Kiel hat die Wahl: Und damit können auch viele Studierende der Kieler Hochschulen ihre Stimme abgeben. Eine Entscheidung, die langfristigen Einfluss auf das Geschehen im Rathaus hat, denn der*die Oberbürgermeister*in wird für sechs Jahre gewählt. Viele Themen werden auf der kommunalen Ebene entschieden: von der ÖPNV-Anbindung zur Uni über (mangelnden) Wohnraum bis zu städtischen Kulturangeboten.
Wir haben den Kandidat*innen für das oberste Amt fünf Fragen gestellt, die für Studis besonders bedeutende Themen ansprechen. Bis zum Redaktionsschluss haben alle bis auf Florian Wrobel von der Partei »Die Partei« geantwortet. Die AfD als rechtsextreme Partei findet in dieser Übersicht genauso keine Berücksichtigung wie die Basis, die mit Ansgar Stalder einen Kandidaten aufgestellt hat, der den Klimawandel leugnet. Kaum ein Thema hat für die Studierenden so eine Relevanz wie der Mangel an Wohnraum. Ähnlich überfüllt wie Wohnungsbesichtigungen sind in Kiel die Buslinien zur Uni und Fachhochschule während der Vorlesungszeit. Eine Stadtbahn könnte hier Abhilfe schaffen, doch das Großprojekt hat aufgrund der hohen Kosten viele Kritiker*innen. Generell geht es bei der Wahl auch darum, wie Kiels Zukunft gestaltet werden soll – und von welchen konkreten Vorhaben Studierende profitieren könnten. Zu all diesen Themen haben die Anwärter*innen auf den Chef*insessel im Rathaus Stellung bezogen.
Übersicht der Kandidat*innen
- Samet Yilmaz, Bündnis 90/Die Grünen
- Gerrit Derkowski, Parteilos (Unterstützt von CDU und FDP)
- Ulf Daude, SPD
- Marcel Schmidt, SSW
- Björn Thoroe, Die Linke
- Viola Ketelsen, Volt
Samet Yilmaz, Bündnis 90/Die Grünen
Kaum ein Thema hat für die Studierenden so eine Relevanz wie der Mangel an Wohnraum. Wie wollen Sie günstigen Wohnraum für Studierende schaffen?
Ich will mehr studentisches Wohnen in öffentlicher und gemeinwohlorientierter Hand fördern – durch eine enge Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk, der KiWoG und Genossenschaften. Wir müssen endlich städtische Grundstücke gezielt für bezahlbare Wohnformen vergeben und Bauen mit Holz, Nachverdichtung und Umnutzung fördern.
Die Buslinien zur Uni/FH sind während des Semesters oftmals überfüllt. Wie soll die Mobilität rund um Uni und Hochschulen in der Zukunft aussehen?
Wer schon einmal mit der Linie 81 zu den Stoßzeiten gefahren ist, kennt die Problematik sehr gut. Kurzfristig kann eine höhere Taktung zur Vorlesungszeit für etwas Entlastung sorgen. Mittelfristig kann der Kapazitätsknoten aber nur mit der Stadtbahn durchschlagen werden, die mehr Personen transportieren kann, eine schnelle Verbindung zwischen FH, Innenstadt und CAU schafft und klimafreundlich ist. Darüber hinaus möchte ich mich bei der KielRegion für einen günstigen Tarif für Studierende und Auszubildende einsetzen, damit die SprottenFlotte weiterhin eine Alternative zum Bus bleibt. Zusätzlich muss unsere Fahrradinfrastruktur weiter saniert und ausgebaut werden.
Einfache Ja/Nein-Frage mit Begründung in einem Satz: Sind Sie für oder gegen den Bau einer Stadtbahn in Kiel?
Ja! Weil sie Kiel langfristig entlastet, klimafreundlich ist und den Nahverkehr auf ein neues Level hebt.
Mit welchen Ansätzen wollen Sie Kiel attraktiver für Studierende machen?
Kiel braucht bezahlbaren Wohnraum, gute Mobilität und mehr kulturelle Freiräume. Ich will studentische Perspektiven stärker in die Stadtentwicklung einbeziehen und Orte schaffen, an denen sich Studierende einbringen, feiern und gestalten können. Gerade die Nähe zum Meer schafft für viele Studierende eine hohe Lebensqualität. Deswegen möchte ich mehr Räume am und im Meer schaffen, die zum Verweilen, zur Erholung oder zum Feiern einladen.
Welche Veränderungen wollen Sie noch anstoßen, die konkret den Studierenden zugutekommen?
Ich will eine engere Kooperation zwischen Stadt, Hochschulen und Studierendenvertretungen – etwa bei Themen wie Wohnen, Mobilität und Nachhaltigkeit. Außerdem setze ich mich für mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten und niedrigschwellige Kultur- und Freizeitangebote ein. Deshalb möchte ich mich beispielsweise gegenüber der Landesregierung für die zeitnahe Sanierung des Sechseckbaus einsetzen, um einen weiteren Ort kultureller Teilhabe zu schaffen und studentisches Leben in Kiel zu stärken.
Gerrit Derkowski, Parteilos (Unterstützt von CDU und FDP)
Kaum ein Thema hat für die Studierenden so eine Relevanz wie der Mangel an Wohnraum. Wie wollen Sie günstigen Wohnraum für Studierende schaffen?
Als Studentenstadt sollte Kiel den Neubau von Studierendenwohnheimen in den Fokus nehmen. Städtische Grundstücke könnten dem Studentenwerk in Erbbaupacht überlassen werden. Auch kreativen Ideen wie etwa schwimmenden Studierendenwohnheimen, wie sie gerade an der FH Kiel entwickelt werden, möchte ich eine Chance geben.
Die Buslinien zur Uni/FH sind während des Semesters oftmals überfüllt. Wie soll die Mobilität rund um Uni und Hochschulen in der Zukunft aussehen?
Ich setze auf das Verkehrsmodell KiMotion: Tragende Säulen sind das S-Bahn-Kiel-Konzept aus dem Landesnahverkehrsplan (nicht Stadtbahn!), zusätzliche Expressbusse, Mobilitätshubs und eine Ausweitung des Fährverkehrs auf der Kieler Förde. Details des Modells sind auf meiner Homepage gerrit-derkowski.de einsehbar.
Einfache Ja/Nein-Frage mit Begründung in einem Satz: Sind Sie für oder gegen den Bau einer Stadtbahn in Kiel?
Ich bin gegen den Bau der Stadtbahn, weil Kosten und Aufwand zu hoch sind.
Mit welchen Ansätzen wollen Sie Kiel attraktiver für Studierende machen?
Kiel hat beste Chancen, sich zu einem überregionalen Zentrum maritimer Forschung zu entwickeln – das bietet beste Zukunftschancen für Studierende. Diese Chancen möchte ich in Zusammenarbeit mit den Hochschulen nutzen. Hier kann der Austausch noch deutlich verbessert werden.
Welche Veränderungen wollen Sie noch anstoßen, die konkret den Studierenden zugutekommen?
Ich möchte mich dafür einsetzen, dass das Semesterticket auch während der Kieler Woche gültig ist. Außerdem gibt es bei der Freizeitgestaltung für junge Menschen noch Luft nach oben – gerade in einer Stadt am Meer.
Ulf Daude, SPD
Kaum ein Thema hat für die Studierenden so eine Relevanz wie der Mangel an Wohnraum. Wie wollen Sie günstigen Wohnraum für Studierende schaffen?
Ich weiß aus vielen Gesprächen, wie frustrierend die Wohnungssuche in Kiel ist. Wer studiert, soll nicht monatelang auf dem Sofa bei Freund*innen schlafen müssen. Deswegen sorge ich als Oberbürgermeister dafür, dass wieder bezahlbare Wohnungen entstehen – mit einer starken städtischen Wohnungsgesellschaft, Unterstützung von genossenschaftlichem Bauen. Außerdem werde ich auf das Studentenwerk zugehen, damit wir gemeinsam Projekte initiieren können.
Die Buslinien zur Uni/FH sind während des Semesters oftmals überfüllt. Wie soll die Mobilität rund um Uni und Hochschulen in der Zukunft aussehen?
Wer morgens in überfüllten Bussen steht, weiß: So kann’s nicht bleiben. Ich will, dass Studierende schnell, einfach, sicher und klimafreundlich zur Uni kommen – mit der Stadtbahn als Herzstück und einer sinnvollen Taktung, auch abends nach der letzten Vorlesung. Mobilität darf kein Geduldsspiel sein, sondern muss Teil eines modernen, vernetzten Alltags in einer Stadt sein, die funktioniert.
Einfache Ja/Nein-Frage mit Begründung in einem Satz: Sind Sie für oder gegen den Bau einer Stadtbahn in Kiel?
Ja, klar – eine Stadt, die wachsen will, braucht eine Stadtbahn, denn sie verbindet unsere zwei Ufer, entlastet Straßen, befördert viel mehr Menschen mit weniger Personal und macht Kiel lebenswerter.
Mit welchen Ansätzen wollen Sie Kiel attraktiver für Studierende machen?
Kiel soll sich wieder anfühlen wie die Stadt, in der man bleibt, weil man sie liebt. Nicht nur, weil man hier studiert. Dazu gehören mehr bezahlbare Mieten, Freiräume am Wasser, Kultur in der Mitte der Stadt, aber auch echte Chancen nach dem Studium. Ich will, dass junge Menschen hier ihre Zukunft sehen und bauen – ob in der Forschung, Start-ups oder Industrie. Dafür unterstütze ich die Maritime Tech City nach Kopenhagener Vorbild. Mit mir wird Kiel den Mut haben, Talente zu halten.
Welche Veränderungen wollen Sie noch anstoßen, die konkret den Studierenden zugutekommen?
Ich will, dass Kiel die Stadt bleibt, in der man morgens mit Freund*innen am Wasser sitzt – und abends weiß, dass hier die eigene Zukunft wartet. Dafür werde ich Stadt und Hochschulen enger zusammenbringen, mehr Räume und Orte für Kultur und Begegnung in allen Stadtteilen schaffen und den Start ins Berufsleben erleichtern. Wer hier lernt, soll hier auch leben und bleiben und sich den Alltag leisten können.
Marcel Schmidt, SSW
Kaum ein Thema hat für die Studierenden so eine Relevanz wie der Mangel an Wohnraum. Wie wollen Sie günstigen Wohnraum für Studierende schaffen?
Durch Stärkung der Kiwog (Kieler Wohnungsgesellschaft Anm.d.Rd.), indem wir mehrere finanzielle Mittel bereitstellen, sowie Flächen zum Wohnungsbau wie Suchsdorf-West erschließen und uns für den Erhalt von Wohnungsbau in Holtenau-Ost einsetzen.
Die Buslinien zur Uni/FH sind während des Semesters oftmals überfüllt. Wie soll die Mobilität rund um Uni und Hochschulen in der Zukunft aussehen?
Die Busse und die Velorouten allein können das Aufkommen zu den Stoßzeiten leider nicht ausreichend abdecken. Durch den Personalmangel bei Fähren und Bussen ist daher die Stadtbahn langfristig der für uns richtige Weg, um viele Menschen in angemessener Zeit transportieren zu können.
Einfache Ja/Nein-Frage mit Begründung in einem Satz: Sind Sie für oder gegen den Bau einer Stadtbahn in Kiel?
Ich bin für den Bau einer Stadtbahn, fordere aber einen Bürgerentscheid.
Mit welchen Ansätzen wollen Sie Kiel attraktiver für Studierende machen?
Neben der Mobilität muss Kiel auch in den Stadtteilen und Quartieren mehr Aufenthaltsqualität bieten. Hierfür wollen wir Grünflächen durch Entsiegelung schaffen, Plätze der Begegnung durch Stärkung der Stadtteilbüchereien fördern, sowie Anreize für Cafés und Gastronomie beispielsweise auf dem Ostufer setzen.
Welche Veränderungen wollen Sie noch anstoßen, die konkret den Studierenden zugutekommen?
- Kostenloser ÖPNV für Schüler, Azubis und Studierende
- Weitere Vergünstigungen im Rahmen der Kiel-Card
- Die erste halbe Stunde der Sprottenflotte soll wieder kostenfrei werden
Björn Thoroe, Die Linke
Kaum ein Thema hat für die Studierenden so eine Relevanz wie der Mangel an Wohnraum. Wie wollen Sie günstigen Wohnraum für Studierende schaffen?
Kiel muss dem Studentenwerk Grundstücke zur Verfügung stellen, um Wohnraum zu schaffen und die öffentliche Kieler Wohnungsgesellschaft groß zu machen. Außerdem muss die Stadtverwaltung eine Abteilung schaffen, die Mietwucher bekämpft. Mieten, die mehr als 20 Prozent über den Durchschnittsmieten liegen, sind illegal und müssen von der Stadt bekämpft werden.
Die Buslinien zur Uni/FH sind während des Semesters oftmals überfüllt. Wie soll die Mobilität rund um Uni und Hochschulen in der Zukunft aussehen?
Die kostenfreie halbe Stunde der Sprottenflotte muss erhalten werden, auch um die Busse zu entlasten. Außerdem muss die Stadtbahn gebaut werden.
Einfache Ja/Nein-Frage mit Begründung in einem Satz: Sind Sie für oder gegen den Bau einer Stadtbahn in Kiel?
Ja, weil Kiel die Verkehrswende dringend vorantreiben muss und die Stadtbahn mehr Menschen transportieren kann, als Busse dies jemals könnten.
Mit welchen Ansätzen wollen Sie Kiel attraktiver für Studierende machen?
Bezahlbaren Wohnraum und von Studierenden selbstverwaltete Räume schaffen.
Welche Veränderungen wollen Sie noch anstoßen, die konkret den Studierenden zugutekommen?
Die Unterscheidung von Studierenden und nicht-Studierenden Kieler*innen erachte ich in diesem Punkt als nicht sinnvoll. Wir profitieren gemeinsam von einer sozial gerechten Politik und einem konsequenten Eintreten gegen Rechts.
Viola Ketelsen, Volt
Kaum ein Thema hat für die Studierenden so eine Relevanz wie der Mangel an Wohnraum. Wie wollen Sie günstigen Wohnraum für Studierende schaffen?
Ich will gemischte Wohnheime für Studierende und Auszubildende schaffen, modular, klimafreundlich und mit Sozialbindung. Die Stadt soll dafür eigene Flächen gezielt nutzen und im Erbbaurecht an gemeinwohlorientierte Träger wie das Studierendenwerk vergeben.
Die Buslinien zur Uni/FH sind während des Semesters oftmals überfüllt. Wie soll die Mobilität rund um Uni und Hochschulen in der Zukunft aussehen?
Ich will die Taktung der Buslinien zu Uni und FH erhöhen und mit der geplanten Stadtbahn eine direkte, leistungsfähige Anbindung schaffen. Ergänzend sollen sichere Radwege und Sharing-Angebote den Campusverkehr entlasten.
Einfache Ja/Nein-Frage mit Begründung in einem Satz: Sind Sie für oder gegen den Bau einer Stadtbahn in Kiel?
Ja, weil die Stadtbahn auf soliden Studien basiert und als Teil eines vernetzten, klimafreundlichen Verkehrssystems Busse, Fähren und Sharing-Angebote sinnvoll ergänzt.
Mit welchen Ansätzen wollen Sie Kiel attraktiver für Studierende machen?
Ich will Kiel durch bezahlbares Wohnen, gute Mobilität, eine lebendige Kultur und enge Zusammenarbeit mit Hochschulen und Wirtschaft zu einem europäisch vernetzten Innovationsstandort machen. Wer hier studiert, soll bleiben wollen, wegen hoher Lebensqualität, echter Teilhabe und Chancen.
Welche Veränderungen wollen Sie noch anstoßen, die konkret den Studierenden zugutekommen?
Ich möchte Einsamkeit unter Studierenden verringern, indem wir mehr Begegnungsorte und bezahlbare Kultur- und Sportangebote schaffen. Gemeinschaft und mentale Gesundheit sollen genauso Teil der Stadtpolitik werden wie Wohnen oder Mobilität.
Joschka studiert seit dem Wintersemester 20/21 Soziologie und Politikwissenschaft und ist seit Ende 2022 Teil des Albrechtsteams. Dazu leitet er seit dem März 2023 das Layoutteam und ist seit Februar 2024 stellvertretende Chefredaktion.
Tore studiert Politikwissenschaft und Philosophie an der CAU. Er leitet seit Februar 2025 das Kulturressort. Schwerpunktmäßig setzt er sich mit Filmen und politischen Themen auseinander.
Bjarne studiert Sozio-Ökonomik an der CAU und ist seit dem Oktober 2024 beim ALBRECHT.





