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Senat zieht Konsequenzen aus Gerichtsurteil

Die Wahl zur neuen Präsident*in der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist ins Stocken geraten und hat sich längst zu einem hochschulpolitischen Streitfall entwickelt. Nachdem das Verwaltungsgericht Schleswig dem Verfahren im Juni gravierende Mängel bescheinigte und die bereits eingeleitete Wahl stoppte, zog der Senat der Universität Konsequenzen. Statt in Berufung zu gehen, beschloss das Gremium, das Verfahren grundlegend zu überarbeiten und zu verbessern. Der zentrale Kritikpunkt des Gerichts: Die Findungskommission hatte mit Insa Theesfeld lediglich eine einzige Kandidatin zur Wahl gestellt, obwohl laut Grundordnung mindestens zwei Vorschläge erforderlich gewesen wären. Auch die Dokumentation der Auswahlprozesse wurde als lückenhaft und nicht nachvollziehbar eingestuft.

Am gestrigen Mittwoch fiel im Senat die wegweisende Entscheidung: Das gesamte Verfahren wird neu aufgerollt. Einer offiziellen Stellungnahme der Universität zu Folge, wird das laufende Verfahren abgebrochen. Eine neue Findungskommission soll eingesetzt, das Bewerbungsverfahren erneut eröffnet werden. „Die Neuausschreibung soll das Feld an qualifizierten Bewerber*innen bereichern. Ziel ist ein transparentes und rechtssicheres Verfahren, bei dem die bisherigen Bewerber*innen eingeladen sind, erneut teilzunehmen“, heißt es in der Stellungnahme. Wer sich nach dem juristischen Rückschlag und dem öffentlichen Hin und Her erneut zur Wahl stellen wird, ist unklar und könnte zum entscheidenden Faktor in einem inzwischen hochsensiblen Verfahren werden.

Der Vorstand des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) gibt in einem Statement, das dem ALBRECHT vorliegt, an, er wolle den weiteren Prozess aufmerksam und konstruktiv begleiten. „Wir bekräftigen auch hier wieder, dass wir Lutz Kipps Klage für unverantwortlich halten und uns bereits jetzt dagegen aussprechen, dass er Präsident dieser Uni wird“, sagen Lea-Marie Lopau, Lukas Drescher und Fritz Herkenhoff. Die Vertreter*innen der Studierendenschaft hätte der Ex-CAU-Präsident bei einer Aufrechterhaltung seiner Kandidatur also nicht hinter sich.

Klar ist: Die Leitungssuche an Schleswig-Holsteins größter Hochschule geht in eine neue Runde – unter strenger Beobachtung und mit wachsendem Druck, diesmal ein transparentes und satzungskonformes Verfahren sicherzustellen.

Finn war von Februar 2024 bis Januar 2026 Chefredakteur des ALBRECHTs. Zuvor hatte er ein Jahr lang das Kulturressort geleitet. Für unser Blatt saß er häufig in der Oper, im Theater oder im Konzertsaal. Er hat Englisch und Geographie auf Lehramt studiert und war im WiSe 22/23 der Redaktion beigetreten.

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