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Ein Gespräch mit Johannes Krusemark

Johannes Krusemark, 26, studiert Russisch und Linguistik und ab dem Wintersemester Journalismus und Medienwirtschaft an der HAW. Außerdem schreibt er Kurzgeschichten. Bald erscheint wieder eine im Literaturmagazin Der Erker. Wir haben unmit ihm getroffen, um über das Schreiben, den Alltag als Vorlage und die Frage, wann eine Geschichte es wert ist, erzählt zu werden, zu sprechen. 

Der ALBRECHT: Woher nimmst du deine Ideen fürs Schreiben?

Johannes Krusemark: Es sind viele Dinge aus meinem Alltag. Ich sehe irgendetwas und denke, das ist irgendwie witzig, und schreibe mir das auf. Ich glaube, eine gute Geschichte muss gar nicht so ein dickes Thema haben, sondern einfach eine Momentaufnahme sein. Dinge, die ich erlebe. Man muss schon ein bisschen dran gewesen sein an einem Gefühl.

Und wann ist es eine Geschichte dann für dich wert, erzählt zu werden?

Das ist immer die Frage. Es geht auch darum, was der Anspruch des Textes ist. Ich glaube, es gibt Themen, die sind generell universell für den Menschen, so wie Liebe, Glück oder auch Trauer. Ich glaube, das sind Dinge, da kannst du x-beliebig in allen Formaten etwas drüber schreiben und jeder hätte einen Bezug dazu. Aber so kleine Skizzen im Alltag, wenn du eine Person triffst, die so oder so geartet ist, dann ist das nicht universal. Es ist nur eine Momentaufnahme für eine Person. Und dann muss der Text anders daherkommen. Es kann zum Beispiel eine humoristische Skizze sein oder einen Stereotyp aufdecken. Es muss also einen anderen Anspruch haben, als nur etwas objektiv zu beschreiben.

Aber?

Ich glaube, du wirst es sowieso nie schaffen, dass jeder das liest und denkt: »Ja, das ist es.« Oder das ist es eben nicht. Und ich würde auch nicht sagen, dass das alles gut ist. Ich glaube, es fängt da an, wo die einzelne Person sagt: »Ich nehme da was mit« oder »Ich finde es spannend, wenn man das liest.« Dann hat es den Selbstzweck erfüllt.

Wie gehst du damit um, deine Texte anderen zu zeigen?

Ich glaube nicht, dass ich schon komplett selbstbewusst bin. Wenn man zu sehr nach der perfekten Ausdrucksform sucht, überarbeitet man Geschichten zu lange. Deswegen habe ich angefangen, Leuten, die ich nicht kenne, Texte zu schicken. Die sagen dann ehrlich, das ist cool oder das ist scheiße.

Ist Schreiben für dich ein Verarbeitungsprozess?

Vielleicht, ja. Ich mache den Prozess total gerne. Man sitzt da und schreibt ein paar Seiten. Dieser Zustand, den man dabei hat, ist sehr erfüllend. Es ist gar nicht nur das Schreiben, sondern auch, dass man sich Zeit nimmt für Gedanken.

Wie viel schreibst du?

Das ist unterschiedlich. Bei mir zu Hause liegen vielleicht 40 Texte. Manche sind länger, manche nur eine Seite.

Welche Rolle spielt Lesen für dein Schreiben?

Ich lese viel. Ich glaube, das führt dazu, dass man selbst schreiben möchte. Es führt zu einer Begeisterung für Sprache. Um gut schreiben zu können, muss man viel lesen. Es beeinflusst, wieich schreibe, nicht unbedingt, worüber ich schreibe. Also wie Dinge konstruiert sind, wie eine Kurzgeschichte funktioniert.

Welche Autor*innen haben dich dabei geprägt?

Ich habe Chekhov gelesen, Gogol, Tolstoj, Bulgakov. Ich finde Chekhov unfassbar toll. Er ist der Meister der Kurzgeschichten in Russland und hat da unfassbar gute Kurzgeschichten geschrieben. Das war für mich auch so eine Idee, selbst anzufangen.

Arbeitest du auch an längeren Texten?

Ja, ich habe eine Novelle angefangen. Das ist etwas ganz anderes als Kurzgeschichten und gar nicht so einfach, wie ich dachte. Ich werde das wahrscheinlich erst später fertig machen.

Hast du abschließend noch ein paar Empfehlungen?

Die Straße von Cormac McCarthy. Und die Gedichte von Pablo Neruda.

Bjarne studiert Sozio-Ökonomik an der CAU und ist seit dem Oktober 2024 beim ALBRECHT. Schwerpunktmäßig schreibt er über Kultur und Politik.

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