Die Geschichte hinter den 24 Türchen
Jedes Jahr am 1. Dezember passiert etwas Magisches: Erwachsene Menschen freuen sich wieder wie kleine Kinder, wenn sie das erste Türchen ihres Adventskalenders öffnen dürfen. Kaum eine andere Tradition versetzt uns kurz vor Jahresende täglich so sehr in Weihnachtsstimmung wie der Adventskalender. Doch obwohl er aus der Vorweihnachtszeit nicht mehr wegzudenken ist, kennt kaum jemand die Antwort auf die Frage, woher er eigentlich kommt.
Wer Adventskalender sagt, muss auch Adventskranz sagen
Die Geschichte des Adventskalenders ist noch keine 200 Jahre alt und eng verknüpft mit der Geschichte des Adventskranzes. Beide Traditionen verbindet ihr grundlegendes Prinzip: Die Tage bis Weihnachten werden heruntergezählt. Dieses Prinzip hebt sie deutlich von vorherigen Traditionen der Adventszeit ab. Der Ursprung des Herunterzählens liegt unweit von uns entfernt, in Hamburg. Im Jahr 1839 platzierte der evangelische Theologe Johann Heinrich Wichern dort erstmals 24 Kerzen auf einem alten Wagenrad, um den Kindern in seinem Kinderheim die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen. Zack, war der Weihnachtscountdown geboren und mit ihm nicht nur der erste Adventskranz, sondern auch die Grundidee des Adventskalenders.
Neben dem sogenannten Wichernkranz entwickelten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts noch weitere Methoden, um die Wartezeit insbesondere für Kinder sichtbarer und so erträglicher zu machen. Dokumentiert sind beispielsweise Kreidestriche an der Wand oder kleine Bilder, von denen täglich eines entfernt wurde.
Der Kalender wird käuflich
Die ersten kommerziellen Kalender erschienen vor nur etwas mehr als 100 Jahren. Der Münchner Verleger Gerhard Lang, der für viele als Erfinder des Adventskalenders gilt, produzierte 1908 einen Bastelkalender. Dieser bestand aus zwei Bögen Papier – auf dem einen fanden sich Bilder zum Ausschneiden, auf dem anderen Felder zum Bekleben.
Richtig populär wurde der Adventskalender allerdings erst in den 1920er-Jahren dank der Erfindung der Türchenkalender. Hinter diesen verbargen sich damals neben traditionellen christlichen Motiven auch profane Darstellungen wie Winterlandschaften oder Eisenbahnen.
Vom Propagandamittel zum Exportschlager
Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus begann auch für den Adventskalender eine dunkle Phase. Papier wurde rationiert, Inhalte zensiert oder ideologisch umgedeutet. Der Adventskalender wurde von einer besinnlichen Tradition zu einem Propagandainstrument.
Aber in den Nachkriegsjahren fand der Adventskalender nicht nur zu seiner alten Form zurück, er wurde sogar noch beliebter. Die Schokoladenadventskalender, die wir heute noch kennen und lieben, entstanden und verhalfen dem Produkt zu seinem internationalen Durchbruch. Schnell wurde er auch außerhalb von Deutschland zu einem festen Bestandteil der Vorweihnachtskultur. Und das ist er auch heute noch. Inzwischen gibt es Kalender für jede Zielgruppe und jedes Budget. Unternehmen nutzen sie längst als cleveres Marketinginstrument, um Kund*innen an ihre Produkte zu binden.Obwohl er inzwischen wahrscheinlich das Konsumgut der Vorweihnachtszeit ist, bleibt der Kern des Adventskalenders erhalten. Jeden Dezember verkürzt er uns das Warten auf Weihnachten und schafft kleine, besinnliche Pausen, gefüllt mit Momenten der (Vor)Freude.
Paula studiert Deutsch und Englisch auf Fachergänzung. Sie ist seit dem Sommersemester 2025 beim ALBRECHT.



