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Die Caprisonnen über die aktuellen Bezüge ihres Stücks und Steine im Weg der Produktion

Die Theatergruppe Caprisonnen hat Maxim Gorkis Stück Kinder der Sonne in Zusammenarbeit mit dem Studentenwerk SH inszeniert. Mit uns sprachen die Regie Nemi; Cara, die Haushälterin Antonowna und Henriette, die Hausherrin Jelena, über die Probleme beim Proben, Teambuilding im Ensemble und die aktuellen Bezüge des über 100 Jahre alten Stücks.

DER ALBRECHT: Eure Gruppe heißt Caprisonnen. Woher kommt der Name?

Nemi: Es wurden unterschiedliche Vorschläge eingereicht und letztlich für diesen abgestimmt. Heimlicher Sieger der Herzen war aber auch Sauer-Gorkis.

In eurem Programm steht, dass Kinder der Sonne von Maxim Gorki heutzutage aktueller denn je ist. Welche aktuellen Parallelen habt ihr gesehen?

N: Es ist auf jeden Fall nicht mehr das Original. Gorki durfte damals vieles nicht sagen, was wir heute dürfen, und das hat uns gereizt. Beispielsweise gibt es im Stück Aufstände unter der Bevölkerung. Gorki bezog sich eigentlich auf den Petersburger Blutsonntag 1905, durfte dies jedoch nicht so schreiben und deshalb sind es im Original Cholera-Aufstände geworden. Wir haben es wieder als das benannt, was es ist: Arbeiteraufstände. Außerdem haben wir mindestens zwei Szenen hinzugefügt, die die Perspektive der Arbeitenden noch mehr beleuchten. 

Die Hausherren in dem Stück setzen sich viel mit Wissenschaft und Kunst auseinander. Ist das vielleicht gerade im universitären Kontext Teil eures Appells ans Publikum?

Henriette: Ich glaube schon, dass es da mit hineinspielt. Viele Menschen, die aus eher finanziell schwächeren Familien kommen, landen dann in Ausbildungsberufen, weil sie von Lehrkräften beispielsweise nur eine Real- oder Hauptschulempfehlung bekommen. Das wandelt sich auch, aber Studieren ist immer noch ein sehr elitäres System.

Cara: Ich glaube, das ist gerade hier an der Uni mit der Exzellenz-Thematik und der Vollversammlung vor Kurzem auch Thema. Einer der Gründe, warum ich in Kiel studiert habe, war der 200-Euro-Beitrag. Und jetzt führen wir hier Leute herum, die sich angucken wollen, ob die CAU zu einer Exzellenzuni wird, und eigentlich ist es egal, wie es den Studierenden damit geht. Das ist auch das Schöne an unserem Stück, dass jeder und jede sich was herausziehen kann. Es gibt viele Charaktere und für jeden etwas, das einen zum Nachdenken anregt oder helfen kann.

N: An einer Stelle sagt Pawel: »Ich kenne den schon lange. Ich war mit ihm erst auf dem Gymnasium und dann an der Universität.«Dabei zieht er sich die Krawatte zurecht und fühlt sich schon sehr geil. Er fühlt sich als Naturwissenschaftler wiederum aber auch besser als die von der Kunstuni. Außerdem verstecken die Akademiker sich immer in Büchern. Immer wenn sie nicht mit jemand anderem reden wollen, hat irgendjemand ein Buch und guckt da rein. Sie verstehen das Akademische alles, aber sehen nicht, was vor ihnen abgeht. Checken nicht, dass der andere in sie verknallt ist oder dass die Frau unglücklich ist und so weiter. 

Ein Stück über zwei Stunden Lauflänge als reine Studi-Produktion muss ein Kraftakt gewesen sein. Wie lange habt ihr geprobt? 

N: Die Castings waren im Dezember und dann hat das Ensemble die Zusage als Weihnachtsgeschenk bekommen. 

C: Es wurde uns aber von Anfang an gesagt, dass es viel wird, und das war es insbesondere ab Februar dann auch. Wir hatten eine Teambuilding-Veranstaltung am Anfang und haben alle Produktionsbereiche kennengelernt. Dadurch hat man schnell eine gute und enge Beziehung zueinander aufgebaut, weil du dir auf der Bühne auch vertrauen musst. Es war aber wirklich eine gute Abwechslung zum Alltag. Wir haben manchmal gesagt, dass die Proben sich wie eine lange Klassenfahrt anfühlen. 

Ursprünglich sollten ja alle Proben und Vorführungen in der Mensa I stattfinden. Warum wart ihr jetzt im Audimax für die ersten Aufführungen?

N: Wie viel Zeit hast du für die Geschichte? (lacht) Eigentlich haben wir im großen Saal der Mensa I geprobt, was auch schon eine mehr oder weniger improvisierte Bühne ist, seit es den Sechseck-Bau nicht mehr gibt. Dort konnten wir dann aber wegen Brandschutzproblemen nicht bleiben und haben uns mit der Unterstützung vom Studentenwerk was Neues gesucht. Am Anfang haben wir uns einfach in irgendwelche freien Seminarräume geschlichen und durften dann irgendwann in den Container LMS 11a. Das Gute, was daraus entstanden ist, war aber, dass wir mittlerweile eine Hochschulgruppe, die TuCKI’s, gegründet haben und so mehr Handlungsmacht hatten. Ins Audimax sind wir dann auch relativ kurzfristig gekommen und haben dann zwischen Vorlesungen geprobt. Dieses Hin und Her hat die Gruppe aber sehr zusammengeschweißt – trotz oder vielleicht gerade wegen der Ausnahmesituation.

Gibt es Pläne für zukünftige Produktionen?

N: Es soll auf jeden Fall ein Wintermärchen beziehungsweise eine Winterproduktion geben. Da steht noch nicht fest, wer die macht. Wenn du Bock hast, mach! Es braucht immer Leute im Produktionsteam. Ich werde nicht direkt bei der nächsten Produktion nochmal die Regie stellen, aber vielleicht konnte ich ja auch Leute aus dem Ensemble dafür begeistern. 

C: Ja, vielleicht könnte ich mir Regie vorstellen. Aber auch erst später, wenn sich die Produktionsumstände etwas beruhigt haben.

Kinder der Sonne wird im Großen Saal der Mensa I des Studentenwerks SH am 23.06. um 19 Uhr aufgeführt.

Überarbeitete Version des Artikels vom 11.07.2026.

Lilja studiert Medienwissenschaften und Deutsch im Master an der CAU, ist seit dem Oktober 2025 beim ALBRECHT und leitet die Website. Schwerpunktmäßig schreibt sie über Film und Popkultur.

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