Früher war das Leben vor den Hörsälen in der Olshausenstraße einfach: Zwei große Parkplätze direkt am Campus, einer links, einer rechts. Ein Ort, an dem gestresste Studierende in letzter Minute noch einen Stellplatz fanden und sich mit quietschenden Reifen in die Vorlesung retteten. Doch die Hälfte dieses Areals wurde geopfert, für ein neues Universitätsgebäude. Irgendwie verständlich. Also theoretisch.
Praktisch sieht das anders aus: Die Parkplatzsuche gleicht einem Abenteuertrip, irgendwo zwischen Tetris im Real Life und Mario Kart. Zu spät zur Uni loszufahren, heißt, erst 20 Minuten auf dem Parkplatz herumzukurven und dann doch keine Lücke zu finden. Wer versucht, sein Auto auf kreative Weise unterzubringen, wird dann entweder von der Uni mit einem Zettel beglückt oder direkt verbannt. Welche Alternative bleibt den Studierenden, um sich hoch motiviert in die Uni zu bewegen? Für viele, die von weit weg herkommen, ist das Fahrrad absolut keine Option, die Busse sind sowieso immer überfüllt und sind wir doch mal ehrlich, auf die Deutsche Bahn kann man sich nicht verlassen oder muss einen Tag mehr zur Anreise einplanen. Vielleicht brauchen wir also keine neuen Regeln, sondern ein bisschen mehr Pragmatismus, ein flexibleres Verständnis von ›nicht ganz regelkonform‹? Oder einfach das Eingeständnis: Wer ein ganzes Parkgelände wegreißt, sollte nicht überrascht sein, wenn Studis plötzlich nicht mehr wissen, wohin mit sich und ihrem Auto. Aber erst mal bleiben nur zwei Optionen: früh aufstehen oder das Parken gleich als neues Pflichtmodul einführen.
Carolin ist 23 Jahre alt und studiert im Master an der Uni in Kiel Geographie und Philosophie auf Lehramt und Geschichte im Erweiterungsfach. Sie ist seit dem Sommersemester 2025 beim ALBRECHT.




Ein Kommentar
Puh, diesen „Klartext“ zu lesen ist schon echt harter Tobakk. Ich finde, dieser Artikel-Kommentar geht leider an den Fakten vorbei und ich persönlich finde, den kann mensch so -unkommentiert – nicht stehen lassen.
(1) Keine freien Parkplätze? Das stimmt nicht. Es gibt z. B. genau in der Mitte des Campus einen Parkplatz mit 400 oder 450 Parkplätzen, den die Uni für Studis und Beschäftigte angemietet hat, der nahezu vollkommen leer ist. Da stehen auch zur VL-Zeit nur eine Hand voll Autos, sonst nur von anliegenden Firmen. Von dort ist mensch in 10 Minuten zu Fuß an den Fakultätenblöcken in der einen und in 10 Minuten an Mensa 1, in der anderen Richtung. 10 Minuten zu Fuß ist doch zumutbar für alle able-bodied Menschen, oder? (alle anderen bekommen ja eh einen Parkausweis für auf dem Campus.) Oder ist das höchstens zumutbar 5 Minuten zu Fuß gehen? 3 Minuten gehen? Oder ist direkt aus dem Auto in den Hörsaal fallen schon das Maximale?
10 Minuten entspannt durch die frische Luft gehen – kaum anders, als auf den Bus warten und dann von der Bushaltestelle zum Hörsaal – Ich denke: Für 99% der Leute absolut zumutbar.
„Oh, da weiß doch kein Mensch von! Dass es da einen Parkplatz gibt“. Einfach googlen, die Uni gibt an, wo Parkplätze sind, er ist auf jedem Campusplan eingezeichnet. Sich nicht informieren und dann aufregen… Klingt hart: Aber selber Schuld.
(2) „Die Uni hat zu wenig Parkplätze“. Nein hat sie nicht. Die CAU muss 2.500 Parkplätze selber vorhalten. Das tut sie und hat, bevor all die neuen Gebäude gebaut wurden, sogar weitaus mehr vorgehalten, als sie musste – verrückt!
Darin sind nicht mal die Parkplätze an Straßen (wie die Olshausenstraße) einberechnet, weil das öffentlicher Raum ist. 2.500 Parkplätze sind übrigens weitaus mehr, als Studierende und Angestellte heutzutage überhaupt mit dem Auto kommen. Ein alter Stellplatzschlüssel, der nicht den aktuellen Anforderungen entspricht, sondern viel zu hoch angesetzt ist. Mit Blick auf die aktuellsten Zahlen von Verkehrs- und Mobilitätsverhalten an der CAU (plus perspektivisch Stadtbahn & Mobilitätsentwicklung) braucht es 1.500 bis max. 1.800 Parkplätze in der absoluten Spitze. Und es kommt nicht häufig vor, dass max. ~12.500 Studis (max. Anzahl an Studis zu einem Zeitpunkt auf dem Campus) und alle 3.500 Angestellten auf dem Campus sind (Stoßzeit zu Semesterbeginn).
(3) Es gibt nicht zu wenig Parkplätze an der CAU: Ein paar Zahlen & Fakten.
a) Auf der Olshausenstraße sind 50% der abgestellten PKW Dauerparker*innen. Die stehen da einfach immer.
b) Auf den Parkplätzen Richtung Klausbrook/Bremserskamp sind 1/3 bis 2/3 der CAU Stellplätze durch Anwohnende&Dauerparker*innen belegt.
c) Es gibt viele Angestellten und Studis, die 10 Minuten innerhalb Kiels mit dem Auto zur CAU fahren (übrigens meistens alleine im Auto). Nicht, weil nicht able-bodied oder weil sie keine Alternativen haben, sondern weil es bequem und einfach ist. Vom EOH mit dem Auto zum Campus Leibnizstraße: Wird gemacht. Alles schon mitbekommen.
d) Ich habe auch schon ein Gespräch im Bus mitgehört, wo ein Studi einem anderen erzählte, dass er gerade auf dem Weg zu seinem Auto an der CAU ist, was er dort dauerparkt, weil er keine Lust hat, in seinem Wohnquartier nach einem Parkplatz zu suchen. Die CAU als „Park & Ride“ für Autofahrende, die in Kiel wohnen.
Und all diese Autofahrenden nehmen denen die Parkplätze weg, die davon abhängig gemacht wurde, auf das Auto angewiesen zu sein (Rückbau ÖPNV, schlechte Anbindung, keine Radschnellwege ins Umland, etc.). Ich würde es sogar fast „etwas härter“ formulieren: Es sind andere Autofahrende, die aus Bequemlichkeit, Faulheit, Ignoranz und/oder Gleichgültigkeit allen anderen Autofarenden die Parkplätze wegnehmen, die davon abhängig gemacht wurden, mit dem Auto anzureisen.
Die Zahlen sind übrigens von klik/CAU Verwaltung.
(4) Zum Artikel: „ein flexibleres Verständnis von ›nicht ganz regelkonform‹ (Parken)“. Ja, lasst doch einfach mal die StVO an der CAU aussetzen. Warum Verkehrssicherheit und Co. als oberstes Ziel machen, wenn auch der Audimax Vorplatz oder die Fläche vor der Mensa II super als Parkplatz genutzt werden könnte. Oder die Wiesen hinter dem Sportforum oder an den Leibnizsstraßen-Seen. Super Ausblick für die Autos. Falschparken ist ja auch eigentlich okay – auf Gehwegen parken, lass mal ein Auge zudrücken. Nicht.
(5) Was wirklich „ein bisschen mehr Pragmatismus“ und eine Lösung wäre: Parkraum an der CAU bewirtschaften: Ein Euro pro Tag zum Parken für Immatrikulierte, für Angestellte zwei Euro, oder so. Wie wäre das? – vorher bezahlen, Berechtigung auf die CAU-Card, Schranke vor den Parkplatz, mit Berechtigung geht sie hoch. Schon sind alle weg, die einfach nur ihr Auto auf dem Campus dauerparken oder 10 Minuten mit dem PKW zur Uni fahren und anders kommen können, aber zu bequem/faul sind.
Für die, die wirklich mit dem Auto kommen müssen, wären so ultra viele Parkplätze frei. Hat übrigens auch die CAU Verwaltung erheben lassen – Das Bewirtschaften wäre der Hebel zum Lösen des Problems. Aber es kostet was: Für Unternehmen zum Bewirtschaften sind es zu wenig Stellplätze und ist deshalb nicht attraktiv genug. Wenn es die Uni selber macht, müsste sie eine oder zwei Personen einstellen, um Berechtigungen, das System usw. zu pflegen. Die Uni kann aber nicht einstellen, weil keine freien Planstellen und kein Geld.
Oder ein System ohne, dass Autofahrende Parkgebühren bezahlen und dann nach „Berechtigung“ parken dürfen. Also erhoben nach Entfernung zur CAU, Anbindung des Wohnortes an den ÖPNV, Anschluss an Radschnellwege, zukünftiger Anschluss an die Stadtbahn – wer da einen schlechten Score hat, darf kostenlos auf dem Campus parken. Dafür müsste aber auch eine/zwei Personen eingestellt werden… im Gegensatz zu „Autofahrende zahlen Parkgebühren“, könnte sich das aber nicht selber finanziell tragen, sondern alle an der CAU müssten Geld dafür geben (bzw. würde weniger zu Gute kommen), damit die Hand voll Leute mit dem Auto kostenlos parken können. Das wäre kein Versursacher*innenprinzip sondern eine Externalisierung von Kosten auf alle, selbst die, die nie mit dem Auto kommen. Weder wirtschaftlich noch gerecht.
Dass Parken was an Unis kostet/Parkraum an Unis bewirtschaftet wird, ist übrigens auch eher normal und nicht unüblich.
(6) Wie teuer sind eigentlich Parkplätze? Mensch rechnet so mit 8.000 bis 12.000 € pro Parkplatz (also Oberfläche, ganz normal, kein Parkhaus) – pi*Daumen also 10.000 € pro Stellplatz. Beim neuen Parkhaus an der Mensa 1 (10,8 Millionen Euro Kosten, 424 Parkplätze), kostet ein einziger Parkplatz somit knapp 25.500 € – ein einziger Parkplatz.
Was könnte mensch von diesem Geld für tolle Seminarräume bauen, Lern- & Arbeitsbereiche in den Institutsgebäuden, Sitzmöglichkeiten, Orte zum Treffen, Pause machen usw. – was das für ein geiler Campus sein könnte! Für zwei Parkplätze im Parkhaus Mensa I: 56.000 €… Vier Parkplätze: 112.000 Euro… 10 Parkplätze: 255.000 – eine fracking Viertel Millionen Euro – was mensch damit alles machen kann. Aber hey: Lieber kostenlos Parken! Und mehr Parken!
(7) Noch mal zu Zahlen: Studierende [insg. 27.500, max 12.500 auf Campus] kommen zu 9,3% (gutes Wetter) und 11,4% (schlechtes Wetter) mit dem Auto zur CAU – also eine*r von 10. Angestellte [insg. 3.500, max. auch weniger auf dem Campus] kommen zu 36,6% (gutes Wetter) und 42,10% (schlechtes Wetter) mit dem PKW zur CAU (Stand 2023, CAU/BMO)
(8) „Oder einfach das Eingeständnis: Wer ein ganzes Parkgelände wegreißt, sollte nicht überrascht sein, wenn Studis plötzlich nicht mehr wissen, wohin mit sich und ihrem Auto“ – warum wurde das eigentlich gemacht?
Ein großer Anteil der Gebäude an der CAU alt & zerfallen, sie sind abgängig, müssen weg, müssen neu, sind selten zu sanieren (Gegenbesipiel FakBlöcke, Sanierung im Bestand). Bioturm, Physikzentrum, Mensa II, Fakultätenblöcke (also nahezu alle auf dem unteren Campus). Auf dem oberen Campus ist es vor allem der Anger mit seinen sechs (Fakultäts-) Gebäuden. Beim Anger ging darum, dass die Gebäude wegmüssen, weil die Fassaden runterkommen. Da war damals eine sehr schnelle Lösung notwendig, weil sonst Gebäude & Institute geschlossen werden müssen, ohne Alternativen. Wäre doof für viele Studiengänge gewesen.. die dann nicht mehr hätten existieren können.
Parkplätze wurden für die Neubauten genommen, weil sie schnell bebaut werden können/dürfen, sie erschlossen sind und es natürlich Sinn ergibt, im Campus selbst Neubauten zu errichten, als Parkflächen bestehen zu lassen und außen dran (wo übrigens kein Platz wäre), Gebäude hinzupflanzen. Sowas höhlt ja auch einen Raum/ein Zentrum von Innen heraus aus.
Übrigens teils Parkflächen, die nur Zwischennutzung Parkflächen sind, weil diese eh vor langer Zeit als zukünftige Erweiterungsflächen gebaut wurden.
Mensch könnte sich ja auch freuen: Hey, wir bekommen neue Gebäude, Parken kann mensch weiterhin, mensch muss nur 3 Minuten weiter gehen, aber dafür ist der Campus schöner… oder mensch wünscht sich, dass alles Parkplatz sei und alle so maximal bequem für Autofahrende, dass der eigene, persönlich zustehende Parkplatz direkt vor dem Hörsaal/Insitutsgebäude sein muss.
Das geht zwar auf Kosten aller Angehörigen der CAU, weil es dann weniger Grün gibt, weil weniger Plätze und Co… aber „lebenswerter Campus“… das ist eh überholt – 10 Minuten zu Fuß vom Parkplatz zum Hörsaal: Das ist allen zuzutrauen, nur nicht Menschen, die mit dem Auto zur CAU anreisen.
Kleines Zitat am Ende von Johannes Rau: Die Bürger*innen müssen wissen, dass in unseren Städten [Anm. hier: auf dem Campus] weniger Autos nicht weniger, sondern mehr Lebensqualität bedeuten“ – und ja, auch Lebensqualität für Autofahrende.
(9) Campus für Menschen. Geld in Bildung, statt in Beton für Parkplätze – da muss mensch sich nämlich entscheiden. Oder: CAU-Parkplätze zu Wohnheimen: Menschen die auf dem Campus wohnen, brauchen nicht mit dem Auto kommen. Packste einen Supermarkt dazu, Veloroute10 ist angebunden, Bus-ÖPNV ist gut, Stadtbahn kommt auch… super genialer Standort. So viel Möglichkeiten, wenn mensch nicht das Auto als Prio Nr. 1 setzt und anderen Sachen Vorzug lässt.
Es gibt so vieles worüber mensch sich an der CAU aufregen kann – zu wenig Parkplätze, beschäftigt mensch sich tiefer damit, sind es in meinen Augen (und imho nach Faktenlage) nicht.