Schämt euch, Kieler Autofahrer*innen!
Die Parkplatzsituation an der Uni gleicht einem Abenteuertrip. Nicht, weil es nicht genug Plätze für Autos im Generellen gibt. Es gibt ein Parkhaus, mit 14 Stockwerken à jeweils ca. 25 Parkplätze. Einen großen Parkplatz an der Olshausenstraße und einen kleineren an der Leibnizstraße. Dann wäre da noch der Parkplatz an der Neufeldstraße, welcher kaum genutzt wird. Vielleicht wird er nicht genutzt, weil er zu weit weg ist und man im Dunkeln in den etwa zehn Minuten von Mensa I zum Parkplatz an circa fünf Laternen vorbeikommt. Es ist auch kein Abenteuertrip, nur weil es so viele Baustellen gibt. Oder, weil einige Radfahrer*innen mit einer sehr riskanten Fahrweise unterwegs sind.
Pendeln oder doch eher pilgern?
Die Parkplätze, die in nahezu ausreichender Anzahl vorhanden sind, sind um 12 Uhr alle belegt. Außer, es ist Freitag. Was besonders auffällig ist: es scheinen eine Menge Pendler*innen Gebrauch von den Parkmöglichkeiten zu machen. Wenn man aus Rendsburg-Eckernförde (RD), Segeberg (SE), Plön (PLÖ), Neumünster (NMS) oder sogar Hamburg (HH) kommt, ist es deutlich einfacher, das Auto und nicht die öffentlichen Verkehrsmittel zu nehmen. Wie unzuverlässig die Deutsche Bahn ist, muss hier nicht großartig ausgeführt werden. Für uns spezifisch sind der RE7 und der RE70 interessant, die regelmäßig Probleme machen. Dabei sollen sie Menschen von Hamburg, Pinneberg, Neumünster, Bordesholm und von weiteren Orten nach Kiel gebracht werden – vermutlich stammen unsere Pendler*innen noch von viel mehr Orten. 45 min Verspätung, 20 min Verspätung, manchmal ein Ausfall. Semesterticket hin oder her, es ist häufig einfacher und zuverlässiger, wenn man zum Autoschlüssel greift.
Kieler*innen im Dilemma
Ärgerlich für unsere Pendler*innen ist es, wenn Kieler Kennzeichen in einer nicht zu unterschätzenden Menge auf den Parkplätzen auftreten. Okay – in Kiel gibt es Radwege, die schlecht ausgebaut und Busse, die zu Stoßzeiten massiv überfüllt sind. Verständnis kommt auch allen Menschen zu, die aus Dietrichsdorf oder Mettenhof zur Uni kommen. Oder vielleicht aus physischen oder psychischen Gründen nicht in Busse oder auf das Rad steigen.
Trotzdem fällt auf: viele der Autos stehen dort auch noch zu später Stunde. Über mehrere Tage, manchmal auch über Wochen. Hier ein paar (unbestätigte) Vermutungen, woher die dauerhaft parkenden Autos stammen: erstens, in Wohnvierteln wie im Südfriedhof herrscht Parkplatznot und häufig musst du für einen Parkplatz an deiner Wohnung extra Miete zahlen. Außerdem ist zweitens, die Stadt Kiel sehr großzügig, was Strafzettel ausstellen angeht. Wer einmal im Parkverbot oder nicht vernünftig im Parkplatz Rahmen steht, darf in manchen Vierteln von Kiel mit einem Abschleppwagen rechnen, den man bezahlen muss. Oder drittens, die Personen gehören gar nicht zur Uni, sondern sind vielleicht Anwohner*innen oder ähnliches, aus dem näheren Umfeld der Uni.
Mehr Parkflächen?
Was häufig auch Thema ist, wenn über das Pendeln gesprochen wird, ist die Wohnungssuche in Kiel. Ist ein Wohnheim Platz wirklich 800 € Wert? Ist ein kalter Quadratmeter in Kiel wirklich fast 10 € Wert? Wenn man nicht über ›Vitamin B‹ (Bekannte), verfügt, die beispielsweise in einer Wohnungsgesellschaft oder einem Wohnheim an der richtigen Stelle arbeiten oder wissen, wann irgendwo ein WG-Zimmer frei wird, scheint es fast unmöglich, für durchschnittliche Studierende einen Wohnsitz in Kiel zu finden. Es ist ein Teufelskreis, aus dem ein Entkommen kaum möglich scheint: wird das Geld für Parkplätze ausgegeben, ist kein Geld für Wohnungen da. Wird das Geld für Wohnheime ausgegeben, sind Pendler*innen weiterhin aufgeschmissen. Die Parkplatz-Panik bleibt erst einmal bestehen und es liegt an derzeitigen Pendler*innen und Kieler*innen, vernünftig aufeinander einzugehen.
Svea studiert Geschichte und Politikwissenschaft im Profil Fachergänzung und ist seit November 2023 Teil des ALBRECHTs. Seit Januar 2024 übernimmt sie die Leitung für den Gesellschaftsteil und nebenbei unterstützt sie das Social Media Team. Neben Texten über aktuelle Politik, schreibt sie auch sehr gerne über historische oder tierrechtliche Themen.



