finds aber lustig, dass das Studentenwerk Schleswig-Holstein mit Steckbriefen für verschwundene Besteckteile reagiert hat – Ironie pur! Ebenfalls amüsiert mich das Pfandsystem für Gläser: Wer klaut schon 1500 Gläser, wenn man dafür einzahlen muss? Aber die Stuhldiebstähle in Lübeck waren ja wirklich ein Höhepunkt – 60 Stühle verschwunden, die dann plötzlich teurer waren als je zuvor! Wahrscheinlich haben die Diebe eine gute Handlung im Sinn gehabt und einfach eine neue Sitzgelegenheit für sich selbst geschaffen. Derlei Kuriositäten machen den Mensabesuch ja so besonders!

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