Wie schmeckt eigentlich Ostseewasser? Warum treiben Algen an der Oberfläche? Und was lebt direkt vor unserer Haustür in der Kieler Förde? Antworten auf diese Fragen gibt es nicht im Klassenzimmer, sondern mit Neoprenanzug und Schnorchel beim Umweltbildungsprojekt Snorkeling.City.

Im Jahr 2023 begannen die Umweltwissenschaftlerin Miriam Hansen und der Meeresbiologe Dr. Mark Lenz vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel mit der Planung eines besonderen Projekts. Ein Jahr später startete die Pilotphase unter ihrer gemeinsamen Leitung. 2025 übernahm Dr. Henry Göhlich, damals als Trainer bei Snorkeling.City tätig, die Projektleitung von Hansen. Nach der erfolgreichen Pilotphase ermöglichte das Projekt im Sommer 2025 rund 400 Schüler*innen aus Kiel, Preetz, Neumünster und Hamburg, die Unterwasserwelt der Ostsee hautnah zu erleben. Vom 30. Mai bis 4. Juli stiegen sie, begleitet von Studierenden und Projektleiter*innen, direkt von der Seebadeanstalt Düsternbrook in die Förde. Ihr Ziel: Ein Perspektivwechsel durch Erleben. Denn »nur was wir kennen, wollen wir schützen«, so Lenz.
Ich wollte herausfinden, ob das stimmt: Führt der Blick unter die Wasseroberfläche zum Meeresschutz? Um diese Frage zu beantworten, habe ich das Projekt und eine Schulklasse für einen Tag begleitet.
Zwischen Seegras, Seesternen und Seenadeln

Bevor es ins Wasser geht, gibt es eine Einführung: Göhlich erklärt, dass die Ostsee ein junges Binnenmeer ist. Nur etwa 12.000 Jahre alt, ohne nennenswerte Gezeiten, dafür aber mit einem empfindlichen Gleichgewicht. Nährstoffeinträge durch Landwirtschaft und Plastikmüll setzen das Ökosystem zunehmend unter Druck. Die Schüler*innen hören aufmerksam zu, raten, wie viel Salz in einem Liter Ostseewasser steckt (etwa 15 Gramm) und probieren das nachgemachte Salzwasser sogar selbst: »Ganz schön salzig!«
Danach stellt Göhlich typische Bewohner*innen der Kieler Förde vor. Etwa verschiedene Algenarten wie den Blasentang, der mithilfe luftgefüllter Blasen an der Oberfläche bleibt, um ausreichend Sonnenlicht zu erhalten. Grüne, braune und rote Algen gehören ebenso dazu, wie Strandkrabben, Miesmuscheln und Seenadeln, die mit dem Seepferdchen verwandt sind. Besonders eindrucksvoll: Seegras, eine Pflanze, die ursprünglich vom Land stammt und über Jahrmillionen ins Meer zurückkehrte. Sie schützt die Küste, bietet Lebensraum und steht symbolisch für ein empfindliches, unterschätztes Ökosystem.
Die Wirkung des Meeres

Dann wird es ernst. Anzug an, Maske auf, Schnorchel rein und ab ins Wasser. Viele Schüler*innen bleiben zunächst im seichten Bereich, andere tauchen tiefer ein – wortwörtlich. Wer sich in die Seegraswiese wagt, wird mit faszinierenden Einblicken belohnt: Muscheln, Quallen und Seesterne begegnen ihnen. Aber auch im sandigen Stehbereich gibt es viel zu sehen, kleine Fischschwärme, Krabben und sogar eine Scholle tummeln sich am Meeresboden. Nach und nach überwinden auch die Zögerlichen ihre Unsicherheit. Sobald die Masken aufgesetzt sind, wird es still unter den Kindern, ein Fokus entsteht. Es war ersichtlich, dass das Meer eine Ruhe in die Teilnehmenden brachte.
Viele Hände für eine Vision
Göhlich und Lenz verfolgen eine klare Vision: »Jedes Kind an der Ostseeküste soll einmal die Unterwasserwelt erleben dürfen.« Damit das Realität wird, braucht es langfristige Unterstützung – sowohl finanziell als auch personell. Gefördert wird Snorkeling.City derzeit von Pro Ocean, der BINGO! Umweltlotterie und Alumni und Freunde der CAU Kiel e.V.. Die Schnorchelausrüstung stellen das BUND-Umwelthaus in Neustadt, der BUND SH und die Tourismusagentur Lübecker Bucht bereit. Gemeinsam mit vielen weiteren Partner*innen ermöglichen sie, dass Umweltbildung buchstäblich unter die Oberfläche geht.

Bildung, die bleibt
Begleitet werden die Gruppen von ehrenamtlich geschulten Studierenden der CAU und des GEOMAR, viele von ihnen engagieren sich aus persönlicher Überzeugung für den Meeresschutz. Schnorcheln bedeutet mehr als nur Naturerfahrung. Es ist auch eine Übung in Vertrauen, gegenseitiger Unterstützung und Körperwahrnehmung.
In den Rückmeldungen der Schüler*innen heißt es: »Ich habe gelernt, dass man die Ostsee schützen muss.« Für Göhlich und das Team von Snorkeling.City ist genau das ein Erfolg. Ich habe meine persönliche Antwort gefunden: Der Einblick in die magische Unterwasserwelt der Kieler Förde ändert den Blick. Wer einmal abgetaucht ist, will das Meer schützen.
Wer Lust hat, sich für den Meeresschutz und Umweltbildung einzusetzen und als Studierende*r beim Projekt mitzuarbeiten oder sich zu engagieren, kann sich unter snorkelingcity@ocean-summit.de oder über Instagram: @Snorkeling.City melden.
Isabella studiert seit dem Wintersemester 23/24 Sportwissenschaft im Master. Seit dem Sommersemester 2024 ist sie beim ALBRECHT.



