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Wie das Green Office um die (eigene) Zukunft kämpft

Auf dem Campus sind im Oktober 310 Quadratmeter frisch bepflanzte Blühfläche als Wohlfühlort für Insekten entstanden. »Es ist unfassbar komplex, so etwas zu machen«, sagt Cedric Kähler, einer der fünf studentischen Mitarbeitenden des Green Office der CAU, die mit jeweils sechs Arbeitsstunden pro Woche angestellt sind. »Gerade auch weil hier an der Uni Denkmalschutz ein ganz großes Thema ist. Da muss man viele Dinge mitdenken. Und wie es in der Verwaltung so ist, dreht sich dort alles ein bisschen langsamer«. Hinter diesem Projekt des Green Office stecke gut ein Jahr Planung. In dem Büro für Nachhaltigkeit liegt die Hauptverantwortung bei den Studierenden, unterstützt werden sie von Projektkoordinatorin Helena Fechner.

Zwischen Blühflächen und auslaufenden Verträgen

Das Green Office ist seit 2023 eine zentrale Anlaufstelle für Nachhaltigkeit an der CAU. Im ersten Jahr sei das Team damit beschäftigt gewesen, Netzwerke und Strukturen aufzubauen. »Dann hatten wir ein halbes Jahr bis Jahr Zeit, um erste Projekte zu realisieren. Jetzt aktuell sind wir damit beschäftigt, dass wir als Projekt nicht auslaufen«, so Kähler. Die Finanzierung des Green Offic endet im September nächsten Jahres. Ob es darüber hinaus eine Zukunft hat, werde im Präsidium der CAU festgelegt und hänge laut Helena Fechner von der finanziellen Ressourcenplanung ab.

Die Mitarbeitenden des studentischen Nachhaltigkeitsbüros wünschen sich eine Verstetigung. Der regelmäßige Kampf um die eigene Finanzierung binde viele Arbeitsstunden und erschwere es, die eigenen Projekte umzusetzen, von denen viele langfristige Planung erfordern. Eines dieser Projekte habe bereits über den Fonds für Lehrinnovation der CAU finanziert werden können und werde im Sommersemester stattfinden: Die Ringvorlesung Erbe Meer, die Nachhaltigkeit interdisziplinär behandelt. Diese Perspektive ist dem Green Office wichtig, denn sie erleichtere es, Nachhaltigkeit ins eigene Denken und Handeln und in die eigene Arbeitswelt zu integrieren.

Gegenwind und Hürden auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft

Es scheint, als habe sich der große Aufschwung der Klimagerechtigkeit, der 2019 mit dem Erfolg von Fridays for Future zu beobachten war, umgedreht. Auch das Green Office bemerkt laut Kähler, dass Nachhaltigkeit mittlerweile oft negativ konnotiert ist: »Das ist dann ein bisschen Gegenwind, den man verspürt. Gerade wenn es um Abstimmungen im Studierendenparlament geht, ist das ein kleiner Dämpfer, wenn man ein, zwei Parteien hat, die sich aus ideologischen Gründen gegen ein Nachhaltigkeitsbüro aussprechen.« Beim Thema Finanzen sei diese Entwicklung ebenfalls bemerkbar, insbesondere wenn Gelder knapp sind. »Nachhaltigkeit wird da häufig als optional betrachtet, als Einsparpotential. Genauso wie Bildung. Da sind die 60 Euro Verwaltungsgebühr, wie sie genannt wird, auch ein ganz großes Thema für uns«, so Kähler. Denn steigende Kosten für Bildung zu Lasten der Studierenden seien nicht mit sozialer Nachhaltigkeit vereinbar.

Statt die Arbeitszeit in konkrete Klimaschutzprojekte zu investieren, muss das Green Office nun begründen, warum es in Zukunft bestehen sollte. Dafür habe das Team ein 30-seitiges Verstetigungspapier erarbeitet, in dem es auf Projekte, Errungenschaften und ihre Zukunft eingeht. Dass Nachhaltigkeit an der Uni einen Platz haben muss, ist für Kähler klar: »Im Klimawandel drängt die Zeit sehr. Und für uns ist auch sicher, dass man da keine Option hat, das jetzt langsam anzugehen. Das muss einfach passieren.« Dazu gehöre für das Green Office auch die soziale Perspektive. Studentisches Engagement und studentisch geleitete Räume seien an der CAU selten, weshalb sie diese gezielt unterstützen wollen. So bieten etwa die vom Green Office veranstalteten Nachhaltigkeitscafés Raum für studentische Ideen und deren Umsetzung.

Weitermachen, um der Zukunft willen

In der Zukunft möchte das Green Office ›Divestment‹ an der CAU vorantreiben. Es sollen Wege gefunden werden, wie universitäre Gelder klimagerecht und sozial verantwortlich investiert werden können. Ein weiteres anstehendes Projekt sei eine studentisch geleitete Fläche, in der Studierende Gemüse anbauen oder ihre Pausen verbringen können. Auch die Einrichtung einer Stabsstelle Nachhaltigkeit an der Uni sei ein zukünftiges Ziel.

Im Dezember öffnet das ›Front Office‹ im Erdgeschoss des Uni-Hochhauses wieder. Vor Ort soll es Aufenthalts- und Austauschmöglichkeiten geben. Auch wenn das Team sich Sorgen um die eigene Zukunft macht, ist es motiviert und überzeugt, etwas verändern zu können. Dahinter steht laut Cedric Kähler eine persönliche Motivation: »Viele haben über die eigenen Studienfächer Berührungspunkte zum Thema Klimawandel und Klimawandelanpassung. Da ist es für uns enorm wichtig, ein Statement zu setzen. Und weiterzumachen, um der Zukunft willen.«

Hanna ist seit dem Wintersemester 25/26 Teil der ALBRECHT-Redaktion und leitet seit Januar 2026 das Gesellschaftsressort. Sie studiert Soziologie und Politikwissenschaft.

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