Möwen auf dem Campus im Sommersemester
Acht Jahre ist es nun her, dass Extra 3 einen knapp dreiminütigen Beitrag in ihrer Kategorie »Realer Irsinn« über die Möwen an unserem Campus veröffentlicht hat. Mit viel Ironie wurden die »Vergrämungsmaßnahmen« gegen die Möwen vorgestellt: ein Rasenmähroboter, geschmückt mit Baustellen-Absperrband, der über eines der Dächer der Leibnizstraße fährt und ein Plastikvogel, der an einem Seil befestigt ist und durch den Wind in Bewegung kommen soll. Schon damals hat Uwe Pfründer vom Gebäudemanagement schmunzelnd von den Maßnahmen berichtet. Wahrscheinlich wusste er, dass diese Maßnahmen sehr ineffizient sind. In einem Video von WE ARE CAU aus dem April diesen Jahres erzählt er, die »maßgeblichen Vergrämungsmaßnahmen« bestünden aus den Baustellen, die es jetzt an der Uni gäbe. Die Möwen hielten sich jetzt weniger dort auf, wo die Baustellen sind.
Möwenmist statt Schneeflocken
Die Möwen, die bei uns vornehmlich am unteren Campus, also bei der Bibliothek und der Mensa II nisten, kommen jedes Jahr wieder. Sie gelten als die größte Lachmöwen-Kolonie an der Ostsee. Viele Möwen machen viel Mist: Jede*r von uns hat schon einmal den platschenden Möwenmist-Regen mitbekommen. Einige wurden auch schon getroffen. Die Fassaden auf jeden Fall: Der Preis der Reinigung der Leibnizstraße liegt pro Gebäude in einer Spanne von 30.000 bis 70.000 Euro. Neben dem ganzen Möwenkot liegen hier und da aber auch Kadaver oder Teile der Möwenkörper auf dem Gelände herum. Das Ganze ist nicht nur unfassbar unangenehm, sondern kann auch unhygienisch sein. Im Letzten Jahr sollte man die Bänke draußen nicht mehr zum Essen nutzen, so erst die Empfehlung des Gesundheitsamts. Schließlich wurde der Außenbereich von Mensa II gesperrt. Grundlage war die Angst vor Übertragung von Salmonellen durch die Tiere beziehungsweise durch Möwenmist.
Salmonellen werden jedoch nicht durch die Luft übertragen. Sie können sich zwar in Staub und Dreck absetzen und eingeatmet werden, aber um wirklich krank zu werden, wäre das eine zu geringe Menge. Der Hauptübertragungsweg von Salmonellen ist der Verzehr von Lebensmitteln, die damit kontaminiert sind, also beispielsweise Eier, Geflügel oder Fleisch. Um durch die Möwen am Campus schwer mit Salmonellen infiziert zu werden, müssten ihre Fäkalien im Essen landen und dann gegessen werden.
Schlaue Möwen gehen zur Uni
Achtung: Hier wird im zweiten Absatz von Möwen gesprochen, die von Menschen ermordet wurden!
Der Aufenthalt der Möwen an unserem Campus ist nichts Neues und auch nicht ungewöhnlich. Schon seit Jahrzehnten kommen die Möwen zu uns, um hier zu nisten. Denn auch wenn es erst mal nicht so scheint, sind Möwen sehr schlaue und anpassungsfähige Tiere. Mit zunehmender Anzahl von Uni-Flachdächern haben sie sich von Küsten und Dünen verabschiedet und kommen an den Campus. Denn auf den Dächern sind ihre Brutplätze geschützt vor ihren Feinden, wie Füchsen und Mardern. Ungefähr von April bis Juli ist Brutzeit der Möwen und für diese Zeit haben sie sich die CAU als besonders geeigneten Nistplatz erwählt. In der Brutzeit dürfen die Möwen nicht vertrieben werden, denn dann stehen sie unter Schutz.
Der Rasenmähroboter und der Plastikfalke waren nicht die ersten Maßnahmen von Seiten der Uni gegen die Möwen. Davor wurde versucht, Drähte und Netze zu spannen, um die Möwen vom Nisten abzuhalten. Doch sie blieben in den Netzen hängen und verstarben, sie erstickten oder verhungerten.
Im Jahr 2009 kam es zu einem Vorfall, der bis heute nicht geklärt wurde. Unbekannte verschafften sich in der Nacht Zugang zum Dach der Zentralbibliothek, auf der die Möwen damals nisteten, wie heute auf der Mensa. Sie erschlugen 20 der noch flugunfähigen Jungmöwen, in dem sie die Köpfe mit einem Gegenstand zertrümmerten. Bei einer Untersuchung der toten Tiere wurden festgestellt, dass einige Tiere schon länger tot waren als andere, was darauf hindeutete, dass mindestens zwei Mal eine solche Aktion stattgefunden hat. Ein Zugang zum Dach ist nur mit einem Schlüssel der UB möglich.
Möwenfeindliche Dächer
Sie weiterhin als »Problem« darzustellen und aktiv Maßnahmen gegen die Möwen zu treffen, klappt bisher sehr schlecht als Mittel zur Vertreibung. Der untere Campus wird aber gerade umgebaut und im Gespräch mit WE ARE CAU davon, die Dächer besonders Möwen-unfreundlich zu gestalten, sie etwa als Grünfläche zu konzipieren. Außerdem ist die Rede vom Aufbau von Brutplätzen, die weiter weg vom Campus, zumindest von Mensa, Büro- und Seminarräumen sind. Ob das wirklich passiert und ob das die Tiere vom Campus fernhalten wird, ist noch ungewiss. Erstmal gilt: Die Möwen sind am Campus. Sie zahlen keine Semestergebühr und sind mehr an der Uni als manche Student*innen, aber das tun sie ohne böse Absichten. Sie haben sich nicht dafür entschieden, uns besonders stark zu nerven, sondern dafür, in Sicherheit ihre Kinder aufzuziehen. Falls ihr auf verletzte oder tote Tiere treffen solltet, wendet euch unbedingt an die Hauptpforte.
Svea studiert Geschichte und Politikwissenschaft im Profil Fachergänzung und ist seit November 2023 Teil des ALBRECHTs. Seit Januar 2024 übernimmt sie die Leitung für den Gesellschaftsteil und nebenbei unterstützt sie das Social Media Team. Neben Texten über aktuelle Politik, schreibt sie auch sehr gerne über historische oder tierrechtliche Themen.



